Altes Stadthaus und Berswordthalle

Stadtarchiv

Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): GPM Foto

Der Dortmunder Weihnachtsmarkt

Eine kleine Geschichte des Dortmunder Weihnachtsmarktes

Weihnachtsbaumverkauf auf dem Hansaplatz

Weihnachtsbaumverkauf auf dem Hansaplatz
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Alle Rechte vorbehalten Stadtarchiv Dortmund

(StadtA Dortmund, Best. 502)

Als der Weihnachtsmarkt 2020 aufgrund der Pandemie nicht in seiner üblichen Form abgehalten werden konnte, bot sich ein für die Adventszeit in Dortmund ungewöhnliches Bild. Nur vereinzelt standen ein paar Buden auf den Plätzen, es gab kaum Glühweinstände, kein Lichtermeer von der Petri- bis zur Reinoldikirche und selbst der weltgrößte Weihnachtsbaum musste wieder abgebaut werden. Ganz gleich, ob man selbst nicht früh genug in die Weihnachtszeit starten kann oder zwei Wochen vor dem ersten Advent noch Schwierigkeiten hat, in die richtige Stimmung zu kommen – es fehlte etwas, das in Dortmund schon seit Menschengedenken stattfindet.

Im Stadtarchiv existieren keine Aufzeichnungen über den Weihnachtsmarkt vor 1900. Es ist unmöglich abzuschätzen, wann oder wie alles begann – doch wir wissen, dass auch die Marktpolizei um 1900 ihre liebe Not mit der Weihnachtsstimmung hatte. Damals handelte es sich beim Weihnachtsmarkt um kaum mehr als einen Wochenmarkt, der an Heiligabend stattfand: Weihnachtsbäume wurden verkauft und es waren fahrende Konditoren, sogenannte Honigküchler, anwesend, die sonst nur auf Jahrmärkten anzutreffen waren. Gerade Letztere bereiteten der Marktpolizei Sorge. Sie fürchtete, der Markt könnte sich in einen Krammarkt mit reisenden Händlern verwandeln – oder gar Kirmes-Charakter entwickeln.

Weihnachtsmarkt 1928: Verkaufsstand unter anderem mit Wunderkerzen

Weihnachtsmarkt 1928: Verkaufsstand unter anderem mit Wunderkerzen
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Alle Rechte vorbehalten Stadtarchiv Dortmund

Da die Beamten das vorweihnachtliche Treiben nicht ganz verbieten konnten, versuchten sie, es zumindest auf die frühen Morgenstunden des 24. Dezember zu beschränken. Ein Vorstoß, gegen den nicht nur die Händler protestierten. Auch die Dortmunder Bürgerinnen und Bürger mochten ihren Weihnachtsmarkt. Viele Arbeiter bekamen ihren Lohn außerdem erst an Heiligabend ausbezahlt, weshalb Weihnachtseinkäufe nur in Ausnahmefällen schon am Vormittag dieses Tages erfolgen konnten. Die Behörden hatten ein Einsehen und verlängerten die Marktzeiten zunächst bis 22 Uhr, später sogar bis 23 Uhr – und damit nicht genug. In den folgenden Jahren rangen die Handelsverbände den Behörden immer weitere Zugeständnisse ab, der Markt wuchs!

Bis 1927 waren die Marktzeiten schon bis auf die letzten drei Wochen vor Heiligabend ausgedehnt worden. Anhand der genehmigten Zulassungsanträge für Marktbeschicker lässt sich die Anzahl der Verkaufsstände auf etwa 100 schätzen. Überwiegend wurden Obst, Südfrüchte und Nüsse feilgeboten, aber auch Spielwaren und Christbaumschmuck, Lebkuchen und Schokolade, Kerzen, Wolle und Toilettenartikel. Zudem hatten die Geschäftsinhaber in der Innenstadt den verkaufsfördernden Effekt des Weihnachtsmarkts erkannt. Dass in den Buden und Verkaufsständen keine Konkurrenz, sondern eine willkommene Ergänzung gesehen wurde, verdeutlicht ein Ersuchen der „Kommission zur Wahrung der Interessen der nördlichen Gewerbetreibenden“ von 1912. Sie wollte den Weihnachtsmarkt in die Nordstadt verlegen lassen. Scheinheilig vorgetragene Gründe waren die Behinderung des Verkehrs in der Innenstadt, sowie die Unordnung und Ungleichheit der Buden und Stände, die für den Fremden einen keineswegs schönen Eindruck machen. Und das, obwohl laut Tageszeitung bereits 1912 Tausende aus den umliegenden Städten nach Dortmund pilgerten, um Weihnachtsgeschenke zu kaufen.

