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Musikschule

Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Jesús González Rebordinos

Personalie

Leitungswechsel an der Musikschule - Direktor Volker Gerland übergibt an Stefan Prophet

Nachricht vom 22.01.2021

"In die Stadt hineinfühlen": Der gebürtige Dortmunder Stefan Prophet wird neuer Direktor der Musikschule und tritt die Nachfolge von Volker Gerland an, der die Musikschule über zwei Jahrzehnte leitete.

Stefan Prophet

Stefan Prophet wird neuer Direktor der Musikschule.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Privat

Er ist zwar klassischer Gitarrist, dennoch gab er 21 Jahre lang den Takt an: Musikschul-Direktor Volker Gerland verabschiedet sich in den Ruhestand. Sein Nachfolger ist bereits gefunden und wird derzeit von ihm eingearbeitet: Stefan Prophet (49 Jahre) hat im Januar seine Stelle als Direktor angetreten. Stefan Prophet leitete seit 2014 die Musikschule Recklinghausen und war zugleich stellvertretender Leiter des Fachbereichs Kultur, Wissenschaft und Stadtgeschichte der Stadt Recklinghausen. Nun freut er sich, die Musikschule in seiner Heimatstadt Dortmund übernehmen zu können.

"In der Ära Volker Gerland hat sich die Musikschule Dortmund zu einer Institution mit landes- und bundesweitem Vorbildcharakter entwickelt. Auch dank seines jahrzehntelangen Engagements in den maßgeblichen Verbänden und Gremien hat Volker Gerland die Musikschule Dortmund bestens vertreten und wichtige Impulse von Dortmund aussenden, aber auch empfangen können", würdigt Kulturdezernent Jörg Stüdemann die Arbeit Gerlands.

"Die Musikschule Dortmund steht dank Volker Gerland hervorragend dar, so dass wir bei der Neubesetzung seiner Stelle ein ausgesprochen überzeugendes Bewerberfeld hatten. Wir freuen uns sehr, dass wir Stefan Prophet gewinnen konnten, die Leitung zu übernehmen", sagt Dr. Stefan Mühlhofer, Geschäftsführender Direktor der Kulturbetriebe Dortmund.

Volker Gerland: Rückblick und Bilanz

Volker Gerland leitete die Musikschule Dortmund seit 1999. Zuvor war der gebürtige Dortmunder in gleicher Funktion in Mülheim an der Ruhr sowie in Wermelskirchen tätig. In seiner Amtszeit ist die Musikschule Dortmund kontinuierlich gewachsen. Die Zahl der Wochenstunden, die gegeben werden, kletterte von 1.800 auf heute 2.800, die der Lehrkräfte wuchs von 95 auf 230. Außerdem ist die Musikschule stärker in der Stadt präsent: aus 65 Unterrichtsstätten wurden 130.

Inhaltlich steht Volker Gerland für eine Musikschule, die inklusiv, stilistisch offen und vielseitig für alle Altersgruppen angelegt ist. Dank seiner Arbeit erreicht die Musikschule heute weitaus mehr Schüler*innen aus allen Bevölkerungsgruppen – dazu trägt maßgeblich auch das Landesprogramm JekiTs bei, das in Dortmund seinen größten Standort hat.

Die Musikschule engagiert sich u.a. für Toleranz und gegen rechte Gewalt (Interkulturelles Musikprojekt "Kontra"), für die Eingliederung unbegleiteter geflüchteter Jugendlicher, für die Freizeitmöglichkeiten auch älterer Menschen, für mehr Chancen von bildungsbenachteiligten Kindern (Projekt "TransiMus") in der Nordstadt. Dafür hat die Musikschule kontinuierlich auf Landes- und Bundesebene zusätzliche finanzielle Mittel eingeworben.

Breiten- und Spitzenförderung

Für die besonders ambitionierten und talentierten Schüler*innen wurde eine Klassikakademie gegründet und ein spezieller Fördertarif für intensives musikalisches Engagement eingerichtet. Die mit Unterstützung des Landes entstandene Barockakademie bietet, ebenso wie das Dortmunder Jugendorchester, besondere Möglichkeiten der Entfaltung. Das gemeinsame Musizieren wurde deutlich ins Zentrum gerückt, viele neue Ensembles entstanden.

Vor allem in den vergangenen Jahren sind Schüler*innen der Musikschule Dortmund zunehmend aktiv und erfolgreich in Wettbewerben. Gegen den Landestrend ist der Wettbewerb "Jugend musiziert" in Dortmund kontinuierlich gewachsen. Schüler*innen der Musikschule haben eine große Zahl von Preisen und Auszeichnungen erhalten – nicht nur bei "Jugend musiziert", sondern auch bei "Jugend komponiert", beim Westfälischen Klavierwettbewerb oder beim Bundeswettbewerb zum Akkordeon-Musik-Preis. Laut Dezernent Stüdemann "ist das ein Ausdruck dessen, wie hochkarätig hier am Institut gearbeitet wird".

Ähnlich bemerkenswert ist auch die Zahl der Schüler*innen, die seit Anfang 2000 von 4.000 auf derzeit rund 12.000 gestiegen ist. Und - ein erfreulicher Gegentrend zur Pandemie - trotz der Probleme, die Kulturanbieter seit Monaten haben, ihre Produkte zu den Menschen zu bringen, hat so gut wie kein*e Schüler*in die Musikschule verlassen.

