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Rotunde im Museum für Kunst und Kulturgeschichte

Museum für Kunst und Kulturgeschichte

Bild: Karin Hessmann

Provenienzforschung

Provenienzforschung – die Untersuchung früherer Eigentumsverhältnisse eines Kunstwerkes oder Kulturgegenstandes – ist für Museen und Sammler ein bedeutendes Feld. Sie gibt Aufschluss über die Wanderschaft eines Kunstwerkes durch die Hände verschiedener Besitzer und kann so wichtige Erkenntnisse über die Originalität und Urheberschaft eines Objektes liefern. Nicht zuletzt dient sie dazu, die aktuellen Eigentumsverhältnisse oder eventuell bestehende Ansprüche festzustellen und zu klären.

Das Museum für Kunst und Kulturgeschichte ist wie alle öffentliche Museen der Bundesrepublik Deutschland bemüht, offene Fragen in Bezug auf unter nationalsozialistischer Herrschaft enteignete oder geraubte Kunstwerke in seiner Sammlung zu beantworten und gerechte und faire Lösungen zu finden.

Durch die Washingtoner Erklärung aus dem Jahr 1998 und die selbstverpflichtende Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der Kommunalen Spitzenverbände zur Auffindung und zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturguts im Jahr 1999 wurden diese Bemühungen verstärkt.

Hans Witten zugeschrieben (1470/80 - nach 1522), Heilige Veronika, Anf. 16. Jh., Birnbaumholz, gefasst, 104 x 36 x 20 cm, Museum für Kunst und Kulturgeschichte, Dortmund, Inv. Nr. C 5015

Hans Witten zugeschrieben (1470/80 - nach 1522), Heilige Veronika, Anf. 16. Jh., Birnbaumholz, gefasst, 104 x 36 x 20 cm, Museum für Kunst und Kulturgeschichte, Dortmund, Inv. Nr. C 5015
Bild: Madeleine-Annette Albrecht, Dortmund

Laufendes Projekt

Museum für Kunst und Kulturgeschichte, die Erwerbungen in der Ära Rolf Fritz (1934-1966): Skulpturen und Gemälde

Zeitraum: Mai 2015 – November 2017

Kooperationspartner: Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste, Magdeburg

Projekttyp: Systematische Erschließung von Sammlungsbeständen

Ziel: Klärung der Provenienzen der in der „Ära Rolf Fritz“ (1934-1966) erworbenen Gemälde und Skulpturen

Inhalt: Als der promovierte Kunsthistoriker Rolf Fritz 1934 die kommissarische Leitung und 1936 die Direktion des Städtischen Kunst- und Gewerbemuseums der Stadt Dortmund übernahm, forcierte er den Ausbau einer Gemäldesammlung und erwarb in kurzer Zeit bedeutende Werke des Barock und der Romantik. Im Hochsommer 1941 berichteten deutschsprachige Zeitungen im In- und Ausland: „Dortmund erhält eine Gemäldegalerie“.

Unterstützt wurden die ehrgeizigen Ambitionen des Direktors durch den Dortmunder Museumsverein, in dem sich politisch einflussreiche Personen wie der Politiker und Generaldirektor der Vereinigten Stahlwerke, Albert Vögler, engagierten. Auch nach Ende des Zweiten Weltkriegs führte Fritz seine Ankaufspolitik fort. Er konzentrierte sich nun auch auf Werke mittelalterlicher Kunst und erwarb zudem vermehrt Skulpturen und Bildwerke, Grafiken und Kunstgewerbe. Diese Ankäufe prägen wesentlich die heutige Gestalt und Charakter des Museums, das sich seit 1937 Museum für Kunst und Kulturgeschichte nennt. Dank seiner Publikationen und Ausstellungstätigkeiten war Fritz bestens in der Kunsthistoriker- und Museumsszene vernetzt. Er hatte sich zudem einen Ring von Galeristen und Kunsthändlern aufgebaut, die ihn regelmäßig mit Angeboten versorgten oder in deren Geschäften er vor Ort fündig wurde. Dazu gehörten – wie die Ankäufe und überlieferte Korrespondenz dokumentieren können – u.a. Abels (Köln), Pieter de Boer (Amsterdam), Fritz Gurlitt (Berlin), Dr. Hildebrand Gurlitt (Dresden), Heinrich Kühl (Dresden), Elfriede Langeloh (Köln), Dr. W. A. Luz (Berlin - bereits bearbeitet), Malmedé (Köln), Carl Naubert (Leipzig), Carl Nicolai (Berlin), Dr. Eduard Plietzsch (Berlin), Paul Rusch (Dresden), Alex Vömel (Düsseldorf) und Weinmüller (München). Nicht wenige waren am NS-Kulturgutraub direkt beteiligt.

Das Projekt wird von der Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste gefördert.

Friedrich Wilhelm von Schadow, Bildnis einer Dame, o. J. Öl/Leinwand, 65 x 55 cm Unbez. Erworben November 1939 Museum für Kunst und Kulturgeschichte, Dortmund

Friedrich Wilhelm von Schadow, Bildnis einer Dame, o. J. Öl/Leinwand, 65 x 55 cm Unbez. Erworben November 1939 Museum für Kunst und Kulturgeschichte, Dortmund
Bild: Madeleine-Annette Albrecht

Abgeschlossenes Projekt

Wilhelm August Luz (1892-1959) – ein Kunsthändler im NS-Staat und in der Nachkriegszeit

Zugänge von Gemälden des 19. Jahrhunderts an das Museum Folkwang, Essen, und das Museum für Kunst und Kulturgeschichte, Dortmund, 1933-1945

Zeitraum: 2009 – 2012

Kooperationspartner: Museum Folkwang, Essen; Arbeitsstelle für Provenienzrecherche und Provenienzforschung, Berlin

Projekttyp: Systematische Erschließung von Sammlungsbeständen

Ziel: Klärung der Provenienzen der aus der Galerie Dr. W. A. Luz, Berlin, erworbenen Gemälde

Im April 2009 konnte dank der Unterstützung der Arbeitsstelle für Provenienzrecherche und Provenienzforschung, Berlin, ein Projekt ins Leben gerufen werden, das zusammen mit dem Museum Folkwang Essen durchgeführt wurde. Ziel des Projektes war die Erforschung der Provenienzen von Gemälden des 19. Jahrhunderts, die nach 1933 vor allem über die Galerie Dr. W. A. Luz, in die Sammlungen beider Museen gelangten.

Diese Galerie war von 1935 bis 1959 unter wechselnden Geschäftsadressen in Berlin ansässig, der Inhaber Wilhelm August Luz (*1892 in Göppingen, † 1959 in Berlin) verkaufte dem Museum für Kunst und Kulturgeschichte in der Zeit von 1937 bis 1948 zehn Gemälde.

Sowohl das Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund als auch das Museum Folkwang in Essen haben die Kunsthistorikerin Dr. Ulrike Gärtner als freie Mitarbeiterin beider Museen mit der Durchführung des Projektes betraut. Dr. Gärtner wurde von Oktober 2009 bis September 2010 von Dr. Sibylle Ehringhaus unterstützt.

Ansprechpartnerin

Museum für Kunst und KulturgeschichteDr. Ulrike GärtnerKunsthistorikerin

Museum für Kunst und Kulturgeschichte