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Literaturpreis

Irakisch-kurdischer Autor Bachtyar Ali erhält Nelly-Sachs-Preis 2017

Nachricht vom 07.09.2017

Der irakisch-kurdische Autor Bachtyar Ali wird in diesem Jahr den Nelly-Sachs-Preis, Literaturpreis der Stadt Dortmund, erhalten. Mit Bachtyar Ali wird ein Schriftsteller ausgezeichnet, der zu den bedeutenden Autoren der islamischen Welt zählt und dessen Werk im Westen noch weitgehend unentdeckt ist.

Bachtyar Ali

Bachtyar Ali hat die Nachricht über die Preisvergabe erfreut entgegengenommen
Bild: Hama Karim Khasraw

Die Entscheidung über die Vergabe des mit 15.000 Euro dotierten Preises fiel am 6. September in der Jury-Sitzung.

Bachtyar Ali schreibt auf Sorani, der südöstlichen Variante des Kurdischen. Aus seinem umfangreichen Werk sind erst zwei Romane in deutscher Sprache erschienen, die begeistert von der Kritik aufgenommen wurden. "Die Stadt der weißen Musiker" und "Der letzte Granatapfel", erschienen im Unionsverlag, erinnern an die große orientalische Erzähltradition und schildern auf hochpoetische Weise eine unbekannte Welt: Das Schicksal der irakischen Kurden – brutal verfolgt und in inneren Auseinandersetzungen zerrissen.

Angesichts von Erfahrungen genozider Gewalt, Kriegen und Flucht ist Bachtyar Alis Werk ein Manifest des Lebenswillens und der Poesie

Stefan Weidner

"Angesichts von Erfahrungen genozider Gewalt, Kriegen und Flucht ist Bachtyar Alis Werk ein Manifest des Lebenswillens und der Poesie. Unter Rückgriff auf die Mythen und die Spiritualität des Orients sowie getragen von hohem moralischem Anspruch und großem Engagement bricht der Autor eine Lanze für die Menschlichkeit", so Jury-Mitglied und Schriftsteller Stefan Weidner.

Preisverleihung am 10. Dezember

Bachtyar Ali wurde 1966 in Sulaimaniya (Nordirak) geboren. 1983 geriet er durch sein Engagement in den Studentenprotesten in Konflikt mit der Diktatur Saddam Husseins. Er brach sein Geologie-Studium ab, um sich der Poesie zu widmen. Sein erster Gedichtband "Gunah w Karnaval" (Sünde und Karneval) erschien 1992. Sein Gesamtwerk umfasst Romane, Gedichte und Essays. Seit Mitte der Neunzigerjahre lebt Bachtyar Ali in Deutschland.

Seine Texte weisen weit über die Kurdenthematik hinaus und schließen sich an das literarische Werk derjenigen Autorin an, in deren Namen er nun ausgezeichnet wird: Nelly Sachs.

Mit dem nach ihr benannten Literaturpreis ehrt und fördert die Stadt Dortmund alle zwei Jahre Persönlichkeiten, die überragende schöpferische Leistungen auf dem Gebiet des literarischen und geistigen Lebens hervorbringen und zur Verbesserung der kulturellen Beziehungen zwischen den Völkern beitragen. In Anlehnung an den Geburtstag von Nelly Sachs wird der Preis am 10. Dezember in einem Festakt im Dortmunder Rathaus verliehen.

Jury

Zur Jury unter dem Vorsitz von Bürgermeisterin Birgit Jörder gehören folgende Fachpreisrichterinnen und Fachpreisrichter:

  • Dr. Sabine Berking, Berlin (Dozentin, Lektorin, Literaturkritikerin)
  • Patricia Klobusiczky, Berlin (Lektorin, Literaturübersetzerin)
  • Stefan Weidner, Köln (Schriftsteller, Journalist, Übersetzer, Literaturkritiker)
  • Dr. Johannes Borbach-Jaene, Dortmund (Leiter der Stadt- und Landesbibliothek).
  • Als Sachpreisrichterinnen und -richter waren Bürgermeisterin Birgit Jörder und die Ratsmitglieder Barbara Brunsig, Brigitte Thiel und Joachim Pohlmann beteiligt.

Bachtyar Ali hat die Nachricht über die Preisvergabe erfreut entgegengenommen und wird am 10. Dezember 2017 zu Gast in Dortmund sein.

Nelly-Sachs-Preis

Die Stadt Dortmund verleiht den Nelly-Sachs-Preis alle zwei Jahre an Persönlichkeiten, "welche herausragende schöpferische Leistungen auf dem Gebiet des literarischen und geistigen Lebens hervorbringen" und die "in ihrem Leben und Wirken geistige Toleranz, gegenseitigen Respekt und Versöhnung unter den Völkern und Kulturen verkünden und vorleben, die sich in einer globalisierten Gesellschaft für ein friedliches Zusammenleben und die Überwindung kultureller, ethnischer und religiöser Grenzen einsetzen."

Erste Preisträgerin war 1961 die Namensgeberin Nelly Sachs. Später ging der Preis u.a. an Nadine Gordimer (1985), Milan Kundera (1987), Christa Wolf (1999), Per Olov Enquist (2003) und Rafik Schami (2007), Abbas Khider (2013) und Marie N’Diaye (2015). Der Preis wird seit 2015 alternierend an männliche und weibliche Preisträger vergeben.