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Museum Ostwall

Dortmunder U

Die Sammlung des Museums Ostwall

Das Museum Ostwall ist der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts gewidmet und besitzt neben herausragenden Werken aus zahlreichen Kunstrichtungen dieser Zeit vor allem Schwerpunkte im Bereich des Expressionismus, des Fluxus, des Nouveau Réalisme und der Konkreten Poesie.

Diese fanden insbesondere durch die Ankäufe der Sammlung Gröppel (1957), der Sammlung Feelisch (1987) und der Sammlung Cremer (ab 1991) Einzug in die Sammlung des Museum Ostwall und bilden deren Grundstock. Darüber hinaus besitzt das Museum durch zahlreiche Leihgaben einen Schwerpunkt zur Farbmalerei sowie zahlreiche eigene und geliehene Werke aus dem Bereich des Informel.

Die Klassische Moderne: Werke des Expressionismus

Bei Gründung des Hauses im Jahr 1949 war es ein wichtiges Anliegen der ersten Direktorin Dr. Leonie Reygers, die während des Nationalsozialismus als "entartet" diskreditierte Kunst der Klassischen Moderne zu rehabilitieren. Den Grundstein hierfür legte - nach ersten Ankäufen diverser Grafiken und einiger Gemälde - die Sammlung des Bochumer Industriellen Karl Gröppel, welche 1957 erworben wurde und rund zweihundert expressionistische Gemälde, Plastiken und Graphiken umfasst. Vor allem Werke von Ernst Ludwig Kirchner, Otto Mueller, Emil Nolde oder Karl Schmidt-Rottluff, die 1905 die Dresdner Künstlervereinigung "Brücke" gegründet hatten, sind hier vertreten. Das Schaffen der 1912 ins Leben gerufenen avantgardistischen Künstlergruppe "Blauer Reiter" wird durch Arbeiten von Wassily Kandinsky, Franz Marc, August Macke und Alexej von Jawlensky repräsentiert. Werke von Paula Modersohn-Becker, Max Beckmann und Pablo Picasso belegen ebenfalls die intensive Auseinandersetzung des Sammlers mit der klassischen Avantgarde.

Nachkriegskunst: Informel und Zero

Ende der sechziger Jahre wurde die Sammlung des Museums um zahlreiche Werke deutscher Nachkriegskunst erweitert: Die gestische Malerei des Informel behandelte die Farbe als Materie, entdeckte Spontaneität als künstlerisches Prinzip und entfernte sich gänzlich von der Gegenständlichkeit. Die Werke Emil Schumachers, Gerhard Hoehmes und K.O. Götz' zeigen dabei auch die Abkehr von der im Nationalsozialismus erneut propagierten idealen Form des Neoklassizismus.

Die 1958 gegründete Gruppe ZERO hingegen brach wiederum mit der sinnlich-gestischen Malerei des Informel. Die Befragung des bildnerischen Materials führte zu einer Konzentration auf die Klarheit der Farbe Weiß und auf Licht als Gestaltungsmittel. In der Sammlung des MO ist dies vor allem in den Werken Otto Pienes, Heinz Macks und Günther Ueckers zu sehen. Arbeiten wie diese lieferten Anregungen für die kinetische Kunst, deren Vertreter Pol Bury und Jean Tinguely mit beweglichen Objekten im Museum Ostwall vertreten sind.

Die 60er und 70er Jahre: Die Sammlungen Feelisch und Cremer mit Werken des Fluxus, des Happening und des Nouveau Réalisme

1988 wurden Teile der Sammlung Wolfgang Feelisch und zu Beginn der 90er Jahre Teile der Sammlung Siegfried Cremer erworben. Beide Sammlungen umfassen wichtige Arbeiten aus den Bereichen Fluxus und Happening sowie des Nouveau Réalisme. Wesentliches Merkmal der Fluxus-Bewegung der 60er und 70er Jahre ist die Überschreitung der Grenze zwischen "hoher Kunst" und Alltagsästhetik und damit die oft diskutierte Frage der Verbindung von "Kunst und Leben". Objekte von Joseph Beuys sind im MO ebenso zu sehen wie Arbeiten von George Brecht, Nam June Paik, Dieter Roth, Daniel Spoerri oder Ben Vautier. Hierunter befinden sich auch zahlreiche Multiples, kleine Kunstobjekte, die z.B. durch den von Wolfgang Feelisch gegründeten VICE-Versand in hoher Auflage hergestellt und preiswert per Post vertrieben wurden. Die zeitlich parallel entstanden Werke der "Nouveau Réalistes" sind unter anderem mit De-Collagen von Wolf Vostell und Plakatabrissen von Raymond Hains vertreten.

