Dortmund überrascht. Dich.
"Sankt Nikolaus in Not", Das Burgtheater

Museum für Kunst und Kulturgeschichte

Ausstellungsarchiv von 1998 bis 2000

18.11.2000 - 30.12.2000

Im Himmel gibt es viel zu tun

Es ist ein untrügliches Zeichen: Jedes Jahr drängen sich Menschen in den Fußgängerzonen, stapeln sich in den Kaufhäusern Spekulatius und Christstollen. Es weihnachtet.

Da gibt es viel zu tun. Stress und Hektik greifen um sich. Die besinnliche Adventszeit sie scheint wie ein vergangenes Märchen. Aber lassen wir uns nicht täuschen. Seit vor hundert Jahren die ersten gedruckten Adventskalender auf den Markt kamen, erfahren wir schon als Kinder: Auch im Himmel gibt es viel zu tun. In welche Hektik geraten erst der Weihnachtsmann, das Christkind und auch der Nikolaus in der vorweihnachtlichen Zeit.

Die Ausstellung illustriert Beispiele der himmlischen Aktivitäten durch Adventskalender: den Weg der Wunschzettel vom wünschenden Kind zum himmlischen Postamt, die mühselige Herstellung der Geschenke in himmlischen Werkstätten, die Reparatur zerbrochener Puppen im Puppenkrankenhaus oder die vielfältigen Arbeiten in den himmlischen Backstuben. Erstaunliche Parallelen vom Leben im Himmel und auf Erden werden deutlich, aber auch so mancher Unterschied. Natürlich ändern sich im Laufe der Zeit mit den kindlichen Wünschen auch die Geschenke und die pädagogischen Himmelshelfer. Ein Abriss der Geschichte der Adventskalender verdeutlicht dies und zeigt: Jede Zeit und jede Generation hat ihre eigenen Bilder vom "Weihnachtstraum".

Historischer Adventskalender

02.09.2000 - 07.01.2001

F. K. Waechter und Rudi Hurzlmeier

Satirische Zeichnungen und Karikaturen

F. K. Waechter, geb. 1937, gilt als einer der besten und eigenwilligsten deutschen Satiriker. Als Mitglied der Neuen Frankfurter Schule, zu der auch Robert Gernhardt, Hans Traxler, Chlodwig Poth, Eckhard Henscheid u.a. gehören, hat F. K. Waechter seit den frühen sechziger Jahren wesentlich den deutschsprachigen Humor mitgeprägt, z. B. durch die Zeitschriften PARDON und TITANIC. Neben seiner zeichnerischen Tätigkeit hat sich F. K. Waechter in den letzten Jahren auch dem Film und dem Theater gewidmet. Rudi Hurzlmeier, geb. 1952, gilt als Nachwuchs in der deutschen Humor-Szene. Nach einer abwechslungsreichen Berufserfahrung als Tankwart, Schaufensterdekorateur, Krankenpfleger, Taxifahrer, Antiquitätenhändler u.a. bringt er seit rund 15 Jahren frischen Wind in die komische Kunst. Spielerisch leicht beherrscht er alle erdenklichen Techniken von der Zeichnung über das Aquarell bis hin zu handwerklich meisterlichen Ölgemälden, die erst auf den dritten Blick ihren gnadenlos-köstlichen Humor offenbaren. Die Ausstellung gibt einen höchst vergnüglichen Überblick über das Werk der beiden Künstler.

Karikatur

19.08.2000 - 05.11.2000

Aus Noahs Arche

Tierbilder der Antiken Welt

Für die Menschen der Antike war der Umgang mit den Tieren ihrer Umwelt ein entscheidender Aspekt im Leben. Jagdtiere dienten dem Überleben, Haustiere brachten vielfältigen Nutzen.

Tiere standen stellvertretend für die Mächte der Natur, und nicht von ungefähr stellte man sich in der Frühzeit vieler Kulturen die Götter in Tiergestalt vor.

