Gauklerbrunnen im Stadtgarten

Kunst im öffentlichen Raum

Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): zielske photographie

Künstler: Benno Elkan

Titel: Grabstätte Familie Schulze Vellinghausen, Relief Todesgang

Benno Elkan gestaltete für die Familie Schulze Vellinghausen eine monumentale Grabstätte. UG

Standort:
Do-Mitte, Robert-Koch-Straße/Ostfriedhof (Feld 10), 44143 Dortmund
Jahr:
1910
Beschriftung:
"BENNO/ELKAN/ROM 1910" unten Mitte; "Aktien Gesellschaft Gladenbeck Berlin-Friedrichshagen" (Vermerk der Gießerei) auf dem Steg unten rechts; Grabsteine: „ALBERT/ SCHULZE VELLINGHAUSEN/ PROFESSOR/ GEB. 30. MAI 1905/ IN WERNE/ GEST. 23. MAI 1967/ IN BOCHUM“; „ HUGO SCHULZE VELLINGHAUSEN/ GEB. 30. APRIL 1859/ IN STOCKUM/ GEST. 28. OKT. 1908/ AUF PAULINENHOF/ I KOR. 13.8/ DIE LIEBE HÖRET NIMMER AUF!“
Technik/Material:
Relief: Bronze (seit 2021 als Replik aus Polymerbeton); Grabstein: Epprechtstein-Granit
Höhe:
Relief: 1,56 m, Grabmal (Ädikula): ca. 4 m
Breite:
Relief: 1,65 m; Grabmal: 2,45 m
Kunstwerknr.:
44143-010
Todesgesang
Todesgesang

Die Grabstätte grenzt sich von den Nachbargräbern durch hohe Mauern ab. Inschrifttafeln mit Namen und Lebensdaten der Verstorbenen sind auf dem Grabbeet flach positioniert. Sie geben damit den Blick frei auf den monumentalen Grabstein. Er besteht aus einer hohen Sockelzone, zwei dorischen Pilastern und einem Architrav, der in den Giebel übergeht. Die Ädikula bildet den Rahmen für das Relief „Todesgang“. Vier männliche Gestalten gehen dem Unabwendbaren entgegen. Der erste Mann schreitet mit zusammengepressten Händen mutig voran. Ein zweiter folgt ihm überwältigt. Das Haupt hat er in den Nacken geworfen, seine rechte Hand bedeckt das Gesicht. Ein dritter Mann eilt mit großen Schritten hinterher. In seiner Linken hält er einen Wanderstock, sein Kopf ist gesenkt. Allein eine vierte männliche Gestalt wendet sich mit traurigem Blick zurück. Elkan hat das Relief während seines Aufenthalts in Rom entworfen, dann durch die Bronzegießerei Gladenbeck in Berlin-Friedrichshagen ausführen lassen. Thematisch ist die Darstellung dem Kenotaph von Albert Bartholomé auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise (1899) verpflichtet, auch wenn der „Todesgang“ hier nicht am Tor eines Mausoleums mündet. Hugo Schulze Vellinghausen war Inhaber eines Agentur-Geschäfts in Bergwerks- und Hütten-Produkten sowie Vorstand der Briket-Verkaufs-Verein AG. UG

Hans Menzel-Severing: Der Bildhauer Benno Elkan. Dortmund 1980; Fritz Hofmann, Peter Schmieder: Benno Elkan. Ein jüdischer Künstler aus Dortmund, Essen 1997.
Fried Lübbecke: Benno Elkan - Alsbach i. H., in: Deutsche Kunst und Dekoration 30.1912, S. 21-28, hier: S. 21; Karl Schwarz: Benno Elkan, in: Ost und West. Illustrierte Monatsschrift für das gesamte Judentum 13. 1913, Heft 2 (Februar), S. 129-138, 148, hier: S. 135, 138; Ernst Blass: Benno Elkan, in: Die Kunst 31.1914/15, S. 254-269, hier: S. 255, 266; Hans Menzel-Severing: Der Bildhauer Benno Elkan. Dortmund 1980, Wk-Nr. 118, S. 65, 72, 180; Fritz Hofmann, Peter Schmieder: Benno Elkan. Ein jüdischer Künstler aus Dortmund, Essen 1997, S. 30, 36.
Benno Elkan (1877- 1960) verbrachte seine Kindheit und Jugend in Dortmund. Nach Abschluss der Mittleren Reife hielt er sich zum Sprachenstudium an einem Internat in Lausanne auf und arbeitete anschließend für kurze Zeit als Kaufmann in Antwerpen. 1897 besuchte er die Kunstschule des Münchner Malers Walter Thor, ab 1898 studierte er Malerei bei Johann Heterich an der Akademie der Künste in München. 1901 setzte er das Kunststudium bei Friedrich Fehr an der Akademie in Karlsruhe fort. Dort beschloss er, künftig als Bildhauer zu arbeiten. Seinen ersten Auftrag erhielt er aus Dortmund von Karl Richter, Chefredakteur des Dortmunder Generalanzeigers. 1905-1907 lebte er in Paris, wo er Auguste Rodin, Henri Matisse und Jules Pascin kennenlernte. 1906 hatte er im Dortmunder Rathaus eine erste Einzelausstellung. Nachdem er den Rom-Preis der Michael-Beer-Stiftung gewonnen hatte, lebte er gemeinsam mit seiner Ehefrau Hedwig Einstein 1908-1911 in Rom. Dort setzte er sich intensiv mit der Kunst der Renaissance auseinander. 1911 lebte er mit seiner Familie in Alsbach an der Bergstraße, ab 1919 in Frankfurt am Main. Er wurde Vorsitzender des Künstlerrats und erhielt vom Magistrat der Stadt Frankfurt den Auftrag für ein Mahnmal für die Opfer des Ersten Weltkrieges. Sein Werk fand zunehmend Beachtung. Nach Beendigung der Besetzung des Rheinlandes durch die Alliierten wurde 1930 in Anwesenheit des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg in Mainz ein "Befreiungsdenkmal" enthüllt. Es wurde 1933 durch die Nationalsozialisten zerstört. Elkan erhielt Berufsverbot, emigrierte 1934 nach London und wurde britischer Staatsbürger. 1936 stellte er noch in der Ausstellung „1. Reichsausstellung jüdischer Künstler“ in Berlin aus. Nach dem Zweiten Weltkrieg unternahm er wieder Reisen nach Deutschland. 1956 schuf er im Auftrag der Knesset in Jerusalem die "Große Menorah". Sein während des Zweiten Weltkriegs entstandener Entwurf eines „Mahnmals für die Toten des Krieges“ wurde 2010 in Dortmund als virtuelles Denkmal realisiert und ist im Museum für Kunst und Kulturgeschichte zu sehen (www.benno-elkan.de). UG

Quelle: Menzel-Severing 1980, Wk-Nr. 118