Gauklerbrunnen im Stadtgarten

Kunst im öffentlichen Raum

Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): zielske photographie

Künstler: Carl Maria Geiling

Titel: Grabmal Familie Rüb

Der Südfriedhof wurde 1893 eröffnet und zählt damit zu den ersten Kommunalfriedhöfen in Dortmund. Die 17 ha große Anlage ist in der Mode des Parkfriedhofs gestaltet. Auffälligstes Merkmal ist der gekrümmte Verlauf aller Wege in weiten Bögen seitlich der Platanenallee. Diese „landschaftlichen Friedhöfe“ waren in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland beliebt.

Standort:
Do-Mitte, Große Heimstraße 119, Südfriedhof (Feld 8a), 44139 Dortmund
Jahr:
1914
Beschriftung:
Inschrift oben: „Friede“;Signatur Bronzeplatte re.un: „C.M. Geiling“;li. un.schwer leserlich: „Galvanoplastik“; Inschrift: „Ruhestätte der Familie H.Rüb Ich habe dich je und je geliebet, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte der.31.3.“ ; „Gerda Grothe geb. Rüb geb.8. Juli 1925 gest.28. Mai 2006“ ; „Hier ruht in Gott Frau Julie Rüb geb. Naurath geb.7.Okt. 1853 gest. 7.März 1922“ ; „Eliese Rüb geb. Schmidt geb.17 Okt. 1892 gest.20. Mai 1974“ ; „Hier ruht in Gott mein lieber Mann, unser guter Vater Heinrich Rüb geb. 8.März 1849, gest. 27.März 1914“ ; „Walter Rüb geb. 7.Mai 1891, gest.15. Juni 1952 Die richtig gewandelt haben, Kommen zum Frieden.des. 57,2“
Technik/Material:
Marmor und Bronze
Höhe:
Insgesamt: 2,1 m; Relief: 0,8 m; Sockel: 0,5 m;
Breite:
Insgesamt: 2,3 m; Relief: 0,6 m
Kunstwerknr.:
44139-079
Bild
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Der Grabmaltypus der Ädikula- Architektur, wie hier am Familiengrab von 1914, war schon im Klassizismus beliebt und hatte seine zweite Blüte im Jugendstil. Blickfang des Grabmals ist aber die zentral angebrachte, flache Galvanoplastik (0,8x 0,6 m), welche sehr hochwertig, detailliert gearbeitet ist und die Signatur „C.M.Geiling“ trägt. Das Bronzerelief „Abschied“ zeigt ein trauerndes Paar in antikisierenden Gewändern, das auf Stufen vor einem Sarkophag oder Postament mit zarter Kannelierung steht. Im Hintergrund brennt eine Feuerschale und allgemein erinnert der dargestellte Ort an einen antiken Tempel. Der Mann steht mit entblößtem Oberkörper seitlich neben der Frau und legt seinen Kopf an ihre Schulter. Dabei umfasst er die Schulter mit der einen Hand und die Andere hält die der Frau. Diese steht frontal in einem bodenlangen, faltenreich gestalteten Kleid und hat ihren Kopf zu dem Trauernden gewandt wie um sein Haar behutsam zu küssen. Ein absolut zeittypisches Vergänglichkeitssymbol ist der Immortellenkranz, der auf dem Sarkophag hinter der Frau liegt. Bei dem Bronzerelief „Abschied“ handelt es sich um den Abguss eines Prototyps, eine sogenannte Galvanoplastik vermutlich von der Galvanoplastischen Kunstanstalt Heiligenhaus. Der Bildhauer Carl Maria Geiling hat die Plastik entworfen. Ein weiterer bekannter Abguss befindet sich auf dem Poppelsdorfer Friedhof in Bonn an dem Grabmal Kraemer und ist vermutlich ebenfalls 1914 entstanden. Auch die Firma WMF hatte zum Thema „Abschied“ verschiedene Reliefs des Künstlers im Sortiment mit einem Paar oder als Familie, einige davon befinden sich in Gießen (Neuer Friedhof). Dieses Relief fügt sich stimmig in das Gesamtwerk des Bildhauers ein, der sich in Ausdruck und Formgebung an der Düsseldorfer und Berliner Bildhauerschule orientierte und meist allegorische Figuren mit kontemplativen Zügen wählte. Charakteristikum seiner Reliefs ist die weich-fließende Oberflächenmodellierung, wie man sie hier an der differenzierten und gekonnten Behandlung der Anatomie und der Gewänder erkennen kann. Interessant ist auch die dargestellte Interaktion der Beiden, zumeist findet man zu der Zeit Darstellungen weiblicher Trauernder oder Engel, hier lehnt sich der trauernde Mann bei der gefasst wirkenden Frau an. Anhand dessen kann man sie vielleicht als Allegorie interpretieren. IF