Und auch der Wunsch nach dem friedlichen Miteinander aller Geschöpfe fand bei allen Völkern seinen Niederschlag. Die Vorstellung vom Paradies drückt diese Sehnsucht ebenso aus wie der griechische Mythos von Orpheus, der durch seinen Gesang selbst die wildesten Tiere zu friedfertigen Wesen machte. In nahezu fünfzig Jahren sind die antiken Tierdarstellungen der Sammlung Mildenberg zusammengetragen worden, wobei der Sammler nur freie und friedliche Geschöpfe ausgewählt hat. Der Zeitraum, in dem sie geschaffen wurden, umfasst fünf Jahrtausende. Er beginnt im Neolithikum Mesopotamiens im 4. Jahrtausend vor Christus und endet in der byzantinischen Zeit des 7. Jahrhunderts nach Christus. Die Tiere, die aus Keramik, Stein, Metall oder Holz hergestellt sind, zeigen sich in Form von Gefäßen, Gebrauchs- und Schmuckgegenständen.

Pferdekopfbüste

30.05.2000 - 30.07.2000

Cézanne Manet Schuch

Drei Wege zur autonomen Kunst

"Mit einem Apfel werde ich Paris in Erstaunen versetzen", soll Paul Cézanne 1894 gesagt haben. Das ist ihm gelungen. Gemälde von Paul Cézanne (1839 - 1906), Edouard Manet (1832 - 1883) und Carl Schuch (1846 - 1903) zeigen das Bestreben, die Dinge auf ihre eigene, künstlerische Wahrheit hin zu untersuchen. Immer wieder finden die drei Maler mit großer Beharrlichkeit neue Nuancen für die Ordnung derselben Gegenstände oder neue Blickwinkel auf dieselbe Landschaft. Alle Bilder strahlen eine andere Stimmung und einen veränderten Gefühlsgehalt aus. Mit ihren Themen haben die drei Maler - jeder auf seine Art - die moderne Malerei beeinflusst.

Zum ersten Mal wird nun in Dortmund der spannende Versuch unternommen, Werke dieser drei Maler einander gegenüber zu stellen. Die Ausstellung bleibt überschaubar. Sie bietet fünfzig hochkarätige Bilder und lädt zu einer konzentrierten Betrachtung ein, zum Vergleich und zu eigenem Urteil.

Gezeigt werden exzellente Stillleben und Landschaften von Paul Cézanne und Carl Schuch, zauberhafte Stillleben von Edouard Manet und wahrhafte Bilder von Gustave Courbet, dem künstlerischen Vorbild aller drei Maler.

Ausgewählt wurden Arbeiten, die unspektakuläre Dinge und Ansichten in außergewöhnlicher Malweise darstellen: Sie lässt die Gegenstände leuchten und die Früchte duften. Der Ausstellungsbesuch wird damit zu einem besonderen sinnlichen Erlebnis. Die Gemälde von Cézanne und Manet sind weltweit bekannt, und dennoch gilt es, sie in dieser Hinsicht neu zu entdecken. Die Werke des Österreichers Schuch, eines wahrhaft europäischen Malers, werden in der Zusammenschau mit den Meistern der französischen Moderne in einem völlig neuen Licht gezeigt. Es ist zu beweisen, dass Schuch, ohne nachzuahmen, einen eigenen Stil entwickelt hat, dessen Qualität diesem Vergleich standhalten kann.

20.05.2000 - 30.07.2000

Objekte der Begierde

Schmuckstücke von Miriam Haskell, New York (1924 - 1970)

Miriam Haskell gilt bis heute innerhalb der Mode-Schmuckbranche unumstritten als die "First Lady of Fashion".

Sie verstand es, einen eigenen, amerikanischen Stil - durchaus inspiriert von den europäischen Mode-Metropolen Paris und London - zu kreieren, der unverkennbar ihre Handschrift trug und nach Meinung von Kritikern und Sammlern in aller Welt bis heute unübertroffen ist.

