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Rotunde im Museum für Kunst und Kulturgeschichte

Museum für Kunst und Kulturgeschichte

Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Karin Hessmann

Objekt des Monats März 2021 im Museum für Kunst und Kulturgeschichte

Bildnis Franz von Rohden

Friedrich Overbeck, um 1835
Öl auf Leinwand, 43,8 x 33,8 cm
Inv.-Nr. C 5053

Friedrich Overbeck, Bildnis Franz von Rohden, um 1835, Öl auf Leinwand

Friedrich Overbeck, Bildnis Franz von Rohden, um 1835, Öl auf Leinwand
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Alle Rechte vorbehalten MKK, Madeleine-Annette Albrecht

Eine fürstliche Herkunft

Nahezu unscheinbar wirkt die unvollendete Ölstudie Friederich Overbecks. Nichts lässt zunächst auf ihren fürstlichen Vorbesitzer schließen:

Ein junger Mann, der Maler Franz von Rohden, wurde im Alter von 18 Jahren von seinem Lehrer Friedrich Overbeck auf Leinwand gebannt. Fast scheu blickt er aus dem Bildraum heraus. Lediglich sein Kopf, Hals und Teile seines Hemdkragens sind vollständig ausgearbeitet. Einige Linien, die seine Schultern andeuten sollen, geben Hinweise auf das malerische Vorgehen des Künstlers. Der Rest des Gemäldes gibt den Blick auf den unbearbeiteten beigen Malgrund frei. Hiermit wird deutlich der Fokus auf das jugendliche Gesicht Rohdens gelegt. Die Arbeit entstand vermutlich kurz nach dessen Eintritt in das Atelier Overbecks im Jahr 1835. Sie gilt als Vorstudie für ein Porträt, das sich heute im Kunstmuseum Basel befindet.

Neben der charaktervollen Darstellung des Malschülers und der sichtbaren Malweise Overbecks, ist es einer der Vorbesitzer, der die Ölstudie zu einer Besonderheit im Museum für Kunst und Kulturgeschichte macht. Das Museum hat die Arbeit auf einer Auktion des Stuttgarter Kunstkabinetts im November 1953 erworben. Ein Eintrag in einem Auktionskatalog gibt den ersten Hinweis auf den adligen Vorbesitzer der Ölstudie. Dort heißt es zu dem Gemälde: „Sammlung: Fürst von Liechtenstein, Schloß Vaduz“. Diese Provenienzangabe sollte augenscheinlich bei der Auktion zur Aufwertung des Werks beitragen. So wurde dessen direkter Vorbesitzer und Einlieferer zur Versteigerung, der Münchner Buchantiquar und Kunstsammler Helmuth Domizlaff, nicht im Katalog aufgeführt.

Bei dem „Fürst von Liechtenstein, Schloß Vaduz“ handelte es sich um Fürst Franz Josef II. (1906-1989), der 1938 als erster Fürst Liechtensteins von Wien in das Schloss Vaduz umzog. Der Grund hierfür war die Annexion Österreichs durch die Nationalsozialisten. Die vorerst in Wien verbliebene Sammlung des Fürsten folgte, trotz Ausfuhrverbot während des Zweiten Weltkrieges, in die neue Residenz und konnte so vor Zerstörung bewahrt werden. Die Kunstsammlung war über Generationen des Fürstentums entstanden und mit jedem Regenten sukzessive erweitert worden. Der Beginn der fürstlichen Sammlungstätigkeit lässt sich nicht genau festlegen. Jedoch konnte die Kunstsammlung bereits im 16. Jahrhundert die Aufmerksamkeit des Kaisers des Heiligen Römischen Reiches Rudolf II. (1552-1612) auf sich ziehen. Die Sammlung umfasste zum Zeitpunkt des Umzugs nach Vaduz unteranderem Arbeiten aus den Epochen Gotik, Renaissance, Barock, Klassizismus, Biedermeier und Romantik.

Wann die Arbeit „Bildnis Franz von Rohden“ für die fürstliche Sammlung erworben wurde, kann nicht genau festgestellt werden. Bis 1858 legten die Fürsten Liechtensteins den Schwerpunkt ihrer Ankäufe auf Kunstwerke ihrer jeweiligen zeitgenössischen Epoche. Demnach könnte die Ölstudie während der Regentschaft Alois II. (1796–1858) von 1836 bis 1858 Einzug in die Sammlung gefunden haben. Hierfür lassen sich jedoch keine hinreichenden Belege im Hausarchiv der regierenden Fürsten von und zu Liechtenstein finden. Auch kann nicht vollkommen ausgeschlossen werden, dass die Ölstudie zu einem späteren Zeitpunkt angekauft wurde. Erst im Dezember 1950 lässt sich das Gemälde in einem von dem Sammlungsdirektor Dr. Gustav Wilhelm (1908-1995) angelegtem Verzeichnis von „Romantiker-Zeichnungen“ und somit in der Liechtensteinischen Sammlung eindeutig nachweisen. In der Liechtensteinischen-Galerie, die sich von 1805-1938 im Gartenpalais Liechtenstein in Wien befand, wurde die Arbeit Overbecks zu keinem Zeitpunkt öffentlich ausgestellt.

Dass es zu einem Verkauf der Ölstudie kam, liegt vermutlich an den finanziellen Einbußen, die das Fürstentum nach Ende des zweiten Weltkrieges verzeichnen musste. Vor allem um die Verluste von Ländereien in Böhmen und Mähren zu kompensieren, sah sich Franz Josef II. gezwungen Objekte aus der fürstlichen Sammlung zu verkaufen. Dazu zählte wohl auch das Dortmunder Bild. So gelangte es zwischen Dezember 1950 und 1953 auf den Kunstmarkt, wo es schließlich im November 1953 für das Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund erworben werden konnte.

Die Provenienz des Werkes lässt sich somit nicht vollkommen entschlüsseln, trotzdem offenbart diese fürstliche Herkunftsgeschichte eines zunächst unscheinbaren Bildes die Wichtigkeit von intensiver Provenienzforschung.

Johanna Heil
Volontärin der Provenienzforschung

Hinweis

Das aktuelle Objekt des Monats kann ab dem ersten Tag des Monats eintrittsfrei in der Dauerausstellung des Museums für Kunst und Kulturgeschichte besichtigt werden, für interessierte Besucher liegen vor Ort und auf der Homepage des Museums (www.mkk.dortmund.de) weiterführende Informationen bereit.

Zu Beginn eines jeden Monats werden Schätze aus der Sammlung des Museums als Objekt des Monats präsentiert und den Besuchern vorgestellt. Sie möchten gerne ein Exponat aus einem bestimmten Sammlungsbereich oder zu einem ausgewählten Thema sehen?

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