Dortmund überrascht. Dich.
Gauklerbrunnen im Stadtgarten

Kunst im öffentlichen Raum

Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): zielske photographie

Künstler: Künstler unbekannt

Titel: Kriegerdenkmal in Kley, Gefallene 1914/1918

Das in den 1930er Jahren eingeweihte Kriegerdenkmal 1914/1918 in Oespel ist seinem Ausdruck nach eines der martialischsten und agressivsten in Dortmund. Es wurde mehrfach beschmiert und ist immer wieder Inhalt politischer Debatten.

Standort:
Do-Kley/Oespel, Hedwigstraße/Ackerweg, 44149 Dortmund
Jahr:
1938/39
Beschriftung:
Sockel-Inschrift: „Der Geist der teuren Toten lebt in uns/ Kley-Oespel seinen gefallenen Söhnen 1914 - 1918“; Inschrifttafel von 2004: "DIESES KRIEGERDENKMAL, 1934/35 VON DEN NATIONALSOZIALISTEN IN AGGRESSIVER, GEWALTTÄTIGER UND PATHETISCH- EXPRESSIVER FORM ERRICHTET, SOLL DEN GEDANKEN AN DIE REVANCHE FÜR DEN VERLORENEN ERSTEN WELTKRIEG SOWIE DEN KAMPF DER DEUTSCHEN SOLDATEN VERHERRLICHEN. DAS DENKMAL GILT DAHER AUCH WENIGER DER TRAUER UM DIE TOTEN DES ERSTEN WELTKRIEGES. WIE AUCH WIR DEUTSCHEN LEIDVOLL ERFAHREN HABEN, BEDEUTET JEDER KRIEG UNVORSTELLBARES ELEND, SCHMERZ, VERTREIBUNG UND TOD. MÖGE SICH JEDER BETRACHTER DESSEN EINGEDENK SEIN."
Technik/Material:
Sandstein
Höhe:
ca. 4 m
Kunstwerknr.:
44149-014
Kriegerdenkmal 1914-1918
Kriegerdenkmal 1914-1918

Zu den besonders martialisch-aggressiv wirkenden und „denkwürdigsten“ Kriegerdenkmälern 1914/1918 zählt neben dem in Großholthausen das in Dortmund-Oespel. Vor einem Waldstück an der Hedwigstraße / Ecke Ackerweg erheben sich über einem Sockel zwei übergroße, vollplastische Soldatenfiguren mit Stahlhelm und Uniformmantel. Beide Figuren greifen synchron mit ihrer rechten Hand zur Waffe. Ihre Haltung demonstriert Kampf- und Angriffsbereitschaft im Gleichschritt. Die Inschrift am Sockel ist kaum noch lesbar: „Der Geist der teuren Toten lebt in uns/ Kley-Oespel seinen gefallenen Söhnen 1914 – 1918“. Das Denkmal, dessen Grundsteinlegung laut eines Zeitungsberichtes für Juni 1938 angesetzt war, wurde in Anwesenheit des NSDAP-Reichsorganisationsleiters Robert Ley eingeweiht. Künstler oder Steinmetz sowie ein genaueres Errichtungs- und Einweihungsdatum sind unbekannt. In den vergangenen Jahren war es immer wieder Gegenstand politischer Diskussionen, wurde von Neonazis für Versammlungen genutzt und mit Parolen wie „Wir zeichnen den Mördern ein Denkmal, mensch, denk mal!“ oder durchgestrichenen Hakenkreuzen besprüht. 2002 sprach sich die Bezirksfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN für den Abriss des Denkmals aus. 2004 beschloss die Bezirksvertretung Lütgendortmund mit einer Inschriftentafel das Denkmal zu einem Mahnmal umzuwidmen: "DIESES KRIEGERDENKMAL, 1934/35 VON DEN NATIONALSOZIALISTEN IN AGGRESSIVER, GEWALTTÄTIGER UND PATHETISCH- EXPRESSIVER FORM ERRICHTET, SOLL DEN GEDANKEN AN DIE REVANCHE FÜR DEN VERLORENEN ERSTEN WELTKRIEG SOWIE DEN KAMPF DER DEUTSCHEN SOLDATEN VERHERRLICHEN. DAS DENKMAL GILT DAHER AUCH WENIGER DER TRAUER UM DIE TOTEN DES ERSTEN WELTKRIEGES. WIE AUCH WIR DEUTSCHEN LEIDVOLL ERFAHREN HABEN, BEDEUTET JEDER KRIEG UNVORSTELLBARES ELEND, SCHMERZ, VERTREIBUNG UND TOD. MÖGE SICH JEDER BETRACHTER DESSEN EINGEDENK SEIN." In der Silvesternacht 2015 wurde das Denkmal erneut besprüht, mit pinker Farbe und einem durchgestrichenen Hakenkreuz. SR

]
Anonym: Dortmund-Oespel-Kley. Ehrenmalbauverein, in: Dortmunder Zeitung, 2. Juni 1936; Anonym: Dortmund-Oespel, in: Dortmunder Zeitung, 11. Juni 1936; Anonym: Dortmund Oespel-Kley. Vom Bau des Ehrenmals, in: Dortmunder Zeitung, 20. März 1938; Fritz H. Sonnenschein: Verzeichnis der Denkmäler, Brunnen, Ehrenmäler in der Stadt Dortmund, 1.8.1956, Ms. Im Hochbauamt der Stadt, Stadtarchiv Dortmund, IX, 3; Fachbereich Design der Fachhochschule Dortmund (Hg.): „Unsere tapferen Helden...“ Kriegs- und Kriegerdenkmäler und politische Ehrenmale – Dortmunder Beispiele, Essen 1987, S. 41 sowie Abb. o.S. und Titelfoto; Öffentliche Denkmäler und Kunstobjekte in Dortmund. Eine Bestandsaufnahme unter Leitung von Jürgen Zänker, erarbeitet von Iris Boemke u. a., Dortmund 1990, Nr. 67, S. 82; Stadt Dortmund, Untere Denkmalbehörde, Denkmalliste Nr. A 0269; Markus Günnewig: Was vom Kriege übrig blieb. Kriegerdenkmäler in Dortmund, in: Historischer Verein für Dortmund und die Grafschaft von der Mark e.V. und Stadtarchiv Dortmund (Hg.): Heimat Dortmund, Dortmund im Ersten Weltkrieg, 1/2014, S. 60-64; Tobias Grossekemper: Rosa Soldaten. Kriegerdenkmal in Oespel wurde zum Jahreswechsel besprüht, in: Westfälische Rundschau vom 13. Januar 2015; http://www.gruene-dortmund.de/archiv2003/dok_oespel03.php [Abruf: 23.01.2015]; http://www.gruene-dortmund.de/archiv2003/dok_fboespel03.php [Abruf: 23.01.2015]
keine Biografie vorhanden

Quelle: lt. Zänker: Sonnenschein, IX, 3