Musikalischer Brückenschlag: Gluck trifft Henze
Der Komponist Hans Werner Henze gehört zu den wichtigsten Künstlern der Gegenwart. Ihm ist im Programm von RUHR.2010 eine groß angelegte Hommage gewidmet. Die Dortmunder Oper beteiligt sich unter anderem mit dem "Orpheus-Projekt", das während des Festivals "Klangvokal" am 30. Mai 2010 Premiere feiert. Dabei wird Christoph Willibald Glucks Oper "Orpheus und Eurydike" umrahmt von den Henze-Werken "Kammermusik 1958" und "Nachtstücke und Arien". Die musikalische Leitung hat Jac van Steen.
Hans Werner Henzes "Nachtstücke und Arien" sowie seine "Kammermusik 1958" umrahmen die Oper "Orpheus und Eurydike".
Foto: Schott Promotion / Peter Andersen
Kann Gesang den Tod überwinden? Vor Orpheus’ Trauergesang über den Tod von Eurydike jedenfalls werden selbst die Geister der Unterwelt von Mitleid ergriffen. Er darf Eurydike aus dem Totenreich ins Leben zurückführen – und verliert sie dennoch wieder. In "Orpheus und Eurydike" von 1762 stellt Gluck die Musik ganz in den Dienst der dramatischen Wahrheit und konzentriert sich auf die Natürlichkeit des Gesangs. Sein "Orpheus" ist das erste Werk, in dem sich Stimme und Mensch wieder gefunden haben. Dortmunds Opernintendantin Christine Mielitz inszeniert die Oper.
Rund 200 Jahre liegen zwischen Christoph Willibald Gluck und Hans Werner Henzes "Kammermusik 1958" für Tenor, Gitarre und Streicher. Für Henze ist die Figur des Orpheus der Urquell aller Musik. Auf die Worte von Hölderlins Hymne "In lieblicher Bläue" beschwört Henze mit diesem mediterran gestimmten Werk die griechische Antike. Für den Komponisten ist Hölderlins Dichtung eine "Begegnung von Deutschland und Griechenland in der Vision eines Dichters, dessen Haupt der Wahnsinn umwölkt, der in Bruchstücken stammelt, mit herrlichen scheinbar zusammenhanglosen Phrasen."
Als Epilog zur Oper und als Reflex auf Eurydikes Tod erklingen außerdem Henzes "Nachtstücke und Arien" für Sopran und Orchester auf Texte der österreichischen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann von 1957. Mit seinen Nachtstücken hat sich Henze bewusst von der Nachkriegsavantgarde distanziert und den Weg zu einem mediterran-klassischen Schönheitsideal gesucht.
Vor der Premiere am 30. Mai 2010 gibt es eine Matinee am 16. Mai.
Weitere Termine: 2., 5., 13., 17., 27. Juni 2010.