„Kunst ist, was das Leben interessanter macht als Kunst“
(Robert Filliou)
Vor 50 Jahren kamen aus den USA, aus Europa und Asien stammende Künstlerinnen und Künstler zum ersten Mal unter dem Label „Fluxus“ zusammen, um gemeinsam neuartige Aktionsstücke in Form von kurzen, Aufsehen erregenden Performances aufzuführen. Beeinflusst durch John Cage, in dessen Kompositionen alltägliche Sounds, der Zufall und das Publikum eine wichtige Rolle spielten, entsteht eine genreübergreifende Kunstbewegung, die bisherige Kunstbegriffe radikal infrage stellte.
Kunst und Leben einander näherzubringen, ist ein Leitgedanke von Fluxus. „FLUXUS – Kunst für Alle!“ zeigt künstlerische Arbeiten, die sich sowohl kritisch mit dem damaligen Zeitgeschehen beschäftigen als auch auf spielerische Art neue Sichtweisen auf Alltägliches ermöglichen. Dabei wird dem Publikum Gelegenheit gegeben, selbst Akteur zu sein.
Es werden einige prägende Künstlerpersönlichkeiten vertiefend in den Blick genommen: George Brecht, Robert Filliou, Dick Higgins, Allan Kaprow, Milan Knížák, Takako Saito, Alison Knowles und Wolf Vostell. Ihnen gemeinsam ist eine künstlerische Haltung, die konkret im realen Leben ansetzt. Dabei gingen sie verschiedene Wege, sodass ihre Werke einen facettenreichen Überblick der unterschiedlichen Möglichkeiten vermitteln, Kunst in das Alltagsleben der Menschen zu integrieren.
Die Ausstellung umfasst rund 300 Exponate (Wand- und Raumobjekte, Skulpturen, Assemblagen, Grafiken, Multiples, Zeichnungen, Partituren, Textdokumente, Fotografien und Filme) aus den Jahren 1958 bis 2007. Die Ausstellung wird zudem von drei Installationen mitgeprägt: Die raumgreifendste ist ein Environment nach dem Happening „Umgraben“, 1970, von Wolf Vostell. Des Weiteren wurde nach Allan Kaprows Ansatz der „Re-invention“ sein schon 1986 im Museum am Ostwall realisiertes Activity-Environment „Frische Luft“ neu erfunden. Eine umfangreiche Diashow des Intermedia-Künstlers Dick Higgins präsentiert Bilder aus seiner Theater-Performance „Saint Joan at Beaurevoir – a ceremony through the flames“ von 1960.
Die Ausstellung basiert insbesondere auf jüngsten Erwerbungen aus der Sammlung Feelisch, Remscheid, die mit Mitteln der Freunde des Museums Ostwall und der Stadt Dortmund angekauft wurden, sowie Werke aus der umfangreichen Dauerleihgabe der Düsseldorfer Sammlung Braun/Lieff. Der Sammler und Verleger Wolfgang Feelisch ist dem MO seit Ende der 1960er Jahre bis heute eng verbunden und ermöglichte den Sammlungsschwerpunkt im Bereich Fluxus: durch bedeutende und kontinuierliche Schenkungen, wichtige Dauerleihgaben und temporäre Ausstellungen aus dem Bestand der Sammlung Feelisch.
Mit diesen wichtigen Neuzugängen hat das Museum Ostwall in der deutschen Museumslandschaft seine Bedeutung als Ort der Fluxus-Kunst deutlich gestärkt.