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Rotunde im Museum für Kunst und Kulturgeschichte

Museum für Kunst und Kulturgeschichte

Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Karin Hessmann

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Objekt des Monats März 2020 im Museum für Kunst und Kulturgeschichte

Trachtenhaube

Trachtenhaube, Werne a. d. Lippe, um 1890

Trachtenhaube, Werne a. d. Lippe, um 1890
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Alle Rechte vorbehalten Museum für Kunst und Kulturgeschichte, Joana Maibach

Die Sammlung des Hauses umfasst ca. 400 westfälische Trachtenhauben. Bereits 1887, vier Jahre nach Gründung des "Städtischen Kunst- und Gewerbe-Museums zu Dortmund", wurde die erste Haube von Albert Baum, dem damaligen Direktor, angekauft. Ca. 260 Hauben stammen aus einem Ankauf von 1903 bei Professor Franz Jostes aus Münster. Bis zum Jahr 1909 wurden 92 einzelne Hauben erworben.

Jostes hatte von der Provinzialregierung den Auftrag erhalten, die Trachten Westfalens in einer Dokumentation zu erfassen. Sein Werk "Westfälisches Trachtenbuch. Volksleben und Volkskultur in Westfalen" erschien 1904.

Er veräußerte die dafür gesammelten Trachten nach der Veröffentlichung an verschiedene Museen. Der Schriftwechsel zwischen Baum und Jostes in den Museumsakten zeigt auch die politischen Befindlichkeiten bei der Errichtung einer westfälischen Sammlung in Dortmund in Konkurrenz zum Westfälischen Landesmuseum in Münster.

Sowohl Baum als auch Jostes war es wichtig, dass die Sammlung Hauben aus allen westfälischen Gebieten enthielt. Sie bietet noch heute einen repräsentativen und wissenschaftlichen Überblick. Es sind Stücke aus dem Emsland, den Fürstbistümern Münster, Osnabrück, Paderborn, den Kreisen Ahaus und Coesfeld, den Grafschaften Lingen, Tecklenburg und Ravensberg, den Fürstentümern Minden und Lippe u. a. darunter.

Unsere westfälische Trachtenhaube hier ist eine Twigpands- oder Zweistücksmütze, also gearbeitet aus zwei Stücken. Aus drei Teilen gearbeitet, heißt sie Trigpands- oder Dreistücksmützen. In der Abteilung "Lebenslauf" auf dieser Etage sind solche Kappen ausgestellt.

Aufgrund ihrer Form wird die Haube auch "Münsterländer Tellerkappe" genannt. Im Nacken wird sie mittels eines Bändchens gekräuselt. Der Haubenboden ist bestickt und verziert mit Goldfolie, aufgelegtem Goldlahn und Flitterteilchen. Die Kopfbreite aus rotem Seidenband ist mit einer goldenen Klöppelspitze und einem breiten, weißen Spitzenstrich verziert. Die rot-weißen Seidenbänder nehmen das Rot der Flitterteilchen und der Kopfbreite wieder auf. Getragen wurde diese Haube vermutlich zum Kirchgang von einer verheirateten Frau.

Neben dem regionalen Aspekt lässt sich auch die Konfession an der Art der Haube ablesen. Charakteristisch für die protestantische Tracht ist z. B. in der Osnabrücker Gegend die Herzform der Goldkappe, die an hohen Feiertagen getragen wurde. Im Nacken wurde sie mit einer Goldkordel-Schleife mit langen Enden verziert. Katholische Frauen trugen eine etwas größere Kappe mit rechteckig gearbeitetem Hinterkopf und einer in kurze Schlaufen gelegte Kordel. Dafür hatte diese längere seidene Mundbänder und einen breiteren Spitzenstrich. Auch dies zeigen unsere Hauben im "Lebenslauf".

Die Gestaltung einer Haube variierte nach Stand, Lebensalter und Trage-Anlass. Trug man im Alltag einfache Kappen, oftmals aus Baumwolle, wurde am Sonntagnachmittag und bei werktäglichen Ausgängen ein Seidenbandmützchen mit Gold- oder Silberbandverzierungen getragen. An Sonn- und Feiertagen wurden die reich verzierten, bunten Goldkappen benutzt. Weitere Vorgaben gab es für den Kirchgang, das Abendmahl, die Halbtrauer und die Tieftrauer. Eine Haube konnte durch das Verändern der Seidenbänder umgestaltet und für unterschiedliche Anlässe benutzt werden.

Elke Torspecken

Hinweis

Das aktuelle Objekt des Monats kann ab dem ersten Tag des Monats eintrittsfrei in der Dauerausstellung des Museums für Kunst und Kulturgeschichte besichtigt werden, für interessierte Besucher liegen vor Ort und auf der Homepage des Museums (www.mkk.dortmund.de) weiterführende Informationen bereit.

Zu Beginn eines jeden Monats werden Schätze aus der Sammlung des Museums als Objekt des Monats präsentiert und den Besuchern vorgestellt. Sie möchten gerne ein Exponat aus einem bestimmten Sammlungsbereich oder zu einem ausgewählten Thema sehen?

Dann richten Sie Ihre Wünsche und Anregungen an unsere Mitarbeiterin Johanna Schäckermann und wir gehen für Sie auf die Suche!

Museum für Kunst und Kulturgeschichte