Haskell verbindet wohl als Einzige in ihren Kreationen die ungebändigte Freude Amerikas am abwechslungsreichen modischen Schmuck mit den avantgardistischen Tendenzen der europäischen Kreationen für die Pariser Haute Couture. Hier schätzte sie besonders Coco Chanel und Elsa Schiaparelli. Die Ausstellung macht erstmals in umfassender Weise mit Haskell-Schmuck aus den Jahren 1924 - 1970 bekannt. Ergänzt wird die Präsentation um ausgewählte Stücke anderer renommierter amerikanischer Schmuckhersteller sowie um Schmuck-stücke von Coco Chanel und Elsa Schiaparelli.

Zeichnung: Haskell-Schmuck

11.02.2000 - 30.04.2000

Moderne Zeiten

Wenn man von der finnischen Formgebung spricht, denkt man vor allem an moderne, funktionelle, klare und strenge Formen.

Andererseits hat das finnische Design immer wieder Anregungen der skandinavischen Landschaft und Natur aufgenommen. Man denke nur an Alvar Aaltos berühmte Vase "Savoy" aus den dreißiger Jahren als "Abbild" der buchtenreichen finnischen Seeufer.

Die vom finnischen Glasmuseum Riihimäki veranstaltete Ausstellung präsentiert die seit den zwanziger Jahren in größerem Umfang erprobte Zusammenarbeit zwischen Künstlern und Glasindustrie in Finnland. Daraus erwuchs mit der Zeit eine fruchtbare und intensive Kooperation.

Im Jahre 1929 war Finnland mit seinen Glaskreationen auf der Weltausstellung von Barcelona erstmals international präsent. In den dreißiger Jahren wandte sich das finnische Glasdesign immer stärker dem Funktionalismus zu. Namen wie Gunnel Nyman sowie der des Architekten Alvar Aalto und seiner Frau Aino Aalto stehen für diese Entwicklung. Sie erhielt Resonanz durch internationale Ausstellungen, wurde jedoch durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen.

Nach dem Krieg begann eine neue Künstlergeneration, zu der u.a. Tapio Wirkkala, Kaj Franck, Timo Sarpaneva und Nanny Still gehören, ihre Karriere. Das finnische Glas und der Weltruf, den es heute genießt, sind aufs engste mit dem Namen Tapio Wirkkala (1915-1985) verbunden, der als einer der großen finnischen Designer gilt. Seine Entwürfe verhalfen dem Design Finnlands in den fünfziger Jahren zum internationalen Durchbruch.

Seit 1946 bei den Iittala Glaswerken beschäftigt, schuf er bis zu seinem Tod 1985 Hunderte Gebrauchsgläser und zahlreiche künstlerische Glasobjekte. Seine erstmals in den vierziger Jahren vorgestellte Schalenserie "Moderne Zeiten" hat der Ausstellung den Namen gegeben. In den sechziger Jahren gewannen künstlerische Glas-Unikate eine ganz neue Wertschätzung. Anfang der siebziger Jahre kam die sog. Studioglasbewegung nach Finnland. Deren tragende Idee war es, daß die Glaskünstler ihre Schöpfungen in eigenen kleinen Studios selbst anfertigten.

1978 wurde an der Hochschule für Kunst und Design in Helsinki schließlich eine erste Ausbildung im Fach Glas etabliert. In den achtziger Jahren kam zur "alten" Generation der Künstler eine große Gruppe junger Glaskünstler hinzu, u.a. Markku Salo oder Oiva Toikka. Die jungen Designer verstehen sich seit den späten achtziger Jahren mehr und mehr als Künstler und schaffen freie Arbeiten, die keinerlei Gebrauchseigenschaften im herkömmlichen Sinn mehr aufweisen.

Die neuesten Entwicklungen im Bereich Glas zeigen, daß die Szene vielseitiger, vielschichtiger und interessanter geworden ist. Die jungen Künstlerinnen und Künstler arbeiten teilweise für die Glasfabriken Finnlands, aber immer öfter entstehen ihre Kreationen in eigenen kleinen Studios. Junge Künstlerinnen wie Annaleena Hakatie oder Auli Rautiainen können selbst Glas blasen und schaffen durch ihr vorurteilsloses Herangehen an das Material Glas neue Objekte voller Phantasie. Viele junge finnische Glaskünstler sind heute nicht nur in Finnland, sondern international tätig.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, Preis: DM 38,-

Alvar Aaltos berühmte Vase

28.01.2000 - 30.04.2000

Frank Lloyd Wright

Frank Lloyd Wright gilt als Amerikas bedeutendster Architekt.

