Dortmund überrascht. Dich.
Dortmunder U

Museum Ostwall

Ausstellung

Museum Ostwall lädt zur "revolution beuys" zum 100. Geburtstag des Aktionskünstlers ein

Nachricht vom 11.08.2021

Das Museum Ostwall reiht sich mit "revolution beuys" in das Programm Beuys2021 anlässlich des 100. Geburtstags des Aktionskünstlers ein. Vom 12. August bis 17. Oktober präsentiert das MO in seinem Schaufenster Ansichten und Aussichten zum Werk von Joseph Beuys.

Ausstellungsansicht "revolution beuys", Museum Ostwall im Dortmunder U

Ausstellungsansicht "revolution beuys", Museum Ostwall im Dortmunder U ©VG Bild-Kunst, Bonn 2021.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Constantin Grolig.

Die Ausstellung regt dazu an, Beuys fragende Haltung zu gesellschaftlichen Prozessen und Zusammenhängen einzunehmen und zugleich dem Grundgedanken nachzugehen, dass das Leben durch Kunst und mit Kunst gestaltbar ist. Die in Plakaten, Postkarten und Objekten eingeschriebenen Konzepte werden auf ihr revolutionäres Potenzial hin befragt. Die Schau wird gefördert von den Freunden des Museums Ostwall e.V.

Edition statt Unikat

Mit den ausgewählten Multiples und Postern überführen die Kuratorinnen Dr. Sarah Hübscher und Elvira Neuendank (beide TU Dortmund, Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft und Berufspädagogik) gemeinsam mit der Szenografin Lisa Fischer (FH Dortmund) die Impulse, Utopien und Sichtweisen von Joseph Beuys in das Jahr 2021: Ökologie, Demokratie, Pazifismus und die Gesellschaft. Alle versammelten Kunstwerke sind Auflagenobjekte, die, teils unlimitiert, signiert oder unsigniert, über mehrere Jahre vertrieben wurden. Auch Medien wie Poster und Postkarten spielen einen wichtigen Part in der Vermittlung des durch Beuys und andere Fluxusküstler*innen seit den 1960er Jahren ausgerufenen neuen Kunstbegriffs.

Das Trio enthebt die ausgewählten Kunstwerke aus ihrem Status der Unikate und auratischen Verehrungen und platziert sie in mehrfachen Ausführungen und Anordnungen im Schaufenster des Museums Ostwall im Dortmunder U. Zugleich halten sie den Objekten und den Besucher*innen den Spiegel vor: Die teilweise verspiegelten Vitrinen steigern die Vielansichtigkeit der ausgestellten Objekte und laden zusätzlich dazu ein, sich selbst im Kontext des Raumes, der Werke und der Thematik im wahrsten Sinne des Wortes zu spiegeln und zu reflektieren.

Holzkisten und Vinyl

Die Sammlung des Museums beherbergt zahlreiche Multiples und Editionsobjekte, die im MO Schaufenster ungewöhnliche Perspektiven auf das Werk des Künstlers zeigen. Ein Schlüsselwerk in der Präsentation ist das Multiple "Intuition" (1968), das einen konkreten Ort für Denkprozesse darstellt. Die aus fünf geklammerten Holzelementen formierte Kiste mit den Maßen von 30 x 21 x 6 cm ist unaufwändig gefertigt. Seit 1968 verlegte der Remscheider VICE-Versand das Objekt in einer Höhe von 12.000 Stück und zum Preis von 8 DM.

"Ausgehen muß man ja von dem, was gegenwärtig ist. Und was gegenwärtig ist, stellt sich für immer mehr Menschen heraus als untragbar. […]. Aus diesem Grund ist das allererste und wichtigste, daß man den Menschen einen praktischen Weg zeigt."

