Realisation: Pierre Henry
Produktion: Studio akustische Kunst, WDR Köln/ Studio Son Ré, Paris 1996
Länge: 42’
Pierre Henry zu seiner neuen Klangkomposition Antagonismen, die er auch anlässlich des Festival d’Automne 1996 in Paris unter dem Titel Intérier/Extérieur mit großem Erfolg bei der Presse vorstellte: „Mesdames, Messieurs, seien Sie heute abend vom Licht geschlagen und todesblind. Die Luft, die unsere Gegenstände umgibt, ist voll von fantastischen Wesen, und aus ihr zeihe ich die Klänge für die Komposition. Das Thema der Antagonismen ist nicht weit entfernt von einem Buch der Toten. Das Buch beginnt da, wo die Geschichten enden. Meine Musik entsteht in dem Augenblick, wenn die Instrumente im Todeskampf liegen. Wir werden nicht ins Jenseits gehen, weil wir auf unseren Stühlen sitzen bleiben, aber eine Schneise ist abgesteckt für das Abenteuer und die Entdeckungen. Ich träume von einer Geste, von einer Reise ohnegleichen. Die Gerüche und Landschaften belegen die Klänge. Die Klänge werden von der Maschine wahrgenommen und übertragen. Sie ziehen uns unwiderstehlich in einen abstrakten Tod: Ich gehe in mir auf, ein langsames Entweichen, es löst sich von meinem Fleisch und meinen Knochen. Es ist das jähe Abtauchen in das Unbewusste. Ich nehme eine neue Materie in mir auf und versenke mich im Gedächtnis, in meinem Gedächtnis. Eine andere Dimension, in der sich das grenzenlose, schreckliche Land meiner selbst ausbreitet. Der Geist findet sich dort nicht wieder. Er krümmt sich. Heult auf.
Einflüsse: Henry Michaux, L’infini turbulent; Victor Hugo, La Mort d Satan, Dieu Le Bardo Thödel; Yves Bonnefoy, Dictionnaire des mythologies; Antonin Artaud, L’ombilic des Limbes.“ (WDR)
Pierre Henry (*1927) war einer der ersten Komponisten, der das Komponieren im traditionellen Sinne (u.a. das Schreiben von Partituren) aufgab und sich konsequent der "Kunst im Zeitalter der technischen Produzierbarkeit" verschrieb: In der musique concrète, die er zusammen mit Pierre Schaeffer begründete, und deren führender Vertreter er bis heute geblieben ist, werden Schallplatten, Tonband und Lautsprecher produktiv als Ma-terialien der Komposition verwendet. Zusammen mit Pierre Schaeffers komponierte er das erste Lautsprecherkonzert der Musikgeschichte. Realisationen experimenteller Musik mit Texten und Stimmlauten, Musik für Radio, Film, Ballett und Szene. Zusammenarbeit mit dem Choreografen Maurice Béjart. Henry hat seit den fünfziger Jahren in seinen Produktionen neue ästhetische Erfahrungsbereiche erschlossen und Grenzen überschritten zwischen „reiner“ und „angewandter“ Musik, zwischen Musik, Sprache und Radiokunst. Für das Studio Akustische Kunst: Tagebuch meiner Töne, La Ville/Die Stadt. Metropolis Paris, Kriitall der Erinnerung I, II, Une maison des sons/Ein Haus der Klänge, der Hörspiel Film La Ville/Die Stadt. Metropolis Paris – Berlin, Les petits métiers/Die kleinen Arbeiten und Antagonismen. (WDR)