In den USA erscheinen jedes Jahr zahlreiche Publikationen, die jeden einzelnen Aspekt seines Lebens und seiner Arbeit untersuchen. In Europa jedoch ist sein Werk nur wenig bekannt.

Lange nachdem bereits zu Beginn unseres Jahrhunderts die Architekten der europäischen Avantgarde von ihm fasziniert waren, ist "Frank Lloyd Wright: Die Lebendige Stadt" nun die erste postume Retrospektive hier.

Dies ist die erste Ausstellung, die Wrights Entwürfe in den Kontext seiner Ideen stellt, die ihren Höhepunkt in seinem Konzept der "Lebendigen Stadt" haben. "Frank Lloyd Wright: Die Lebendige Stadt" unterstreicht ein soziales Anliegen in Wrights Werk, das in anderen Ausstellungen bisher nicht thematisiert wurde.

Mit Zeichnungen, Fotos und Modellen von Bauten und Entwürfen sowie Möbeln und angewandter Kunst liefert "Frank Lloyd Wright: Die Lebendige Stadt", nicht nur einen Überblick über das Gesamtwerk eines Begründers der modernen Architektur, sondern illustriert zugleich eine der grossen architektonischen Zukunftsvisionen des 20. Jahrhunderts. Anders als viele andere bedeutende Architekten, die international tätig waren und sind, finden sich Wrights Bauten heute ausschließlich in den Vereinigten Staaten.

Darum bietet "Frank Lloyd Wright: Die Lebendige Stadt" dem europäischen Publikum eine einzigartige Gelegenheit der Auseinandersetzung mit seinem Werk. In über 70 Jahren parallel zur Arbeit dreier Generationen moderner Architekten entstanden, hat Frank Lloyd Wrights Werk wichtige Aspekte der Architektur des 20. Jahrhunderts überhaupt erst ermöglicht. Frank Lloyd Wright schuf Bauten für alle Bereiche des Lebens: Wohnhäuser, Gotteshäuser, Kunstmuseen, Theater, Verwaltungszentren, Schulen, Restaurants, Geschäfte, Tankstellen, Brücken u.s.w. - insgesamt umfasst sein Werk nahezu 1000 Projekte. Fast 120 Zeichnungen, die Wright als repräsentative Darstellungen für seine Kunden oder als Planzeichnungen anlegte, werden anhand beleuchteter Grossdias gezeigt, die nicht nur die lichtempfindlichen und oft beschädigten Originale ersetzen, sondern den Zeichnungen ihre ursprüngliche Strahlkraft verleihen und so einen optimalen Blick auf das riesige Laboratorium der Wrightschen Gestaltungen und Ideen erlauben.

Wrights Innenräume gehen dynamisch ineinander über. Es sind keine mit vier Wänden umschlossenen Schachteln, sondern offene Räume, deren Fluss von Zwischenwänden, Möbeln und verschiedenen Raumhöhen artikuliert wird. Die organische Architektur war eine von Wrights wichtigsten Grundlagen. Hier harmonieren Natur und Kultur, jedes Gebäude ist ein einheitliches und selbstbestimmtes Ganzes, und die Form wird aus der Funktion und dem Material entwickelt. Dementsprechend waren architektonische oder stadtplanerische Aufgaben für ihn ebenso wichtig wie die Gestaltung von Inneneinrichtungen und Gegenstänen des täglichen Lebens.

In seinen Schriften und Bauten präsentierte Wright eine humane und idealistische Vision einer demokratischen Gesellschaft, die mit der Natur wieder eins wird, und suchte nach Möglichkeiten, innerhalb der natürlichen Umgebung die Beziehung des freien Individuums zur Gesellschaft zu erneuern. Frank Lloyd Wright sah in seiner Utopie der "lebendigen Stadt" die durch das Automobil und die elektronische Kommunikation ermöglichte Dezentralisierung der heutigen Stadt voraus. In Wrights "lebendiger Stadt" sollten die Menschen weniger entfremdet leben: Wohnen, Arbeit und Erholung liegen nahe beieinander und städtische Einrichtungen wie die Verwaltung liegen auf dem Lande, vernetzt durch Strassen, die in idyllische Erholungsgebiete führen.

