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Rotunde im Museum für Kunst und Kulturgeschichte

Museum für Kunst und Kulturgeschichte

Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Karin Hessmann

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Verdinglichung des Lebendigen: Fleisch als Kulturgut (kurz: "Fleischwissen")

Das Verbundprojekt "Fleischwissen" wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und befasst sich im Sinne einer Verdinglichung des Lebendigen mit dem Kulturgut "Fleisch".

Entlang der Produktionskette von Fleisch- und Wurstwaren lässt sich ein Prozess nachvollziehen, im Zuge dessen das Objekt Fleisch "seine Sprache findet" und durch verschiedene Akteure und Handlungen, Orte und Objekte eine spezifische Dingbedeutsamkeit erhält. Es soll gezeigt werden, wie Tiere zu Lebensmitteln werden. Dabei geraten auch Instrumente und Orte der Zerlegung, der Zubereitung und des Konsums in den Blick: Wie stützen, präzisieren und kontextualisieren sie unser Wissen? Inwieweit verweisen sie selbst reziprok auf heterogene Akteure, Praktiken und Wissen? Und auf welche Weise prägen sie schließlich den Umgang mit Tier und Fleisch in unserer Gesellschaft?

Im frühen 21. Jahrhundert werden Formen industrieller Nahrungsmittelproduktion zunehmend hinterfragt und diskutiert. Das Projekt folgt der übergeordneten These, dass Fleisch im Verlauf des Industriezeitalters vom Symbol für Fortschritt und hohen Lebensstandard zunehmend auch zur Chiffre für Fehlernährung, Umweltzerstörung und Tierleid wurde. Gefragt wird, wie Fleisch zum kulturellen Bedeutungsträger wird und Objekte als Wissensspeicher fungieren.

Zum Thema

Das Projekt verbindet museologische und kulturwissenschaftliche, soziologische und innovationsanalytische Perspektiven und Expertisen verschiedener Kooperationspartner. Siehe hierzu:

Weitergabe, Festschreibung und Normierung von "Fleischwissen" in historischer Kochbuch- und Ratgeberliteratur (kurz: "Fleischliteratur")

Am Deutschen Kochbuchmuseum steht die Sammlung historischer Kochbücher im Fokus, die zu den Aspekten der Fleischproduktion, Verarbeitung und Konsumption befragt werden.

Ab dem 18. Jahrhundert enthielten die Texte komplexe Anleitungen, unterschiedliche Haushalte zu organisieren, die auf Selbstversorgung aber auch den Einkauf von Roh- und Teilfertigware hin ausgerichtet waren. Die Vielfalt dieser Gattung mit enormen Auflagenzahlen erreichte ab dem 19. Jahrhundert fast alle Bevölkerungsschichten. Die Quellenbestände des Museums umfassen Literatur ab dem 16. Jahrhundert, handschriftliche Rezeptsammlungen, Zeitschriftenreihen, Speise- und Menükarten, zahlreiche Sachzeugnisse aus den Themenfeldern Kochen, Essen und Trinken und Unterrichtmaterialien wie Lehrbücher für den Hauswirtschaftsunterricht.

Kochbücher, Ratgeber und Lexika für den Hausgebrauch sind grundsätzlich Alltagsdinge und Wissensspeicher ihrer Zeit, die sich in Wechselwirkung mit zeitgenössischen Faktoren verändern. Tabus und Speisevorschriften sind gerade im Umgang mit dem symbolisch besonders aufgeladenen Lebensmittel Fleisch ein wiederkehrendes Thema.

Die Rückwirkungen von Globalisierung, internationaler Ab- und Zuwanderung und die Aufnahme fremder Zutaten oder Zubereitungsformen sind bereits um 1900 auszumachen. Auch die Betrachtung der Literatur zu Diätetik, fleischloser Kost und religiöser Aspekte vermag zeitgenössisches Fleischwissen zu spiegeln. Die Studie soll Phänomene der materiellen Überlieferung untersuchen und in die jeweiligen historischen Kontexte einordnen.

Zum Thema

Internetseite "Verdinglichung des Lebendigen. Fleisch als Kulturgut"

Kontakt

Deutsches Kochbuchmuseum Corinna Schirmer M.A.Kulturwissenschaftlerin

c/o Museum für Kunst und Kulturgeschichte
44137 Dortmund
Forschungsprojekt "Verdinglichung des Lebendigen. Fleisch als Kulturgut"

Museum für Kunst und Kulturgeschichte