Eine Ausstellung der Extreme
"InnenWeltenAußenWelten - Von den Anfängen bis zur aktuellen Outsider Kunst" ist eine Ausstellung im Museum für Kunst und Kulturgeschichte, die Kunst von Psychiatrieerfahrenen erstmals in einer historischen Abfolge zeigt.
Die ältesten Werke vom Anfang des 20. Jahrhunderts stammen von Insassen aus psychiatrischen Anstalten aus der Sammlung Morgenthaler aus Bern. Kunst zwischen 1960 und 1990 ist aus der Heidelberger Sammlung Prinzhorn zu sehen. Zeitgenössische Kunst ab 1980 stammt aus Dortmund und Leeds. Die Ausstellung läuft vom 17. September 2010 bis 9. Januar 2011.
Bislang wurde so genannte Art Brut, die Kunst Psychiatrieerfahrener, immer nur unter bestimmten Aspekten oder aus bestimmten Zeitphasen ausgestellt. "InnenWeltenAußenWelten" ist die erste Schau, die eine historische Abfolge leistet. Die ausgewählten Arbeiten spiegeln zumeist entweder die "Innenwelten" der Künstler oder zeigen ihre Wahrnehmung der "Außenwelten", oft in fragmentierter oder verfremdeter Form.
In den Arbeiten kann man von Zeitgeschichte und ihren Ideologien lesen, aber auch vom individuellen Leben vor der Erkrankung, vom Leben in der Anstalt oder von der Auseinandersetzung mit einer Erkrankung und den Reaktionen der Umwelt. Gemein ist allen Künstlern ihr Wissen um extreme menschliche Empfindungen und Erfahrungen und deren Verarbeitung.
Neben der Ausstellung soll auch ein Forum entstehen, um Entwicklungen zu diskutieren und Fragen zu stellen: Wie sieht heute die Auseinandersetzung mit den historischen Werken aus? Welche Gründe gibt es für das gesteigerte Interesse an diesen Werken? Welche Erfahrungen machen Künstler heute mit dem etablierten Kunstbetrieb? Wie reagiert das Publikum, wie funktioniert der Markt? Wie sieht die Förderung und Ausbildung einzelner Talente aus? Und: Ist das Label "Kunst von Outsidern" überhaupt noch notwendig?
Dieses aktuelle Beispiel für aktuelle Outsider-Kunst stammt aus dem Jahr 2008 von Matthias Maaß.
Foto: Guido Wessel, Dortmund
In regelmäßigen öffentlichen Veranstaltungen sollen dabei Künstler, Galeristen und Ausstellungsmacher zu Wort kommen, um interessierten Besuchern die besonderen Werke dieser Kunstrichtung vorzustellen, Trends aufzuzeigen und Orientierung auf einem sich entwickelnden Kunstsegment zu geben.