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Kunst im öffentlichen Raum

Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): zielske photographie

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Künstler: Victor Heinrich Seifert

Titel: Kriegerdenkmal in Wambel, Gefallene 1914-1918

Zur bevorstehenden Stilllegung des Alten Friedhofs in Wambel entwarf der Berliner Bildhauer Victor Heinrich Seifert ein Denkmal, das insbesondere der Trauer um die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten gilt. In seinem Ausdruck ist es noch weit entfernt von der nationalsozialistischen, kampfbereiten Formensprache der wenige Jahre später entstandenen Kriegerdenkmäler.

Standort:
Do-Wambel, Wambeler Hellweg/ Nußbaumweg, Alter Friedhof, 44143 Dortmund
Jahr:
1931
Beschriftung:
Front: "1914-1918 UNSEREN HELDEN";Rückseite: "ERRICHTET 1931 VON DEN BÜRGERN DER GEMEINDE WAMBEL";Rückseite oben li.Bronzesockel: "Guss Rich.Barth Bln. Mariendorf"; li.Seite Bronzesockel Sign.: "Victor H. Seifert."
Technik/Material:
Bronze u.Kunststein
Höhe:
Gesamthöhe ca. 3,3 m; Unterbau: ca. 0,55 m; Sockel: ca. 1,1 m; Skulptur: ca. 1,44 m
Breite:
Unterbau ca. 1,3 m; Sockel ca. 1,04 m; Skulptur ca. 0,7 m
Kunstwerknr.:
44143-031
Kriegerdenkmal 1914-18
Kriegerdenkmal 1914-18

Bereits im August 1929 veröffentlichte ein dafür eingerichteter Ehrenmalsausschuss seinen Plan für ein Kriegerdenkmal der ehemaligen Gemeinde Wambel und sammelte dafür 47 Namen der dortigen Gefallenen. In der Platzfrage entschied sich der Denkmalsausschuss für den Friedhof am Nußbaumweg, „der demnächst geschlossen und dann als Volkserholungsstätte einer größeren Öffentlichkeit zugänglich gemächst wird“, heißt es in einem Artikel aus der Dortmunder Zeitung vom 26. Mai 1930. Der noch neue Hauptfriedhof nahe der Rennbahn hatte den Alten Wambeler Friedhof abgelöst, so dass dieser zu einer öffentlichen Grünanlage umgestaltet werden konnte. Die Bürgerschaft Wambels finanzierte das geplante Denkmal unter anderem mit Einnahmen aus dem Volksfest am 12. und 13. Juli 1930, das in der Gastwirtschaft Grube gefeiert wurde. Am 17. Mai 1931 fand die Einweihung statt. Kurz zuvor war das Denkmal mit roter Farbe beschmiert worden. Seine Gestaltung ist noch wesentlich geprägt vom Ausdruck der Trauer und Introvertiertheit: Auf einem quaderförmigen Kunststeinsockel, der an der Vorderseite die Inschriften „1914-1918“ und „Unsere Helden“ trägt, kniet eine Soldatenfigur aus Bronze mit abgenommenem Helm. Ihr Blick ist gesenkt, in ihrer linken Hand hält sie einen kleinen Lorbeerkranz, den sie im Begriff ist „am Grab eines gefallenen Kameraden“ (Dortmunder Zeitung, 26.5.1930) abzulegen. Der Berliner Bildhauer Victor Heinrich Seifert entwarf für das Kriegerdenkmal 1914/1918 auf dem Alten Friedhof Wambel diese in sich gekehrte, trauernde Figur, die weit entfernt ist von der nationalsozialistischen Formensprache mit ihrer herausfordernden Kampfbereitschaft, wie sie wenige Jahre später beispielsweise die Denkmäler in Huckarde (1933) oder Oespel/Kley (1938/1939) zeigen. SR

Dresslers Kunsthandbuch, hg. von Willy Oskar Dressler Band 2, Bildende Kunst: das Buch der lebenden deutschen Künstler, Altertumsforscher, Kunstgelehrten und Kunstschriftsteller, Berlin 1930, S. 945f; Victor Heinrich Seifert, in: Hans Vollmer: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts, Bd. 30, Leipzig 1936, S. 461; Staatl. Museen Preußischer Kulturbesitz (Hg): Ethos und Pathos, Die Berliner Bildhauerschule 1786-1914, 1990, Bd. 2, S. 556, Nr. 369; http://de.wikipedia.org/wiki/Victor_Seifert [Abruf: 23.01.2015]
Anonym: Ehrenmal Wambel, in: Dortmunder Zeitung, 26. Mai 1930; Anonym: Ehrenmal Dortmund-Wambel, in: Dortmunder Zeitung, 17. Juli 1930; Anonym: Ehrenmalsweihe in Dortmund-Wambel, in: Dortmunder Zeitung, 16. Mai 1931; Anonym: Weihe des Ehrenmals in Dortmund-Wambel, in: Dortmunder Zeitung, 18. Mai 1931; Anonym: Von der Weihe des Ehrenmals in Wambel, in: Dortmunder Zeitung, 19. Mai 1930; Fachbereich Design der Fachhochschule Dortmund (Hg.): „Unsere tapferen Helden...“ Kriegs- und Kriegerdenkmäler und politische Ehrenmale – Dortmunder Beispiele, Essen 1987, S. 40; Öffentliche Denkmäler und Kunstobjekte in Dortmund. Eine Bestandsaufnahme unter Leitung von Jürgen Zänker, erarbeitet von Iris Boemke u. a., Dortmund 1990, Nr. 61, S. 78.
Victor Heinrich Seifert wurde am 19. Mai 1870 im österreichischen Döblin, heute ein Bezirk Wiens geboren. Er studierte an der Kunstgewerbeschule in Wien und der Berliner Akademie und unternahm verschiedene Studienreisen nach Paris, Italien, Brüssel und London. Zwischen 1897 und 1926 schuf er zahlreiche Brunnen, Bismarck- und Kreigerdenkmälder sowie Genrefiguren und Kleinbronzen. Er bekleidete eine Professur an der Akademie in Berlin. Seifert war verheiratet und hatte einen Sohn. Er starb 1953 in Berlin. SR

Quelle: lt. Zänker: "Unseren tapferen Helden…", S. 40.