Beuys, 1976

Die Multiples unterscheiden sich in der Holzmaserung, aber auch in der Position und Größe ihrer Beschriftung: Der Begriff "Intuition" ist innen oder auf der Rückseite von Beuys beinahe beiläufig mit einem Bleistift notiert. Die Kiste funktioniert wie ein Archiv zum Einlagern von Gedanken und zum kontinuierlichen Daraus-Schöpfen, zum erneuten Ablegen und Überdenken der Handlungen. Die Besucher*innen können in einer überdimensionierten Intuitionsbox Platz nehmen und Teil des Gedankenraumes werden.

Dem gegenüber steht die Maxi-Single "Sonne statt Reagan" (1982), die der Künstler als Wiederholung einer musikalischen Performance zum Wettrüsten der Weltmächte auf Vinyl pressen ließ. Mit im Raum installierten QR-Codes können die Besucher*innen via Smartphone sowohl in den aus heutiger Sicht historischen Beuys reinhören als auch aktuellen musikalischen Positionen zum Thema Beuys nachspüren: Darunter die Art-Pop Band "Woog Riots" aus Darmstadt, die auf ihrem Album "Alan Rusbridger" (2016) auch Joseph Beuys ein musikalisches Denkmal setzten.

Kontext und Kollaboration

Mit dem Projektteam geht das Museum Ostwall einen konsequenten Weg, die Potenziale von Kollaborationen weiter zu verstetigen. Die als kollaboratives Projekt gekennzeichnete Schau vereint das Zusammenwirken von (Kunst-)Objekten, Szenografie, Wissenschaft und museumspädagogischer Arbeit auf kleinstem Raum.

Die Kulturwissenschaftlerinnen Sarah Hübscher und Elvira Neuendank sind sowohl mit ihrer kunstwissenschaftlichen Kompetenz als auch mit ihrer erziehungswissenschaftlichen Expertise in dem Projekt verankert. In Seminaren der Lehrer*innenbildung und dem Master Erziehungswissenschaft leisteten die Studierenden wichtige Impulse zum prozessorientierten kuratorischen Konzept, das den Jahrhundertkünstler Beuys auch kritisch verhandelt. Die Ergebnisse werden in Teilen im Schaufenster selbst, teils in der parallel angelegten Ausstellung "Werkstatt Universität" (6. September - 2. Oktober auf der Hochschuletage im Dortmunder U) zu sehen sein.

In enger Zusammenarbeit mit der Objekt- und Raumdesignerin und Szenografiestudentin Lisa Fischer (FH Dortmund) entstand ein Konzept für den Museumsraum, der zugleich als Ausstellungsfläche und gesellschaftliche Reflexionsfläche verstanden wird. Der gesamte Ausstellungsraum verwandelt sich zum Gesellschaftslabor und wird so selbst zur Intutionsbox. Dabei wird ein wichtiges Anliegen von Joseph Beuys aufgegriffen: Er hat das Museum als Ort der "unbedingten Toleranz" und als "Modell einer permanenten Konferenz" (Beuys 1980) für gesellschaftliche Fragen verstanden.

Erstmalig wurde durch die Kuratorinnen auch der Kulturverein "Frappanz – Kollektiv kultureller Freiheiten e.V." mit ins Boot geholt. In diesem Kontext entstand die filmische Begleitung "Kontext Beuys", worin Stimmen aus Wissenschaft, Kultur, Politik und Bildung versammelt wurden, um den facettenreichen Künstler zwischen Ökologie und Ideologie zu besprechen.

Auch über die Ausstellungsdauer hinaus wird das Projekt in den Stadtraum hinein wirken. Neben künstlerischen Auseinandersetzungen im Vereinsraum in der Kleinen Beurhausstraße wird auch ein Projekt mit der Fabido-Kita Lange Straße ab Oktober umgesetzt. Gefördert wird das Projekt vom Kulturbüro der Stadt Dortmund.

Zum Thema

Weitere Informationen finden Sie online.

Dieser Beitrag befasst sich mit Verwaltungsangelegenheiten der Stadt Dortmund. Dieser Hinweis erfolgt vor dem Hintergrund aktueller Rechtsprechung.