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Dortmunder U – Zentrum für Kunst und Kreativität

Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Hans Jürgen Landes Fotografie

Ausstellungseröffnung

"Cartoons for Future": Internationale Ausstellung am Dortmunder U zeigt Visionen der Klimakrise

Nachricht vom 03.06.2019

Die Klimaschutz-Cartoon-Ausstellung "Cartoons for Future" mit rund 100 Exponaten ist vom 1. Juni bis 18. August im Pavillon am U zu sehen. Als Reise um den Globus in Cartoons und Karikaturen haben Zeichner*innen aller Kontinente vielfältige Visionen bevorstehender Zeiten entworfen.

Titelmotiv der Ausstellung ist die von Pohlenz entworfene "Mona Greta", eine Kombination aus "Mona Lisa" und Greta Thunberg

Titelmotiv der Ausstellung ist die von Pohlenz entworfene "Mona Greta", eine Kombination aus "Mona Lisa" und Greta Thunberg
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Torsten Tullius

Auch in Dortmund demonstrieren Schüler*innen unter dem Motto "Fridays for Future" für eine bessere Zukunft. Kaum ein Tag vergeht ohne Hiobsbotschaften zum Zustand des Planeten, die viele Menschen sprachlos hinterlassen. Wenn Worte fehlen, reden Bilder. Wie verarbeiten Künstler*innen in Deutschland und anderen Ländern die bedrohlichen Szenarien der Folgen der Klimakrise? Wie bringen sie die kontrovers debattierten Sachverhalte plakativ auf den Punkt? Als Reise um den Globus in Cartoons und Karikaturen haben Zeichner*innen aller Kontinente vielfältige Visionen bevorstehender Zeiten entworfen.

Die Klimaschutz-Cartoon-Ausstellung "Cartoons for Future" ist ein Projekt des Dortmunder "schauraum: comic+cartoon" und umfasst rund 100 Exponate von allen Kontinenten. Sie ist vom 1. Juni bis 18. August im Pavillon am U zu sehen. Zur Ausstellung gehören auch digitale Interaktionen, ein internationaler Zeichenwettbewerb sowie Cartoon-Workshops für interessierte Schüler*innen.

Digitalität in der Cartoon-Kunst

Die Digitalität prägt inzwischen auch die internationale Cartoon-Künstler*innen-Szene, was die Ausstellung eindrücklich spiegelt: "Nur noch 25 der hier gezeigten Exponate sind per Hand gezeichnet, der Rest wurde digital realisiert", erklärt Kurator Bernd Pohlenz, "ein 'alter Hase' unter den deutschen Karikarturist*innen, Bernd Stuttmann, wartet schon seit 20 Jahren mit digitalen Arbeiten auf".

In "Tanzanite/Investor" von 2015 graben Investitionen der nördlichen Hemisphäre Bäuer*innen in dem ostafrikanischen Land buchstäblich den Boden ab

In "Tanzanite/Investor" von 2015 graben Investitionen der nördlichen Hemisphäre Bäuer*innen in dem ostafrikanischen Land buchstäblich den Boden ab
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Torsten Tullius

In ihren Cartoons ahnen die Künstler*innen das Erbe voraus, das ältere Generationen ihren Kindern und Kindeskindern als erdrückende Bürde hinterlassen werden, wenn wirtschaftliche Belange nicht in Einklang mit der Natur zu bringen sind. Viele der internationalen Zeichenkünstler*innen verleihen ihrer Ahnung Ausdruck, dass wir uns endgültig den Ast absägen, auf dem wir sitzen, wenn wir unser Alltagsverhalten nicht ändern. Andere haben den Absturz nahezu als Gewissheit verinnerlicht – im günstigsten Fall noch durch sehr schnelle Gegenmaßnahmen abzuwenden.

Bissiges aus der Einen Welt

Es ist ein Vorrecht der Jugend, Veränderungen einzufordern. Die Kunstschaffenden, oft ihrerseits voller Fantasiebegabung und spielerischer Kreativität jung geblieben, fühlen sich ähnlich befugt, das Publikum mit ihren Ideen zu neuen Sichtweisen anzuregen.

"Das Thema Klimawandel beschäftigt mich schon länger. Aber die Mahnung einiger Wissenschaftler*innen, dass wir diesen in etwa 11 Jahren nicht mehr rückgängig machen können, wenn wir nicht jetzt entschieden gegensteuern, motivierten mich, diese Ausstellung auf den Weg zu bringen", erläutert der sechsfache Vater Bernd Pohlenz.

"Cartoons for Fututre" ist thematisch gegliedert, Oberbegriffe wie Flugreisen, Tourismus oder die globale Fleischproduktion leiten die Besucher*innen inhaltlich durch die Schau. Stefan Mario Barrati aus den USA nimmt außerdem nicht nur des Deutschen liebstes Kind aufs Korn: In der bissigen Sequenz "Just Married" (2010) spiegelt er unseren emotionalen Bezug zum Auto, eine Braut "heiratet" ihren PKW. Einen kritischen Blick des globalen Südens auf den Norden wirft Said Michael aus Tansania: In "Tanzanite/Investor" von 2015 graben Investitionen der nördlichen Hemisphäre Bäuer*innen in dem ostafrikanischen Land buchstäblich den Boden ab.

Lo Graf Blickensdorf nimmt Christian Lindners Aussage bezüglich der Demonstrant*innen von "Fridays for Future" aufs Korn

Lo Graf Blickensdorf nimmt Christian Lindners Aussage bezüglich der Demonstrant*innen von "Fridays for Future" aufs Korn
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Torsten Tullius

Auch Aktuelles aus Deutschland bietet die Ausstellung. Lo Graf Blickensdorf nimmt Christian Lindners Aussage bezüglich der Demonstrant*innen von "Fridays for Future" aufs Korn, den "Klimaschutz sollte man den Profis überlassen": In der Umgebung des Berliner Reichstags erstreckt sich dürres Land.

Titelmotiv der Ausstellung ist die von Pohlenz entworfene "Mona Greta", eine Kombination aus "Mona Lisa" und Greta Thunberg. Leonardo da Vinci, der vor genau 500 Jahren starb, war ergänzend zu seinen vielen anderen Talenten auch als leidenschaftlicher Naturbeobachter bekannt und nicht zuletzt als großer Visionär. So mag er damals auf seinem Bild der Mona Lisa die Imagination einer jungen Frau in ferner Zukunft festgehalten haben, die den Menschen vor der Kulisse schmelzender Polkappen Hoffnung gibt, wieder mit der Natur in Einklang leben zu können. Die ironische Montage "Mona Greta" konnotiert die schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg mit den Begriffen "große Bekanntheit" (berühmtestes Bild) und "hoher Wert" (teuerstes Bild).

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