Frank Lloyd Wrights Vision ist auch heute noch aktuell, denn Kommunikation, Mobilität und der Respekt vor unserer Umwelt sind Schlüsselthemen an der Wende zum 21. Jahrhundert.

Bauwerk

07.08.1999 - 03.10.1999

Baukästen

Technisches Spielzeug vom Biedermeier bis zur Jahrtausendwende

17.05.1999 - 19.07.1999

Gitta Seiler: Kind sein.

Fotografien von Kindern aus verschiedenen Kulturen, in der Galerie FiF - Foto im Fenster

22.03.1999 - 17.05.1999

Heiner Schmitz: Land der Vergegnungen.

Bilder aus Israel 1998, in der Galerie FiF - Foto im Fenster

Bild

23.01.1999 - 14.03.1999

Yves Boucard: fantastische Möbel

23.01.1999 - 14.03.1999

Der verblümte Sinn

Illustrationen zu den Metamorphosen des Ovid

Unter diesem Titel zeigt das Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Stadt Dortmund vom 23. Januar bis zum 14. März kommenden Jahres eine Ausstellung mit über hundert druckgraphischen Illustrationen zu einem der berühmtesten Werke der antiken Literatur: den Metamorphosen des Ovid.

Die Metamorphosen stellen das umfangreichste und zweifellos einflußreichste Werk des römischen Dichters Publius Ovidius Naso (43 v.C. - 18 n.C.) dar. In diesem zum Klassiker der Weltliteratur avancierten Hexameter-Epos in fünfzehn Büchern präsentiert Ovid einen wandelbaren Kosmos, beginnend mit der Erschaffung der Welt aus dem Chaos und der Abfolge der Zeitalter über die mythologische Epoche hinweg bis in seine eigene historische Gegenwart hinein. Mythos und Geschichtsschreibung sind hier unauflösbar miteinander verwoben. In Anlehnung an Strömungen antiker Philosophie erscheint die Welt als ein stetiges Sich-Wandeln der Menschen und Dinge, als ein ewiges Kontinuum, dessen großen Zusammenhalt Ovid in der Triebkraft des Eros erkennt. So lesen sich die Metamorphosen als ein schier unerschöpfliches Kompendium unzähliger Geschichten von Verwandlung, blutiger Heldentat, Leidenschaft, unglücklicher Liebe und der Macht des Schicksals. Motivkreise um Suche und Flucht, Helden und Opfer, Sieg und Bestrafung bestimmen dabei den Fortgang der Geschichten.

Im Mittelalter wurden diese heidnischen Verwandlungsgeschichten von Göttern, Heroen und Menschen, die in evidentem Antagonismus zur christliche Heilslehre standen, jahrhundertelang allegorisch gedeutet und ausgelegt. Unter dem züchtigen Deckmantel christlicher Interpretation und Moral zügelten Veränderungen und Beschneidungen des Textes zwar die Ausdruckskraft der antiken Bilder, garantierten aber erst auf diese Weise das Fortleben der Metamorphosen bis in die Neuzeit hinein. Im Verlauf des 15., vor allem aber mit Beginn des 16. Jahrhunderts zeichnete sich dann ein einschneidender Wandel der Antikenrezeption ab, welcher nicht zuletzt in der Suche nach dem ursprünglichen Gesicht der mythologischen Erzählungen und ihrer Überlieferungen Ausdruck fand. Die Entwicklung von Buchdruck und Verlagswesen, zahlreiche Neuübersetzungen ins Volgare sowie ein stetig anwachsendes Publikum erklären die Vielzahl meist illustrierter Neuauflagen der Metamorphosen im 16. und 17. Jahrhundert.

