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Meinungen - Aktionsplan Soziale Stadt - Lokalpolitik - Rathaus & Bürgerservice - Stadtportal dortmund.de

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Aktionsplan Soziale Stadt

Altes Rathaus und Berswordthalle
Foto: GPM Foto

Stellungnahme der Nordstadt-Grundschulen zum Konzeptentwurf "Soziale Stadtpolitik"

Gisela Schultebraucks-Burgkart, für die Grundschulen der Nordstadt

Die Ergebnisse des neuesten Sozialstrukturberichts machen deutlich, dass die Nordstadt in allen gemessenen Bereichen die rote Laterne unter allen Stadtbezirken Dortmunds hat. All die vielen Investitionen haben die Abkopplung der Nordstadt von der Entwicklung in den anderen Stadtbezirken nicht aufhalten können, im Gegenteil: Der Abwärtstrend hat sich beschleunigt.

Daraus ergeben sich neue strategische Anforderungen insbesondere an die Politik, die sich deutlich abheben müssen von bisherigen Handlungsansätzen, die aber in dem vorliegenden Papier kaum erkennbar sind.

Die Nordstadt ist der kinderreichste Stadtteil und - auf die Aufwachsbedingungen bezogen - zugleich der kinderfeindlichste.

Aus unserer Sicht ist ein radikaler Perspektivwechsel zwingend erforderlich, der die anstehenden Lösungen der Probleme vorrangig aus Sicht der Kinder bewertet.

Unsere Vorschläge im Einzelnen:

  • 1. Die im Stadtquartier vorhandenen geringen Freiflächen sind häufig von Menschen, die problematischen Randgruppen angehören, besetzt. Durch ihr Verhalten machen viele von ihnen den Kindern Angst. Eltern müssen ihre Kinder auf die Spielplätze begleiten, in der Regel entscheiden sie sich für ein Verbleiben der Kinder im Haus, was einen erhöhten Medienkonsum und die mit mangelnder Bewegung verbundenen negativen Konsequenzen zur Folge hat.
    Ziel muss es sein, dass Kinder diese - für sie bestimmten - Freiflächen wieder angstfrei aufsuchen können. Dazu schlagen wir folgende Maßnahmen vor:
    • Deklaration aller Parkflächen in der Nordstadt zu Spielplätzen mit entsprechenden Konsequenzen
    • Betreuung von Spielplätzen durch Personen (1€-Jobs, entsprechend dem Platzhausmeisterkonzept), die Kinder und Anwohner unterstützen
    • Durchsetzung und Kontrolle des Alkohol- und Drogenkonsumverbots auf Spielplätzen.
  • 2. Prostitution, Alkoholmissbrauch, Drogensucht und Drogenhandel nehmen Kinder dieses Stadtteils als zu ihrem Alltag gehörende Normalität wahr. Das beeinflusst ihre Einschätzung von gesellschaftlichen Normen und hindert sie, angemessene Wertvorstellungen zu entwickeln. Hier vor allem ist die Ursache dafür zu suchen, dass Eltern, die auf eine gesunde Entwicklung ihres Kindes Wert legen, den Stadtteil verlassen. Es sind diese Randgruppen, die die Gettoisierung des Stadtteils vorantreiben, nicht so sehr der hohe Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund.
    Der schon vorhandene hohe Problemdruck darf nicht zusätzlich dadurch verschärft werden, dass ein Drogenkonsumraum in der Nordstadt angesiedelt wird. Ein Drogenkonsumraum kann nur sozialraumverträglich, das heißt jenseits des kinderreichsten Stadtteils, errichtet werden.
  • 3. Ein weiteres - sich ab dem 1.1.2008 wahrscheinlich verschärfendes- Problem ist die Ansammlung der bulgarischen Schwarzarbeiter an der Mallinckrodtstraße. Weiterführende Schulen in der Nordstadt werden nicht gewählt, weil der Schulweg der Kinder an dieser Menschenansammlung vorbei führen würde; Kinder überlegen sich große Umwege, um diesen Bereich der Mallinckrodtstraße zu vermeiden. Hier müsste ein integriertes Konzept erarbeitet werden, das zum einen an wirksamen Integrationsmaßnahmen für diese Menschen ansetzt und zum anderen durch polizeiliche Ordnungsmaßnahmen und nach Ausbau der Umgehungstangente
    ggf. durch verkehrslenkende Maßnahmen für die Unattraktivität dieses Standortes als "Leiharbeiterstrich" sorgt.
  • 4. Zu Recht hebt das Konzept die Bedeutung der Bildung hervor. Formale Bildung beginnt in der Regel in der Kindertageseinrichtung. Hier muss mit offensiven Maßnahmen dafür gesorgt werden, dass Kinder diese Einrichtungen so früh und regelmäßig wie möglich besuchen. Kindergartenplätze müssen in für Eltern erreichbarer Nähe angeboten werden. Eltern, die auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind und die i.d.R. mehrere kleine Kinder haben, nehmen keinen Platz in Anspruch, der fußläufig weiter als 10 Minuten von der Wohnung entfernt liegt. Rechtzeitig vor dem dritten Geburtstag eines Kindes müssten die Eltern auf ihr Recht auf einen Kindergartenplatz aufmerksam gemacht werden, dabei müsste ihnen Unterstützung bei der Suche nach einem Kindergartenplatz angeboten werden. Bei lückenhaftem Besuch des Kindergartens sollte ein Rückmeldesystem dafür sorgen, dass Eltern die Bedeutung der vorschulischen Bildung erklärt wird. Eltern, die nicht lesen und schreiben können, müssten persönlich aufgesucht werden.
  • 5. Im Sozialraum Borsigplatz, wo 53,5 Promille der unter 21-jährigen Hilfen zur Erziehung in Anspruch nehmen (fast doppelt so viele wie in der gesamten Stadt),haben nur ca. 25 % der Kinder die Chance auf einen Ganztagsplatz (19,66% in der Oesterholz-GS, 31,17 % in der GS Kleine Kielstraße). Diese Zahl wird sich im nächsten Schuljahr durch die steigenden Schülerzahlen an der GS Kleine Kielstraße noch verringern.
    Gerade die ganztägige Betreuung bietet so viele Möglichkeiten, Erziehung und Bildung der Kinder zu fördern, dass der Ausbau der OGS in diesem Sozialraum angestrebt werden sollte.
  • 6. Die im Konzept aufgelisteten Projekte wie Elterncafes und Schülerclubs etc. müssen dauerhaft in den Schulen verankert werden. Hier sollte der Bereich der systematischen Qualifizierung von Eltern ausgebaut werden.

Wir begrüßen ausdrücklich die geplanten Maßnahmen der Stadt gegen Armut insb. gegen Kinderarmut. Auch die vorgestellten Vorhaben zur Erhöhung von Sicherheit und Ordnung sind Zeichen in die richtige Richtung.

Wir würden uns freuen, wenn die von uns gemachten Vorschläge mit in das Konzept aufgenommen werden würden.

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