Dankmar Trier: Carl M. Geiling, in: Saur Allgemeines Künstlerlexikon. Die bildenden Künstler aller Zeiten und Völker. Mitherausgegeben und begründet von Günter Meißner. K. G. Saur, München/Leipzig, Bd. LI, 2006, S. 90. https://sh-kunst.de/carl-m-geiling-kniende/ [Abruf:2.2.2021] https://www.denk-mal-gegen-krieg.de/assets/kriegerdenkmal/HH-Lohbruegge-Arbeiterskulpturen-Band2-Beispielseiten-2.pdf [Abruf:2.2.2021] Klaus Türk: Arbeiterskulpturen. Die Sammlung Werner Bibl, Bd.2, Essen 2011, S. 190. https://www.paul-benndorf-gesellschaft.de/kunstwerk-des-monats.html [Abruf:2.2.2021] Auszugsweise zitiert aus: Alfred E. Otto Paul: „Die Kunst im Stillen – Kunstschätze auf Leipziger Friedhöfen“, Bd. 7, Leipzig 2020, S. 160 ff.
Dankmar Trier: Carl M. Geiling, in: Saur Allgemeines Künstlerlexikon. Die bildenden Künstler aller Zeiten und Völker. Mitherausgegeben und begründet von Günter Meißner. K. G. Saur, München/Leipzig, Bd. LI, 2006, S. 90. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Geiling_Kraemer_Poppelsdorf.jpg [Abruf:15.2.2021]
Der deutsche Bildhauer Carl Maria Geiling wurde 1874 in Münster geboren. Über seinen schulischen Werdegang ist nur bekannt, dass er 1893 bis 1895 Stipendien erhielt und ab 1899 an der Kunstgewerbeschule in Düsseldorf studierte. Wahrscheinlich lebte und arbeitete er die meiste Zeit seines Lebens in Düsseldorf. Bis 1921 war er dort ein Mitglied des Künstlervereins „Malkasten“. Als freischaffender Bildhauer schuf er vor allem Modelle für Bronzen und Galvanoplastiken. Vollplastisch oder als Relief gestaltete der Künstler zumeist allegorische Figuren, in einer weich-fließenden Oberflächenmodellierung, stilistisch beeinflusst von der Düsseldorfer und Berliner Bildhauerschule. Anfang des 20. Jahrhunderts war Carl M. Geiling damit außerordentlich erfolgreich und galvanoplastische Reproduktionen seiner Werke wurden unter andrem in Erfurt, Frankfurt a.M., Gießen, Hamburg, Köln, Bonn und Dortmund und international in Graz (AT), Högbo (SE) und Osijek (HR) als Grabschmuck verkauft. Zu dem Zweck hatte er gleichzeitig einen Vertrag mit der Galvanoplastischen Kunstanstalt Heiligenhaus und der Galvanoplastischen Kunstanstalt der Württembergischen Metallwarenfabrik in Geislingen. Letztere hatte 1906-30 mehrere Figuren und Reliefs von ihm im Sortiment (u.a. „Abschied“, „Trauer“ und „Die drei Frauen am leeren Grab“, 1909). Seltener sind Arbeiten von Geiling aus Stein wie zum Beispiel das Ehrenmal für die Mitglieder und Freunde des Malkastens von 1921 am Lindenrondell in Düsseldorf. Besonders ist auch das Denkmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege in Hamburg (Lohbrügge), eine fast lebensgroße „Kniende“ aus Bronze von 1927. Selten wählte der Künstler religiöse Szenen oder Arbeiterdarstellungen. Seine Kleinbronze „Schmied“ ist vermutlich von 1918 (Privatbesitz), der Arbeiter steht am Amboss mit einem Hammer und schwerer Arbeitskleidung. Carl Maria Geiling ist 1924 in Düsseldorf verstorben. IF

Quelle: Liste Denkmalbehörde Südfriedhof