Gerland als Netzwerker

Neben seiner Leitungsfunktion in Dortmund hat Volker Gerland sich durchgehend in den relevanten Verbänden und Netzwerken engagiert. So wirkte er u.a. als Vorsitzender des Landesverbands der Musikschulen, als Sprecher der "Jeki"-Musikschulen im Ruhrgebiet, im Fachausschuss kulturelle Vielfalt des Deutschen Musikrats, als Gründungsvorsitzender des Trägervereins für das Landesjugendorchester, die Junge Bläserphilharmonie NRW und das Kinderorchester NRW oder als Mitbegründer der RuhrMusikschulen.

Dem Bundesvorstand des Verbandes deutscher Musikschulen wird Volker Gerland vorerst erhalten bleiben, er ist dort für den Ausbau der digitalen Chancen im Musikschulbereich verantwortlich. Außerdem will er weiterhin die Juryarbeit im Bundesprojekt "Musikleben" leiten, das auf Chancen für bildungsbenachteiligte Kinder zielt. Vor allem aber wünscht er sich für die nächste Zeit mehr Zeit für die Familie und das eigene Musizieren.

Seinem Nachfolger Stefan Prophet, den Volker Gerland seit vielen Jahren sowohl aus künstlerischen und kulturpolitischen Zusammenhängen kennt und schätzt, muss er "keine guten Ratschläge geben", wie die Musikschule künftig zu führen sei. Stattdessen verweist er auf die Punkte, die er weiterentwickelt hätte, wäre er nicht "in den passiven Teil seiner Altersteilzeit eingetreten", wie Gerland mit einem Lachen erklärt. So liegt ihm etwa die Weiterentwicklung des "House of Populär Music" am Herzen, in dem seit 2019 Unterrichtskonzepte für Musiken unterschiedlicher Stilrichtungen, etwa für Rock, Jazz oder Hip Hop, neu zusammengefasst und modernisiert werden. Über dieses pädagogische Konzept hinaus sollte "das 'House of Populär Music' immer mehr zu einem Ort der Begegnung werden, an dem Jugendliche sich treffen können."

Vielfältige Angebote

Die Vielfalt der Angebote der Musikschule entspricht laut Gerland "der Vielfalt der Dortmunder Stadtgesellschaft". Weil es dort in den letzten Jahren zahlreiche Veränderungen gab, mussten die Lehrenden passende Lösungen zu ihren Angeboten entwickeln – etwa aufgrund der Ausweitung der Ganztagesschulen, wodurch das Zeitfenster junger Musikschule-Besucher*innen enger wurde. Ein wichtiger Teil dieser Lösungen ist die Digitalisierung, die an der Musikschule nicht erst seit der Pandemie eine wichtige Rolle einnimmt. Für Gerland sind digitale Tools eine wichtige Bereicherung, über die etwa die Inhalte eines Präsenzunterrichts vertieft werden können.

Stefan Prophet: Vorstellung und Ausblick

Stefan Prophet (49) ist gebürtiger Dortmunder. Er studierte u.a. Musik an der Universität Dortmund und arbeitete ab 1994 an der Musikschule Bergkamen, wo er als Lehrkraft in den Fächern Gitarre, E-Gitarre, Mandoline, Ensemble- und Orchesterleitung startete und 2013 als stellvertretender Direktor schied, um die Leitung der Musikschule Recklinghausen zu übernehmen.

Auch Stefan Prophet ist vielfältig engagiert und vernetzt: Er ist Sprecher der Ruhrmusikschulen, Beiratsmitglied der Folkwang Universität der Künste für das Programm "folkwangjunior" und arbeitete sechs Jahre lang im Vorstand des Landesverbands der Musikschulen mit. Im JeKits-Programm war er drei Jahre lang Sprecher der Kooperationspartner.

Als Musiker (Gitarre, Mandoline, Banjo) war Stefan Prophet bereits in zahlreichen Konzert- und Bühnenproduktionen aktiv, u.a. an den Staatsopern Hamburg und Bonn, an der Deutschen Oper am Rhein, im Aalto-Theater Essen, im WDR Sinfonieorchester und im Gürzenich Orchester Köln, u.a. mit Kent Nagano, Ingo Metzmacher, Semyon Bychkov, Simone Young oder Hans Werner Henze.

In Dortmund sieht er es als seine Aufgabe, mit der Musikschule zunächst weiterhin gut durch die Zeit der pandemiebedingten Einschränkungen zu kommen und die Erfahrungen des digitalen Distanzunterrichts in kontinuierliche Angebots- und Unterrichtskonzepte zu überführen.

Darüber hinaus möchte er die Musikschule in der Stadtgesellschaft weiter vernetzen und mit ihrem großen und vielfältigen Angebot allen Interessent*innen die Möglichkeit zur musisch-kulturellen Teilhabe und Betätigung geben. Um immer wieder neue Trends zu erkennen und den Menschen anbieten zu können, sei es wichtig, "in die Stadt hinein zu fühlen, zu agieren statt zu reagieren", erklärt der neue Direktor, "und zwar über die Gremien der Musikschule hinaus". Das Erbe seines Vorgängers Volker Gerland aufgreifend, möchte Prophet "die Musikschule zu einem Kompetenzzentrum musikalischer Bildung" fortentwickeln.

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Dieser Beitrag befasst sich mit Verwaltungsangelegenheiten der Stadt Dortmund. Dieser Hinweis erfolgt vor dem Hintergrund aktueller Rechtsprechung.