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Museum für Kunst und Kulturgeschichte

Bild: Jesús González Rebordinos

"Between the Devil and the Deep Blue Sea"

MKK zeigt Ausstellung des Fotografen Pieter Hugo

Nachricht vom 24.11.2017

Die Spuren und Narben der Menschen und ihres Landes - damit setzt sich der südafrikanische Fotograf Pieter Hugo auseinander. Als zweites deutsches Museum überhaupt zeigt das Museum für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) vom 25. November 2017 bis zum 13. Mai 2018 Foto-Serien des Künstlers.

Männer arbeiten im Dreck, im Hintergrund brennt etwas

Pieter Hugo: David Akore, Agbogbloshie Market, Accra, Ghana. Aus der Serie "Permanent Error", 2009-2010.
Bild: © Pieter Hugo, | Priska Pasquer, Köln

In rund 200 Stillleben, Porträts und Landschaftsbildern erfasst der 1972 geborene Südafrikaner die Spuren und Narben der Menschen und ihres Landes – mit einem besonderen Augenmerk auf Subkulturen, Außenseitern und der Kluft zwischen Ideal und Realität. Die Ausstellung "Between the Devil and the Deep Blue Sea" im MKK zeigt Arbeiten Pieter Hugos.

Leben mit dem Schatten kultureller Unterdrückung

Was trennt, was verbindet uns? Wie leben Menschen jeglicher Couleur mit den Schatten kultureller Unterdrückung oder politischer Dominanz? Der südafrikanische Fotograf Pieter Hugo, geboren 1976 in Johannesburg, geht diesen Fragen in seinen Bildern nach. Die Ausstellung gibt einen umfassenden Überblick über Serien wie "Looking Aside", "Kin", "The Hyena & Other Men", "Permanent Error", "There’s a Place in Hell for Me and My Friends" oder "Nollywood", durch die Pieter Hugo bekannt geworden ist. Ferner werden die jüngst entstandenen Projekte "1994", "Rwanda 2004: Vestiges of a Genocide" und "Californian Wildflowers" präsentiert.

Aufgewachsen im postkolonialen Südafrika, wo er 1994 das offizielle Ende der Apartheid erlebte, hat Hugo ein feines Gespür für soziale Dissonanzen. Sensibel bewegt er sich mit seiner Kamera durch alle sozialen Schichten, nicht nur in seiner Heimat, sondern auch in Ländern wie Ruanda, Nigeria, Ghana, China oder den USA. Wie gehen Menschen jeden Alters und verschiedenster Herkunft mit ihrem historischen Gepäck und ihren Lebensumständen um? In seinen Fotografien erfasst Pieter Hugo die sichtbaren Spuren und Narben gelebter Biografien sowie erlebter Landesgeschichte.

Fotograf Pieter Hugo mit seinem Sohn im Arm

Pieter Hugo: With My Son, Jakob Hugo, Natures Valley. Aus der Serie "Kin", 2006-2013.
Bild: © Pieter Hugo, | Priska Pasquer, Köln

Sein besonderes Interesse gilt dabei den Subkulturen einer Gesellschaft, der Kluft zwischen Ideal und Realität. Obdachlose, Albinos, Aidskranke, Männer, die Hyänen, Schlangen und Affen zähmen, Menschen, die in endzeitlichen Szenarien Elektroschrott sammeln, oder Nollywood-Schauspieler in Kostüm und Pose finden sich in seinen Bildern genauso wie Familie und Freunde.

"Augenblick des Zulassens freiwilliger Verletzlichkeit"

Seine Fotografien sind hierarchielos und zollen jedem den gleichen Respekt. Mehr Künstler als Anthropologe oder Dokumentarist, verfügt Hugo über eine prägnante Bildsprache, mit der er einerseits betont neutral und andererseits empathisch den "Augenblick des Zulassens freiwilliger Verletzlichkeit" (Pieter Hugo) einfängt und so Porträts von eindringlicher Direktheit und Lebensnähe schafft. Nicht selten steht diese Menschlichkeit im Kontrast zur Härte der sozialen Realität, die die Menschen umgibt. Ganz in diesem Sinne wirken Pieter Hugos Stillleben und Landschaftsaufnahmen bisweilen wie gesellschaftliche Kommentare oder Metaphern und geben seinem Gesamtwerk eine aufklärerische Dimension.

Nach Einzelausstellungen im Fotomuseum Den Haag, dem Musée de l’Elysée Lausanne, dem Müpa Budapest und der Fondation Henri Cartier-Bresson Paris war das Kunstmuseum Wolfsburg das erste deutsche Museum, das einen umfassenden Überblick über sein Werk gab. Die Ausstellung im MKK Dortmund ist eine Übernahme.

Museum für Kunst und Kulturgeschichte