Die Auswahl von graphischen Textillustrationen dieser Jahrhunderte für die Ausstellung bemüht sich, ein möglichst breites Spektrum an Motivumsetzungen aus den Metamorphosen zu zeigen. Dabei stellt eine komplette Kupferstichfolge mit 52 Illustrationen von Hendrik Goltzius ein Kernstück der Präsentation dar. Die in vergleichbarem Umfang vertretenen Werke von Antonio Tempesta und Johann Wilhelm Baur setzen den niederländischen Arbeiten Beispiele italienischer und deutscher Druckgraphik gegenüber. Einen Einblick in die unterschiedliche Intention der Motivgestaltung geben zudem die in kleineren Gruppen zusammenfaßbaren übrigen Illustrationen. Im Entwicklungsbogen der Ausstellung betrachtet verdeutlichen sie jedoch auch die Tendenz zur Akademisierung der Darstellungen im 17. Jahrhundert.

Es handelt sich um eine Ausstellungsübernahme aus der Galerie der Stadt Kornwestheim, in der die Graphiken Ende 1997 zu sehen waren. Die Dortmunder Präsentation konzentriert sich dabei in einer um zeitgenössische Arbeiten gekürzten Fassung auf die Werke des späten 16. und 17. Jahrhunderts und wählt somit einen zeitlich fest umrissenen Kontext als Folie. Die Ausstellung wird durch die Graphische Sammlungen der Staatsgalerie Stuttgart und der Kunstsammlungen in der Veste Coburg großzügig mit Leihgaben unterstützt. Der zur Ausstellung erhältliche Katalog von Jens Kräubig und Gabriele Bickendorf wird aus der Galerie der Stadt Kornwestheim übernommen.

09.11.1998 - 11.01.1999

Faszination Hongkong

Bilder von Jan Siefke in der Galerie FiF - Foto im Fenster

In der Galerie FiF - Foto im Fenster - des Museums für Kunst und Kulturgeschichte sind vom 9. November bis zum 11. Januar 1999 Hongkong-Fotos von Jan Stiefke zu sehen. Unter dem Titel "Menschen Berg Menschen Meer" läßt der Fotograf die Betrachter an der Faszination teilhaben, die die Kronkolonie 1997, also im Jahr ihrer Übergabe an China, auf ihn ausübte.

Bei seinem Besuch fand Siefke eine Millionenstadt zwischen Meer und Bergen vor, aus der die Natur weitgehend verdrängt ist. Seine Bilder sind geprägt von seinem Staunen, wie hoch und wie weit, wie uniform sich die Hochhäuser erstrecken (selbst Restaurants und Schwimmbäder sind irritierend groß), wie sehr das alltägliche Leben von Beton, Stahl und Plastik umgeben ist und wie eindrucksvoll sich plötzlich doch hier und da die Natur zeigt. Siefke fotografierte seine Objekte mit räumlichem Abstand und schafft dadurch quasi einen "Überblick". Die Fotos vermitteln den Eindruck als würde sich ein archäologisch gebildeter Tourist der Zukunft aus der Luft einen genauen Eindruck von der Stadt und ihrer Struktur verschaffen.

Jan Siefke, geboren 1967, legte mit dieser Arbeit 1998 sein Diplom am Fachbereich Foto-/Filmdesign der Fachhochschule Dortmund ab. Auslandsaufenthalte führten ihn 1983/84 ins französische Lyon, 1988/89 nach Südamerika, 1994/95 nach Chile und 1997 nach Hongkong. Er erhielt 1993 bis 1996 ein Stipendium der Friedrich-Naumann-Stiftung und 1997 ein Stipendium der Carl Duisberg Gesellschaft. Heute lebt Jan Siefke als freier Fotograf in Berlin.

Modezeichnung mit Abendkleidung
Bild: Herbert Mocho

07.11.1998 - 10.01.1999

Alle Jahre wieder ...

Die Geschichte vom geschmückten Baum

"Alle Jahre wieder..." ist der Titel der Weihnachtsausstellung, die im Studio des Dortmunder Museums für Kunst und Kulturgeschichte vom 7. November bis zum 10. Januar 1999 zu sehen ist.