Mit der Sammlung Cremer kam darüber hinaus ein größeres Konvolut Konkreter und Visueller Poesie ins Haus. Werke von Reinhard Döhl, Emmett Williams oder Klaus Burkhard bezeugen eine Verschränkung von Literatur und Kunst, von Schriftlichkeit und Bildlichkeit, die in den fünfziger Jahren entstand und deren Tradition bis in die Antike zurückreicht. Auch die sprachlichen Experimente des Futurismus und des Dadaismus am Anfang des 20. Jahrhunderts spielten eine wichtige Rolle: Konkrete Poesie erfasst Schrift als visuelles Material, betont die graphische Qualität des Buchstabens oder verknüpft die Bedeutung von Zeichen mit ihrer formalen Anordnung auf dem Bildträger.

Raumgreifende Kunst: Das Environment

Unter der Leitung Eugen Thiemanns hielt in den 1960er und 1970er Jahren ein Genre Einzug in das MO, das aus Platzgründen lange Zeit nicht in der Dauerausstellung zu sehen war: das Environment. Den ganzen Raum umfassende Installationen von Agostino Bonalumi oder Vlassis Caniaris, vor allem aber Wolf Vostells Arbeit "TEK" (Thermoelektronischer Kaugummi) und aktuellere Arbeiten wie Mark Dions "Frankenstein in the Age of Biotechnology" (1991) werden ab Frühjahr 2010 im Museum Ostwall im Dortmunder U wieder zu sehen sein.

Intermedia: das Archiv Hans Breder

Eine Kooperation mit der TU Dortmund ermöglicht dem MO eine Aufarbeitung des Bereichs "Intermedia". Der Künstler Hans Breder, der in den 1960er Jahren an der Universität in Iowa ein Institut für Intermedia gründete und zahlreiche Künstlerinnen und Künstler wie Allan Kaprow, Nam June Paik, Charlotte Moormann oder John Cage zu Vorträgen und Workshops einlud, stellte sein Archiv den beiden Institutionen zur Verfügung. Gemeinsam wird es nun im Museum Ostwall erfasst, aufgearbeitet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Die 80er Jahre: Die Neuen Wilden

Der Neo-Expressionismus, der in den achtziger Jahren für eine Rückbesinnung der Kunst auf das Medium der Malerei stand, ist im Museum Ostwall durch Leihgaben privater Sammler vertreten. Gemälde von Georg Baselitz, Anselm Kiefer und Jörg Immendorf zeigen eine intensive Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte, während sich Markus Lüppertz' deutlich auf klassische Motive bezieht.

Farbmalerei - Leihgaben der Werner Richard - Dr.Carl Dörken Stiftung

Demgegenüber zeigen die Werke aus dem Bereich der Farbmalerei, die mit einem großen Konvolut an Leihgaben der Werner Richard - Dr. Carl Dörken Stiftung die Sammlung des MO bereichert, die Beschäftigung von Künstlerinnen und Künstlern mit "Farbe als Farbe". Hier sind es vor allem die großformatigen Bilder Ricardo Saros und die vielschichtigen Gemälde Phil Sims, die einen Eindruck dieser Auseinandersetzung mit dem Material liefern.

Das Museum als Kraftwerk: Kunst und Gesellschaft

In den vergangenen Jahren hielten vermehrt gesellschaftsrelevante Themen und mit ihnen die Medien Fotografie und Video Einzug ins MO. Im Anschluss an die Ausstellung "Vision.Ruhr" (2000) gingen mehrere interaktive Videoinstallationen, die sich unter anderem mit der Geschichte des Ruhrgebiets befassen, in die Sammlung des Hauses über. Jochen Gerz realisierte das Projekt "Geschenk", bei dem er Besucherinnen und Besucher der Ausstellung fotografierte. Diese konnten dann jeweils ein gerahmtes Portrait mit nach Hause nehmen - allerdings das eines anderen Gastes, nicht das eigene. Die zweiten Abzüge dieses ‚Familienalbums der Region' befinden sich heute im Museum Ostwall. Bernd und Hilla Becher sind mit Fotografien leerstehender Zechen und Fördertürme aus der Region vertreten; Tobias Zielony untersucht in seiner Fotoserie "Tankstelle" und seiner Dia-Installation "Behind the Block" die Aneignung öffentlicher Räume durch Jugendliche. Anna und Bernhard J. Blume zeigen neben zeichnerischen und fotografischen Auseinandersetzungen mit Religion und Warenfetischismus ein kleinbürgerliches "Trautes Heim", dessen Ordnung durch eine Revolte der Seele aus den Fugen gerissen wird. Das Thema Migration, Gegenstand mehrer Ausstellungen am Standort Ostwall, ist unter anderem durch die Fotoserie "Back Home" und die Videoarbeit "Vajtojca" des in Italien lebenden albanischen Künstlers Adrian Paci vertreten.

Einige wichtige Werke des Museum Ostwall aus der Zeit nach 1945 werden auf der Museumsplattform NRW mit Abbildungen und Texten vorgestellt und ermöglichen einen tieferen Einblick in die Sammlung des MO.

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