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Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Jesús González Rebordinos

Kunst

"Immersion": Marc Bühren stellt seine 3D-Drucke in der Städtischen Galerie im Torhaus Rombergpark aus

Nachricht vom 26.07.2019

Vom 28. Juli bis 18. August präsentiert der Dortmunder Künstler Marc Bühren eigens für das Torhaus in 14 Monaten geschaffene Werke. Einige der Objekte sind zum ersten Mal aus der Kombination von manuellem und digitalem 3D-Druck entstanden.

Marc Bühren

Marc Bühren und ein Werkzeug: der 3D-Stift
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Roland Gorecki

Seit elf Jahren arbeitet Marc Bühren hauptberuflich als bildender Künstler mit Atelier in Dortmund-Hörde. Im Jahr 2017 entdeckte er den manuellen 3D-Druck für sich und konnte seine erste damit entstandene Installation zum DEW21 Kunstpreis 2017 im Dortmunder U präsentieren. Weitere Nominierungen zu Kunstpreisen folgten, so zum Kunstpreis der Stadt Hamm im Gustav-Lübcke-Museum. Für die Technik des manuellen 3D-Drucks erhält der Künstler Unterstützung einer amerikanischen Firma, mit deren Hilfe sich auch die Ausstellung "Immersion" in der Städtischen Galerie Torhaus Rombergpark realisieren ließ.

Nachhaltige Kunstproduktion

Stoffliche Grundlage seiner Arbeiten ist ein Biokunststoff auf der Basis von Maisstärke. Dieser hat den Vorteil, bei der Verarbeitung deutlich umweltverträglicher zu sein als das herkömmliche Gegenüber: "Bei der Verwendung wird das Material zwischen 160 und 220 Grad heiß, dann ist es wichtig, dass die entstehenden Dämpfe nicht der Gesundheit schaden", sagt Bühren.

Marc Bührens "Evolution"

Marc Bührens "Evolution"
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Roland Gorecki

In Deutschland sei der konventionelle Kunststoff aus diesem Grund wenig populär, die teurere Bio-Alternative noch nicht weit verbreitet. Künstler*innen in Asien oder den USA trügen weniger Bedenken im Umgang mit dem herkömmlichen Kunststoff, entsprechend sei der künstlerische Umgang mit 3D-Druckern dort selbstverständlicher.

Bührens Materialien sind zudem biologisch abbaubar. Deshalb mache er "allerdings keine kompostierbare Kunst", sagt er lachend.

Kunstversenkung

Der Titel "Immersion" bezieht sich auf das emotionale "Eintauch-Erlebnis" in das Kunstwerk. Bühren lädt dazu ein, Werke und Raum zunächst frei von jeglichen Interpretationsversuchen optisch zu erforschen und aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. "Man kennt diesen Wunsch, sich in einer Sache, einem Gegenstand zu versenken, aus dem Design von Computergames", erläutert der Künstler. "Aber dieses Verlangen ist in der schaffenden Kunst schon viel früher aufgetaucht". Diesem urmenschlichen Bedürfnis möchte Bühren mit seiner Schau gerecht werden. "Immersion" sei entsprechend der passende Titel.

Inspiration für die über 25 Kunstwerke lieferten die Flora, Fauna und geschichtlichen Ereignisse des Rombergparks sowie Aspekte zur kritischen Hinterfragung der Wohlstandsgesellschaft. Zu letzteren passt das Herzstück der Ausstellung, die freistehende Rauminstallation mit dem Titel "Evolution". Sie besteht aus einer raumgreifenden multiplen Zeichnung einer Baumstruktur. Am Fuß des Baumes finden sich "kulturelle" Fundstücke aus dem Rombergpark: Rote Aluminiumverpackungen von Schokoladenherzen, kaputte Luftballons und sonstiger Aluminium-Unrat, der den Park zu Pfingsten "ziert". "Zu dieser Zeit finden dort viele Hochzeiten statt - das bleibt übrig", weist Bühren auf die Tendenz mancher Zeitgenoss*innen hin, ihren Abfall der Natur zu überlassen.

Marc Bührens "Drohn"

Marc Bührens "Drohn"
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Roland Gorecki

Außerdem werden fünf Kunstwerke auf Galeriesockeln sowie etliche Wandobjekte präsentiert. Entstanden ist eine außergewöhnliche Ausstellung in der 3D-Technik, in der Marc Bühren mit der Multiplikation und Imitation natürlicher Formen und Strukturen und zugleich den Sehgewohnheiten des Ausstellungsbesuchers spielt. So im Objekt "Der Drohn". "Der Drohn" zeigt eine aus der Art geschlagene Biene, die das Insektensterben durch Insektizide gleichsam mit einem evolutionären Rettungssprung beantwortet. "Die 'Multiplikation' erzeuge ich durch eine Vervielfachung der eigentlich zwei Flügel", erklärt Bühren, der normalerweise wenig Gefahr einflößende Bienenkörper wirkt in "Der Drohn" bedrohlich vergrößert.

Der Rombergpark ist Marc Bührens "Lieblingspark", im Torhaus fand sogar seine Hochzeit statt. "Umso erschreckender sind die deutlichen Spuren, die die NS-Zeit hier hinterlassen hat." In zwei, mit 3D-Stift angefertigten Zeichnungen erinnert der Künstler etwa an die vielen Gefangenen der Steinwache, die in den letzten Kriegsmonaten in einem Bombenkrater des Parks ermordet wurden.

Spielerisch und leicht dagegen sind zwölf kleine Wandobjekte, die zum Betrachten und Genießen einladen. Auch hier ist der/die Betrachter*in geneigt, zu interpretieren: Was bedeutet wohl deren Titel "Naturidentische Aromen"?

Großes Medieninteresse

Seit einiger Zeit zeigen die Medien hohes Interesse an dem Künstler und seinen Werken, so wurde auch ein Beitrag für das Magazin "euromaxx" der Deutschen Welle produziert und international ausgestrahlt.

Torsten Tullius

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Die Ausstellung ist geöffnet dienstags bis samstags von 14:00 bis 18:00 Uhr, sonntags und feiertags von 10:00 bis 18:00 Uhr. Der Eintritt ist frei. Veranstalter ist das Kulturbüro Dortmund in Zusammenarbeit mit dem BBK Ruhrgebiet.

Marc Bühren (Jahrgang 1974) studierte Kommunikationsdesign an der Bergischen Universität Wuppertal und ist seit 2008 hauptberuflich als Künstler in Dortmund tätig. Seitdem war er in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen vertreten. Im Jahr 2015 war er im Kunstkalender "Grafik aus Dortmund" vertreten.