Ein Museum über den Dächern der Stadt, in der vierten und fünften Etage eines ehemaligen Industriegebäudes aus den 1920er Jahren – schon allein das ist in der deutschen Museumslandschaft etwas Besonderes. Wo früher Bier gebraut wurde, braut sich heute etwas ganz anderes zusammen. "Das Museum als Kraftwerk" ist die Leitidee, die das ehemalige Museum am Ostwall als "Museum Ostwall im Dortmunder U" (MO) bei der Präsentation seiner hochkarätigen Sammlung verfolgt. Ein Kraftwerk? Ja: Einerseits versteht sich das Haus mit seinen Schwerpunkten im Expressionismus, im deutschen Informel und in der Happening- und Fluxusbewegung der 1960er- und 1970er-Jahre als Speicher der Vergangenheit. Andererseits ist es eine Energiequelle für das Leben heute, ein Ort gesellschaftlicher und künstlerischer Produktivität.
Sehen kann man im MO unter anderem Werke der Expressionisten August Macke, Emil Nolde, Karl Schmidt-Rottluff, Alexej Jawlensky und Max Beckmann, Werke von Informel-Künstlern wie Emil Schumacher, KO Götz oder Gerhard Hoehme sowie Fluxus-Arbeiten von Wolf Vostell, Joseph Beuys und Nam June Paik. Dabei beschränkt sich das MO nicht darauf, die Arbeiten einfach auszustellen. In einem Museum als Kraftwerk geht es auch um gesellschaftliche Bezüge: Was war das für eine Zeit, in der diese Kunstwerke entstanden? Was haben sie mit den Geschehnissen damals zu tun? Der Besucher des Museums Ostwall im U wird sich nicht nur in einzelnen Kunstwerken verlieren – sondern gleich komplett in vergangene Jahrzehnte eintauchen können.
In den vergangenen Jahren hielten auch zeitgenössische Arbeiten und Installationen Einzug. Zur Sammlung des Hauses gehört die in Dortmund realisierte Foto-Aktion „Geschenk“ von Jochen Gerz sowie Arbeiten von Tobias Zielony und Anna und Bernhard J. Blume. Das Thema Migration ist unter anderem durch den in Italien lebenden albanischen Künstlers Adrian Paci vertreten. Unter anderem sind Rauminstallationen von Mark Dion, Perry Hoberman und Jason Rhoades aus den 1990er Jahren zu sehen sowie mehrere Werke des gebürtigen Dortmunders Martin Kippenberger.
Als Energielieferant wirkt das MO in die Stadt hinein und nimmt Impulse aus ihr auf. Kunstausstellungen knüpfen an wichtige gesellschaftliche Themen an – so gab es in der Vergangenheit Ausstellungen zu Migration oder Stadt/Raum.
Als Energielieferant ist das MO bereits bestens mit anderen Institutionen der Stadt vernetzt. Zusammenarbeit gibt es unter anderem mit dem Theater, Ballett und Oper, mit den Hochschulen oder dem Bund Deutscher Architekten. Regelmäßige Angebote für Kinder, Erwachsene und Jugendliche, Schulungsangebote für Erzieherinnen und Projekte für Schulklassen ergänzen die Energiezufuhr.