Weihnachtsmarkt vor der Reinoldikirche 1948

Weihnachtsmarkt vor der Reinoldikirche 1948
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Alle Rechte vorbehalten Stadtarchiv Dortmund

Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1939 änderte sich der Weihnachtsmarkt drastisch. Zunächst erlosch die Weihnachtsbeleuchtung, da die Stadt aus Sorge vor Luftangriffen nachts völlig verdunkelt werden musste. Mit dem Fortschreiten des Krieges und dem damit einhergehenden Mangel an Lebensmitteln und anderen Gütern verlor der Weihnachtsmarkt letztlich seine Existenzgrundlage, bis er 1948 zwischen Trümmern erstmalig wieder abgehalten werden konnte.

Waren die ersten Weihnachten nach dem Krieg noch vom Mangel beherrscht, sorgten im Laufe der 1950er Jahre opulent bestückte Verkaufswagen und festliche Lichter wieder für leuchtende Augen. Im Jahrzehnt darauf kamen ein Kinderkarussell, eine Ponyreitbahn und ein Märchenwald hinzu. Dieses Mal übrigens, um ganz bewusst den zuvor bereits erwähnten Kirmes-Charakter herzustellen, denn eine Kirmes durfte nun auch an Sonntagen abgehalten werden und Werktags bis 20 Uhr.

Weihnachtsmarkt 1968: Hansekogge auf dem Hansaplatz

Weihnachtsmarkt 1968: Hansekogge auf dem Hansaplatz
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Alle Rechte vorbehalten Stadtarchiv Dortmund

1968 schließlich erkannten auch die Behörden den Weihnachtsmarkt offiziell als Instrument zur gezielten Wirtschaftsförderung. Man stellte ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm zusammen, für das sogar überregional die Werbetrommel gerührt wurde. Als Highlight galt eine Bühne in Gestalt einer Hansekogge am Alten Markt, auf der berühmte Musikerinnen und Musiker auftraten.

1993 verkündete das offizielle Veranstaltungsprogramm stolz, der Dortmunder Weihnachtsmarkt sei mit 261 Ständen nicht nur der größte Weihnachtsmarkt der Bundesrepublik, sondern durch sein Angebot auch der schönste des Landes. Eine gewagte Behauptung, der nicht alle Dortmunderinnen und Dortmunder zustimmten. Doch Beschwerden über Kitsch und Kommerz des Weihnachtsmarkts gehören mindestens so sehr zur Weihnachtszeit in Dortmund wie der Glühweinduft auf dem Hansaplatz.

Seit 1996 stehen die Glühweinstände unter dem größten Weihnachtsbaum der Welt und seit 2019 trägt der Weihnachtsmarkt offiziell den Namen: „Dortmunder Weihnachtsstadt“. Sie findet derzeit unter den aktuellen Corona-Auflagen statt. Bitte informieren Sie sich unter:

Weihnachtsstadt Dortmund

Eine ausführlichere Geschichte des Dortmunder Weihnachtsmarktes, verfasst von Hermann Josef Bausch, finden Sie in der Heimat Dortmund 3/1995.

Weihnachtsbaum 2011 mit Meisterschale

Weihnachtsbaum 2011 mit Meisterschale
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Alle Rechte vorbehalten R. Wiethmann