Gauklerbrunnen im Stadtgarten

Kunst im öffentlichen Raum

Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): zielske photographie

Künstler: Hanspeter Lechner

Titel: o. T. (Keramikrelief)

Der Wittener Hanspeter Lechner gestaltete 1974 ein großflächiges Keramikrelief im Auftrag der Stadtsparkasse. Die abstrakte Wandgestaltung mit den Maßen 2x 4 Meter befindet sich direkt neben dem Eingang der Sparkassenfiliale am Körner Hellweg.

Standort:
Do-Körne, Körner Hellweg 91-93, Front d. Stadtsparkasse, 44143 Dortmund
Jahr:
1974
Beschriftung:
re.unten Signatur: "P Lechner"
Technik/Material:
Keramik
Höhe:
2 m
Breite:
4 m
Kunstwerknr.:
44143-019
Keramikrelief
Keramikrelief

Der Wittener Keramiker Hanspeter Lechner gestaltete das großflächige Keramikrelief, eine Arbeit ohne Titel, 1974 im Auftrag der Stadtsparkasse. Die abstrakte Wandgestaltung mit den Maßen 2x 4 Meter befindet sich direkt neben dem Eingang der Sparkassenfiliale am Körner Hellweg. Das liegende Rechteck setzt sich aus mehreren, unterschiedlich großen Keramikplatten zusammen, die in unterschiedlichen Formen in blassen bis kräftigen Rosa-Nuancen gehalten sind. Zusammengesetzt ergeben die Platten ein abstraktes, aber organisch anmutendes Mosaik, ähnlich den Windungen eines Gehirnes. In langgezogenen Schleifen, Voluten, mit Knoten, Verdickungen und Einziehungen ergibt sich ein unregelmäßiges, ornamentales Gesamtbild. Stellenweise liegen auch Kugeln wie Perlen in einer Reihe. Insgesamt ist aber eine horizontale Gliederung in mehreren Schichten von oben nach unten zu erkennen. Faszinierend an dieser wie ein Puzzle zusammengesetzten Arbeit ist, dass man anhand der Art der Anfertigung davon ausgehen kann, dass der Künstler bereits zu Beginn das komplette Werk vor seinem inneren Auge sah. Großformatige, abstrakte Keramikreliefs wie dieses sind charakteristisch für das Gesamtwerk des Wittener Keramikers und Designers. In den 1950er und 1960er Jahren gestaltete er in Dortmund vorwiegend „Kunst am Bau“. Im Gegensatz zu anderen Künstlern führte er nur zu 20 Prozent freie Arbeiten aus und bestritt den Großteil durch Auftragsarbeiten und Wettbewerbe in NRW. Bei seinen Arbeiten verwendete er bevorzugt Keramik als Material. Mit Ausnahme der Werke in Kirchen gestaltet Hanspeter Lechner seine Kunstwerke allgemein abstrakt oder abstrahiert. Dabei ist er von den keramischen Arbeiten berühmter Vorbilder wie Joan Miró i Ferrà und Josep Llorens i Artigas inspiriert. Ein witziges Detail, das sich erst bei näherer Betrachtung offenbart, sind plastisch vertiefte Zehen-, Fuß- und Pfotenabdrücke in diesem Keramikrelief zum Beispiel neben der Signatur unten rechts. Als Kunst im öffentlichen Raum hat das abstrakte Kunstwerk mit ornamentalen Strukturen zwei Funktionen: Es wirbt zum einen für den Stifter, die Sparkasse, und verleiht der Filiale gleichzeitig einen Wiedererkennungswert. IF

Wirtschaftsverband Bildender Künstler Nordrhein-Westfalen e.V. (Hg.): Bildende Künstler im Land Nordrhein Westfalen, Bd.1 Süd- und Nordwestfalen, Recklinghausen 1966, S. 127.; Deutsche Keramik 1971, Ekkart Klinge (Hg.), Ausst.Kat. Hetjens-Museum Düsseldorf, Düsseldorf 1971, S. 116 f.; Joachim Waldrich (Hg.): Who’s who in contemporary ceramic arts. A comprehensive bio-bibliographical guide to Austria, Germany, Switzerland, München 1996, S. 408.; Günter Meißner (Hg.): Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker. Walter de Gruyter, München/ Leipzig 2009 (online).; (Telefonat mit Hanspeter Lechner 2.11.2013)
Öffentliche Denkmäler und Kunstobjekte in Dortmund. Eine Bestandsaufnahme unter Leitung von Jürgen Zänker, erarbeitet von Iris Boemke u. a., Dortmund 1990, Nr. 358, S. 280.;
Hanspeter Lechner wurde 1939 in Witten geboren. Von 1957 bis 1960 absolvierte er eine Handwerkerausbildung als Keramiker im Atelier seines Vaters in Witten. Um 1960 verbrachte er sechs Monate bei dem italienischen Bildhauer Mario Porcú im bekannten italienischen Keramikzentrum Albisola und gestaltete mit ihm große Keramikreliefs. Danach besuchte er Vallauris, ein traditionelles Keramikzentrum in Frankreich, wo auch Picasso gerade an Keramiken arbeitete. Im selben Jahr erhielt er seinen Gesellenbrief in Stadtlohn und besuchte die Staatliche Fachschule für Keramik in Landshut bis 1961. Dann übernahm er den väterlichen Keramikbetrieb in Witten und gestaltete zahlreiche Keramiken, Baukeramiken sowie vorwiegend Wandgestaltungen. Er designte aber auch exklusive Kachelöfen. In den 1950/60er Jahren gestaltete er viel im öffentlichen Raum Dortmunds, vorwiegend als „Kunst am Bau“ zum Beispiel im Hallenbad Dietrich-Keuning-Haus oder im Hallenbad Lütgendortmund. Noch in der Lehre fertigte er die Wandgestaltung an der Landgrafenschule und im Rahmen der Bundesgartenschau ein großformatiges Keramikrelief am ehemaligen Parkcafé im Westfalenpark an. Letzteres entstand mit dem Architekten Will Schwarz und steht unter Denkmalschutz. Als Künstler gestaltete er nur wenige freie Arbeiten; den Großteil seiner Arbeit bestritt er erfolgreich durch überregionale Auftragsarbeiten und Wettbewerbsteilnahmen. Als künstlerische Vorbilder für seine abstrakten Keramiken nennt Lechner Joan Miró und den katalanische Keramiker Josep Llorens i Artigas. Einige seiner Werke wurden 1965 und 1971 in Gruppenausstellungen unter dem Titel „Deutsche Keramik“ in Museen präsentiert. Hanspeter Lechner näherte sich autodidaktisch dem Design und übernahm zahlreiche Aufträge in dem Bereich, so zum Beispiel fünf Jahre lang als Designer bei Hoesch AG und bei Deele, wo er die Inneneinrichtung von Jachten und die Gestaltung des Jachthafens übernahm. Aber auch Platzgestaltungen in Witten (Berliner Platz) und Moers stammen von ihm. Der Lechnerhof in Witten mit seinen zehn Angestellten wurde mittlerweile von Hanspeter Lechners Frau übernommen. Der Künstler arbeitet seit der Gestaltung einer Werft in Amsterdam häufig in seinem Atelier dort, lebt aber auch noch in Witten. IF