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Austellung im Hoeschmuseum

Hoesch-Museum

Ausstellung

Schlosser und naiver Maler: Hoesch-Museum zeigt Arbeiten von Franz Klekawka

Nachricht vom 05.07.2018

Er war Schlosser bei Hoesch – und avancierte nebenbei zu einem der talentiertesten naiven Maler im Ruhrgebiet: Franz Klekawka. Das Hoesch-Museum zeigt vom 8. Juli bis 30. September 2018 die Ausstellung "Franz Klekawka – Schlosser bei Hoesch und naiver Maler", kuratiert von Michael Dückershoff und Brunhild Kanstein.

Schlosser bei Hoesch und naiver Maler: Hoesch-Museum zeigt Arbeiten von Franz Klekawka

Klekawkas Gemälde sind meist voller Menschen und erzählen viele Geschichten. Große Aufmerksamkeit schenkte er den Details. Er malte immer aus der Erinnerung, nie vor Ort. Die konkrete Realität war ihm weniger wichtig als das Milieu richtig zu treffen.

Zu sehen sind 64 Gemälde, die Franz Klekawka vom Ende der 1950er Jahre bis zum Ende der 1980er Jahre gemalt hat. In dieser Zeit machte er sich als naiver Maler einen Namen weit über die regionalen, ja sogar die nationalen Grenzen hinaus. Die Ausstellung im Hoesch-Museum ist die erste größere Ausstellung mit ausschließlich Gemälden von Franz Klekawka seit 1982. Parallel sind derzeit einige Arbeiten von ihm im Museum Ostwall im Dortmunder U zu sehen: Das MO wirft in seiner Ausstellung " Kunst & Kohle: SchichtWechsel " noch bis zum 12. August einen aktuellen Blick auf die bergmännische Laienkunst.

Im Hoesch-Museum wird Franz Klekawka als naiver Künstler gewürdigt, der mit seinem Werk die Zeit im Revier von den späten 1920er bis zu den späten 1980er Jahren aus der Sicht des Arbeiters, des Schlossers bei Hoesch, in der kollektiven Erinnerung wach hält.

Entdeckung bei den "Steckenpferdturnieren"

Die Hoesch AG richtete 1955, 1958, 1962 und 1965 Wettbewerbe aus, bei denen die Hobby-Arbeiten der Belegschaft prämiert wurden – sogenannte "Steckenpferdturniere". Sie stießen auf großes Interesse sowohl bei den Beschäftigten als auch in der Öffentlichkeit. Sie wurden auf der Westfalenhütte durchgeführt, wanderten aber auch zu weiteren Standorten der Hoesch AG. Franz Klekawka wurde von Thomas Grochowiak beim Steckenpferdturnier der Hoesch-AG 1962 entdeckt, wie eine Anzahl anderer naiver Künstler bei vergleichbaren Werkausstellungen.

Vom Autodidakten zum international ausgestellten Künstler

Franz Klekawka hatte seit seiner Kindheit gezeichnet und mit Wasserfarben gemalt. Seine Lehrer erkannten sein Talent an, die Mitschüler freuten sich vor allem über seine Karikaturen an der Tafel. Als Jugendlicher liebte er die Gemälde der großen Meister, vor allem wegen ihrer bunten Farben, Spitzweg wegen der Komik. Sein erstes Ölgemälde entstand, als er 1957 für seine erste eigene Wohnung ein Bild kaufen wollte, jedoch zu wenig Geld hatte. So malte er selbst eins. Die ersten Versuche waren Kopien bekannter Maler, mit denen er allerdings nicht zufrieden war. Sein erstes eigenes Gemälde reichte er beim Steckenpferdturnier 1958 ein, gewann aber nur einen Anerkennungspreis. 1962 und 1965 erhielt er für seine Gemälde dann jeweils den ersten Preis.

v.l. Dr. Jens Stöcker, Direktor des MKK; Dr, Karl Lauschke, Vorsitzender der Freunde des Hoesch-Museums und Brunhild Kanstein, Mit-Kuratorin

Freuen sich auf die Ausstellung zu den Arbeiten von Franz Klekawka: v.l. Dr. Jens Stöcker, Direktor des MKK; Dr, Karl Lauschke, Vorsitzender der Freunde des Hoesch-Museums und Brunhild Kanstein, Mit-Kuratorin
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Stadt Dortmund / Katrin Pinetzki

Seit 1962 malte er fast täglich, immer am Fenster seines Wohnzimmers, zuerst auf einem Schemel sitzend vor dem Sessel, dessen Rücklehne die Staffelei ersetzte. Durch die Förderung von Thomas Grochowiak wurde er schnell bekannt. Allein zwischen 1962 und 1975 wurden seine Werke an 40 Orten ausgestellt, auch im Ausland, u.a. im damaligen Jugoslawien, in der Schweiz, in Russland, Finnland, Dänemark und Spanien. Er genoss die neuen Erfahrungen und die Freundschaft mit anderen naiven Künstlern, ohne dabei Dünkel oder Arroganz zu zeigen: Klekawka arbeitete weiterhin engagiert als Schlosser bei Hoesch und wurde von seinen Kollegen geschätzt. "Aus Jux" fertigte er Karikaturen an, mit denen er aktuelle Ereignisse im Werk kommentierte und die er an eine Wand heftete. Im Übrigen spielte sein Malen bei der Arbeit keine Rolle.

Malstil, Themen und Motive

Klekawkas Gemälde zeichnen sich vor allem aus durch die zeichnerische Grundlage und die Farben aus. Er liebte Kontraste zwischen gedämpften und hellen, bunten Farben. Klekawka malte Szenen aus dem geselligen Freizeit- und Alltagsgeschehen, Erinnerungen an Ausflüge, Prozessionen, gerne auch lustige Begebenheiten. "Wenn ich unter der Dusche stehe, wasche ich den Dreck und auch die Gedanken an die Arbeit ab. Ich habe Feierabend. Vielleicht male ich mal ein Bild von der Arbeit als Thema. Aber nicht von meiner", sagte er einmal. Es gibt tatsächlich nur zwei Gemälde direkt von seinem Arbeitsplatz – aber er malte Bilder von der Arbeit anderer. Er nahm auch politische Themen auf, die die Menschen seiner Zeit beschäftigten. Eine große Rolle spielen die Gemälde, in denen er seine Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend in der Zechenkolonie in Dortmund-Schüren verarbeitete.