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Außenansicht schauraum: comic + cartoon

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Aktuelle Ausstellung

Blue Beetle, Nr. 32, Juli 1944

Blue Beetle, Nr. 32, Juli 1944
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Alle Rechte vorbehalten Fox Features

"Nimm das Adolf. Zweiter Weltkrieg im Comic"

Am 1. September 2019 jährte sich zum 80. Mal der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Anlass genug, sich dieser zweiten großen Menschheitskatastrophe des 20. Jahrhunderts mit mehr als 60 Millionen Toten und ihrer Darstellung im Comic zu widmen.

Das Medium des Comic-Hefte war mit der Erfindung von Superman 1938 in rasantem Aufstieg begriffen, als der japanische Angriff auf Pearl Harbor im Dezember 1941 und Hitlers Kriegserklärung an die USA den globalen Krieg unausweichlich machten. Eine ganze Phalanx von Superhelden engagierte sich jetzt im Kampf gegen Deutschland, Italien und das kaiserliche Japan. Auch die Comic-Strip-Helden in den großen US-Zeitungen mochten nicht hintanstehen. Milton Caniff etwa transformierte seinen Abenteuer-Strip Terry and the Pirates in einen Kriegs-Comic um. Selbst Helden, von denen man es nicht erwartet hätte, taten ihre Pflicht: Flash Gordon kehrte aus dem Weltraum auf die Erde zurück, und selbst Prinz Eisenherz vom mittel alterlichen Hof König Arthurs stellte sich tapfer gegen einfallende Hunnen-Horden.

Das Dritte Reich hatte dieser Übermacht von Helden wenig entgegenzusetzen. Erich Ohsers Vater und Sohn wurde zwar in die Pflicht genommen, für das Winterhilfswerk und Adolf Hitler bei den anstehenden Reichstagswahlen zu werben, für Kriegsaktivitäten taugte der humoristische Familien-Strip allerdings wenig. So schoss sich die NS-Propaganda lieber auf das Medium Comic im Allgemeinen ein: "enttarnte" die Erfinder von Superman als Juden und beschimpft das Erzählen in Bildern mit Sprechblase per se als kulturlos und »entartet«. Eine giftige Saat, die in Deutschland noch lange nach dem Krieg ihre Wirkung tat.

Ganz anders in Belgien, wo Hergé seit 1929 mit Tim und Struppi eine eigene europäische Comic-Kultur begründete. Mit seinen frühen Abenteuern ohnehin im extrem konservativen und katholischen Milieu zu Hause, wechselte Hergé mit seinem Helden 1940 zur Brüsseler Zeitung Le Soir, die ganz unter der Kontrolle der deutschen Besatzer stand.

Ein anderer belgischer Held von Weltruhm, Spirou (erfunden 1938), übte sich dagegen im zivilen Ungehorsam gegenüber den Nationalsozialisten und unter Stützte die belgische Résistance so gut es ging.

Nach Ende des Krieges teilten sich die Kriegs-Comics in das große Lager jener, die den historischen Kontext als Folie für heroische Heldengeschichten nutzten (Marvel, DC etc.), während ein Verlag wie EC bereits ab den frühen 1950er-Jahren – unter Federführung von Harvey Kurtzman, Erfinder des MAD Magazins – atemberaubend ambitionierte Anti-Kriegserzählungen vorlegte.

Die 1970er-Jahre erlebten dann eine sukzessive Enthistorisierung des Themas Cross-over-Produktionen des Kriegs-, Horror- oder Fantasy-Genres hielten Einzug, und die Figur des Nazis wurde neben Vampiren, Werwölfen und Zombies zum festen Bestandteil des Kanons des Bösen.

Hinweis

Die Ausstellung zeigt knapp 100 seltene, bis heute überwiegend noch nie ausgestellte Originalzeichnungen und Dokumente.
Es erscheint ein 224 Seiten starker Katalog mit über 300 Abbildungen zum Preis von 20 Euro.
Das Buch ist nur in der Ausstellung erhältlich.
Die Ausstellung wird begleitet von einem umfangreichen Angebot an Führungen und Workshops für Gruppen und Schulklassen ab Sek. II

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