Nicole Ausbüttel, 1. Vorsitzende der Interessengemeinschaft Münsterstr. e.V.
Aus den Ergebnissen des nun vorliegenden neuen Sozialstrukturberichts lässt sich sehr deutlich entnehmen, dass für die Nordstadt weiterhin erhöhter nachhaltiger Handlungsbedarf besteht.
In den letzten Jahren hat es seitens der Stadt, der Politik sowie der EU- Initiative Urban II viele Bemühungen gegeben, die wirtschaftliche und soziale Entwicklung unseres Stadtteils voranzutreiben und uns Gewerbetreibende mit vielfältigen Maßnahmen vor Ort zu unterstützen. Diese Bemühungen und das Engagement der Gewerbetreibenden sowie vieler engagierter Bürger vor Ort haben dazu beigetragen, dass einige gute Projekte auf den Weg gebracht werden konnten.
Die Probleme vor Ort erfordern jedoch ein konkretes, nachhaltiges Handlungskonzept.
Die derzeitigen Vorschläge sind nicht nachhaltig genug und werden sich zum Teil sogar kontraproduktiv auswirken.
Das Erscheinungsbild des Stadtteils wird nachhaltig und vorrangig durch Randgruppen bildlich nach außen geprägt. Ihr Verhalten verursacht Angstgefühle beim Rest der Bevölkerung und schränken sie in ihrer Lebensqualität ein. Es gilt, diese Angsträume zu minimieren und den Aktionsspielraum dieser Randgruppen einzuschränken.
Wie im Bericht erwähnt, findet das Leben im Stadtteil statt. Das Leben findet aber nur dann dort statt, wenn die Bewohner sich dort auch wohl und sicher fühlen, soll heißen, nur dann geht man hier zum Supermarkt, zum Arzt, mit dem Enkel zum Spielplatz.
In der Nordstadt haben wir da in vielen Bereichen noch viel Arbeit vor uns.
Familien, Kinder sind die Zukunft der Gesellschaft.
"Unsere Jugendlichen stärken- Vorbeugen ist besser als Heilen. Starke Persönlichkeiten brauchen keine Drogen."
So steht es im Bericht. Sätze, deren Inhalt wir voll und ganz unterstützen.Die Prävention und Stärkung unserer Jugendlichen in unserem Stadtteil ist deshalb vorrangiges Ziel.
Die beste Prävention ist jedoch Vermeidung der Konfrontation mit Drogen.
Die Ansiedelung eines Drogenkonsumraumes in diesem ohnehin benachteiligten Stadtteil wird das Image nach außen weiter verschlechtern.
Die hier lebenden Jugendlichen, bei denen bisher noch keine Suchtproblematik besteht, werden hier beständig in das Problemfeld mit hineingezogen. Statt präventiv diese gefährdeten Jugendlichen zu schützen, wird die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass sie in diesen Personenkreis hineingezogen werden.
Das Motto "Starke Persönlichkeiten brauchen keine Drogen" greift hier insoweit nicht, da es sich vornehmlich um benachteiligte Jugendliche handelt, die besonders schutzbedürftig sind.
Diejenigen, die einen Drogenkonsumraum benötigen und bereit sind, Hilfe anzunehmen, werden auch etwas weitere Wege auf sich nehmen( wie man am Beispiel Gesundheitsamt sieht).
Ein solcherart geplanter Drogenkonsumraum ist nach unserer Überzeugung in Gebieten anzusiedeln, die nicht als Wohngebiete ausgewiesen sind.
Es ist über Urban II Projekte sehr viel Arbeit und Geld in den Aufwertung des Stadtteils investiert worden. Mit der Ansiedelung des Drogenkonsumraums würden dann leichtsinnigerweise diese Ressourcen wieder vernichtet.
Ein solches Risiko wird niemand eingehen wollen.
Wir als Gewerbeverein sind intensiv über die bestehenden Urban II Projekte und Förderung benachteiligter Stadtteile eingebunden worden.
Es wurde von allen Seiten viel Zeit und Arbeit in die Umsetzung der Imagekampagne der Nordstadt investiert. Im Bereich Stadtteilmarketing haben wir bereits viel bewegt und somit ist bereits ein Teil des Aktionsplans (Bürgerbeteiligung vor Ort) weit fortgeschritten.
Langfristige Strategien bedürfen auch einer Planungssicherheit, die Verschiebung sozialer Probleme aus der Innenstadt in die Nordstadt zerstören bereits geschaffene Strukturen im gewerblichen und kulturellen Bereich.
Wir als größter Gewerbeverein der Nordstadt erleben täglich die Schwierigkeiten der Existenzsicherung kleinerer Betriebe. Diese Existenzen würden durch unumsichtige Handlungen seitens der Politik aufs Spiel gesetzt.
Das Konzept " angstfrei leben" ist für die Nordstadt das förderungswürdigste Projekt für die kommenden Jahre. Weitere Bürden, wie sie ein Drogenkonsumraum darstellt, führen zu einer weiteren Destabilisierung.
Eine Kontinuität der Durchsetzung der erforderlichen Maßnahmen des Masterplans für die Münsterstr. sowie der begonnen Urban II- Projekte können nur dann erzielt werden, wenn konkret zuständige Ansprechpartner sowie durchgängige Förderungsmassnahmen vorhanden sind.
Wir signalisieren deutlich unsere Bereitschaft, uns für diesen Stadtteil zu engagieren und bitten Sie deshalb, unsere Vorschläge im Konzept zu berücksichtigen.