Der schönste Baum des Jahres erstrahlt zur Weihnachtszeit im Glanz von Kerzen, bunten Kugeln und goldenen Engeln. Der Heilige Abend ohne Tannenbaum wäre in deutschen Familien undenkbar. Es ist, als hätte es ihn schon immer gegeben - dabei steht er erst seit gut 100 Jahren in allen Wohnzimmern. Seine Geschichte stellt das Museum ins Zentrum der diesjährigen Weihnachtsveranstaltungen. Zu sehen sind rund 1 000 Christbaumkugeln von früher und heute, alte Schmuckstückchen, ungewöhnliche Weihnachtsgestelle, Pyramiden und vieles mehr.

Alles begann mit ein paar grünen Zweigen, die als Zaubermittel gegen die bösen Geister zur Wintersonnenwende in der dunkelsten Zeit des Jahres ins Haus geholt wurden. Die erste Beschreibung eines Weihnachtsbaumes entstand 1605 in Straßburg; vom ersten Tannenbaum mit Kerzen wird 1796 aus dem Wandsbecker Schloß bei Berlin berichtet. Traditionell war der Baum mit süßem Naschwerk, Äpfeln und Nüssen geschmückt. Sie waren gleichzeitig die Weihnachtsgeschenke für die Kinder. Deutsche Adelige und Auswanderer verbreiteten diese Sitte in ganz Europa und bis nach Übersee. So wurde der mit Kerzen geschmückte Baum zum Sinnbild für deutsche Weihnacht.
In der Mitte des letzten Jahrhunderts wurde der Baumschmuck neben Eßbarem um Papierblumen, Pappmaché-Objekte, Watte- und Strohschmuck sowie Glasgebilde ergänzt. Besonders beliebt waren Vögel, Tannenzapfen und Fabelwesen. Sie wurden in zweiteiligen Porzellanformen geblasen, dann innen verspiegelt. Das Glasblasen war häufig Heimarbeit, und auch Kinder halfen beim Verzieren und Packen der Kugeln. Typisch für die Zeit der Jahrhundertwende war Glasschmuck mit leonischen Drähten. Der Name leitet sich von Lyon ab, dem Zentrum für Drahtprodukte. Am bekanntesten ist das einfache Lametta. Aber auch Kugeln, Watte-Zeppeline oder Chenille-Vögel wurden mit flach gewalzten Drähten verziert. Aus dem traditionsreichen Glasbläserort Gablonz in Böhmen kam aus Perlen und Glasröhrchen zusammengesteckter Schmuck mit ungewöhnlichen Motiven wie Laternchen, Körbchen, Regenschirme, Käfer, Fliegen oder Bienen. Die Ausstellung zeigt die schönsten Raritäten aus jener Zeit. Bis ins 19. Jahrhundert waren mit Kerzen beleuchtete Bäume die Ausnahme. Bienenwachs war teuer und die Brandgefahr groß, da Kerzen direkt auf den Zweigen festgeklebt wurden. Erst ab 1867 gab es einfache Kerzenhalter, bei denen ein Stift in den Zweig gesteckt wurde und eine Blechlasche die Kerze aufnahm. 1879 wurde in den USA der uns heute noch bekannte Klemmhalter patentiert. Die Spitze des Weihnachtsbaumes krönte als Glanzlicht ein Rauschgoldengel oder eine Glasspitze mit Glocken.

Das 20. Jahrhundert bestimmen wechselnde Christbaummoden. Der silberne Baum war typisch für die 20er Jahre, der grüne Baum mit Bienenwachskerzen für die 30er Jahre. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte kunstgewerblicher Schmuck aus Stroh und Holz eine Renaissance, und in den 60er Jahren zogen elektrische Kerzen, Plastikbäume und -kugeln in deutschen Wohnzimmern ein. Ganz neu ist die Idee künstlicher Bäume allerdings nicht: Es gab sie schon vor 100 Jahren - aus Draht, mit grün bemalten Gänsefedern.

Weihnachtspostkarte

Museum für Kunst und Kulturgeschichte