Ulrike Kletetzka, IG Metall Dortmund
Bildung kann ein Weg aus der Armut sein.
Aber haben alle jungen Menschen in Dortmund wirklich eine faire Chance auf eine gute Bildung und Ausbildung?
Es wird in unserem System schon sehr früh der Grundstein für Bildungschancen gelegt. Bereits im Alter von 10 Jahren wird entschieden, welche Schulform für ein Kind die Richtige ist. Bereits dort wird die Richtung für die Bildung und auch die Ausbildung festgelegt und ein wesentlicher Bestandteil für das ganze Leben entschieden.
Eltern höherer sozialer Schichten fördern in der Regel die Entwicklung und Motivation der Kinder stärker, da sie über größere finanzielle, kulturelle und zeitliche Ressourcen verfügen. Kinder, deren Eltern nicht über diese Ressourcen verfügen, haben es in der Regel schwerer einen höheren Bildungsabschluss zu erzielen.
Wir können das zum Beispiel auch daran sehen, dass in den wenig von Armut betroffenen Räumen in Dortmund der größte Teil der Kinder nach der Grundschule auf ein Gymnasium wechselt.
Die Bedeutung für eine freie Berufswahl und die Chance einen Ausbildungsplatz zu finden sind für einen Gymnasiasten ungleich höher.
Ich nehme als ein Beispiel in Dortmund ein großes Unternehmen, das jedes Jahr 24 Ausbildungsplätze zur Verfügung stellt. Auf diese Stellen bewerben sich 800 Jugendliche. Nur 3 von Einhundert können also mit einem Ausbildungsvertrag rechnen. Es werden natürlich die vermeidlich Besten genommen.
Damals glaubte man, dass man besser einen Hauptschüler einstellt, weil der nachher im Betrieb bleibt und ein guter Facharbeiter wird. Heute nimmt man viel lieber einen Abiturienten, denn die Anforderungen an die Beschäftigten in den Betrieben sind enorm gestiegen!
Bei dem Ausbildungsstellenmangel, der seit Jahren in Dortmund besteht, sind die realen Chancen mit einem Hauptschulabschluss wesentlich eingeschränkt. Mit jedem Jahr steigt momentan die Zahl der Jugendlichen, die einen Ausbildungsplatz suchen. Zudem haben wir aus dem vergangenen Jahr noch viele hunderte, unversorgte Jugendliche, die sich erneut um eine Ausbildungsstelle bewerben.
In diesem Jahr standen 5.529 gemeldeten Bewerber/innen bei der Agentur für Arbeit 3.430 offenen Ausbildungsstellen gegenüber. Dieses Ungleichgewicht ermöglicht kaum eine freie Berufswahl und führt dazu, dass in jedem Jahr hunderte Jugendliche unversorgt bleiben.
Im September 2007 sind es 1238 Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz bekommen haben und sich entweder eine schulische Alternative suchen müssen oder in einer sogenannten berufsvorbereitenden Maßnahme gelandet sind oder sogar völlig unversorgt blieben.
Von dem gekränkten Selbstwertgefühl der Jugendlichen, die viele Bewerbungen geschrieben haben, aber nirgendwo eingestellt und gebraucht werden, will ich gar nicht reden.
Für mich ist diese Situation der Perspektivlosigkeit am Anfang des Lebens eine Katastrophe!
Es ist häufig ein Kreislauf: Denn gerade Kinder und Jugendliche aus Familien, die in Armut leben bekommen keine faire Chance ihre Lebenssituation durch Bildung zu verändern.
Und dabei sind doch die Jugendlichen unsere Zukunft!