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Rosensträucher mit dem Florianturm im Hintergrund

Westfalenpark Dortmund

Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Stefanie Kleemann

Im Kräutergarten: Erlebnisreise für Augen und Nase

Wer die beiden Gärtnerinnen Martina Kölling und Susanne Schomberg bei ihrer Arbeit im Kräutergarten beobachtet und dabei genau die Ohren spitzt, erfährt viel Wissenswertes über die Kräutervielfalt im Westfalenpark. Therese Backhaus-Cysyk hat den beiden Kräuter-Expertinnen über die Schultern geschaut.

Viele Kräuter kommen mit dem sonnigen, trockenen Sommerwetter bestens zurecht. In den Sommermonaten blüht und duftet es in allen Kräuterbeeten, die rund um das Backhaus angelegt sind. Damit alles gepflegt wirkt und die Besucher des Westfalenparks stets eine breite Vielfalt an den verschiedenen Heil- und Gewürzkräutern bewundern können, sind zahlreiche Arbeitsschritte im Kräutergarten nötig.

Das ganze Jahr über kümmern sich Martina Kölling und Susanne Schomberg um die Anlage. "Wir vermehren sogar einen großen Teil der hier ausgepflanzten Kräuter selbst", erklärt Susanne Schomberg. Viele Arten und Sorten werden ausgesät. Dabei schauen sich die beiden Gärtnerinnen auch stets nach Neuheiten um, so dass es sich immer mal wieder lohnt im Kräutergarten vorbeizuschauen.

Nachdem die Aussaat gekeimt ist, werden die kleinen Kräuterpflänzchen pikiert und vereinzelt. Später wird getopft und dann kann, nachdem die Kräuter gut durchwurzelt sind, gepflanzt werden.

Zu den traditionellen Kräutern gehören neben typischen Küchenkräutern wie Basilikum, Schnittlauch und Petersilie auch die mediterranen Arten wie Rosmarin, Thymian, Oregano oder Salbei. Verschiedene Lauchsorten gefallen jetzt im August mit ihren Blütenbällen. Heilkräuter wie Beifuß, Lungenkraut, Arnika, Beinwell oder Melisse stehen ebenso im Beet, wie verschiedene Kräutersorten, die zu Tee verarbeitet werden können, wie Melisse, Fenchel, Minze oder Salbei. Seit dem vergangenen Jahr schauen sich viele Besucher besonders nach Bienenpflanzen um – Kräuter, die durch ihren Duft Bienen und Insekten anlocken.

Bilderstrecke: Im Kräutergarten: Erlebnisreise für Augen und Nase

Gärtnerinnen arbeiten zusammen im Kräutergarten des Parks 13 Bilder
Susanne Schomberg und Martina Kölling – beides ausgebildete Gärtnerinnen – arbeiten zusammen im Kräutergarten des Parks.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Therese Backhaus-Cysyk

Wer die Polizeipuppenbühne im Westfalenpark besucht, kommt am Kräutergarten vorbei. "Viele Kinder sind ganz interessiert an unseren duftenden Kräutern", beobachten die beiden Gärtnerinnen, die seit mehr als zehn Jahren ein Team sind. "Das hat meine Mama auch im Garten", "Das riecht aber lecker" oder "Das schmeckt aber intensiv nach Lakritz" sind nur einige der Sprüche, mit denen die Kinder ihr Interesse bekunden, nachdem sie geschnuppert und gekostet haben.

Wenn das Backhaus sonntags, an Feiertagen und während Großveranstaltungen im Park geöffnet hat, ist der Kräutergarten immer ein Publikumsmagnet.

Im Sommer steht die Pflege des Kräutergartens bei Martina Kölling und Susanne Schomberg im Focus. Es wird gedüngt und gewässert, Unkraut gejätet und Vertrocknetes zurückgeschnitten. Im Herbst gibt es für die beiden Gärtnerinnen reiche Beute. Dann können sie beim Rückschnitt Samenkapseln der verschiedenen Kräuter ernten, die im nächsten Frühjahr wieder ausgesät werden.

Samen bringt beispielsweise die Knollige Seidenpflanze (Asclepias tuberosa), die sehr auffällige, intensiv orangefarbene Blüten ausbildet und mit ihrem intensiven Duft viele Schmetterlinge anzieht. In den Kräutergarten hat sie es geschafft, weil sie nicht nur als Schnitt- oder Zierstaude gilt, sondern auch als Heilpflanze. Ihre Wurzel hat eine entzündungshemmende Wirkung beispielsweise bei Lungenentzündung oder Rheuma.
Als formgebende Gehölze steht Buchsbaum im Kräutergarten. Die kugeligen Gehölze werden im Juni in Form gebracht. "Außerdem haben wir im Moment ein besonders wachsames Auge auf die Pflanzen", zeigt Susanne Schomberg im Hinblick auf den Buchsbaumzünsler auf.
Üppig blüht noch bis im September der gelbe Goldbaldrian (Patrinia scabiosifolia). Die Heilpflanze wächst 60 bis 80 Zentimeter hoch, aus ihren Blättern lässt sich ein beruhigender Tee aufbrühen.
Beliebt ist die Duftnessel (Agastache), die im Kräutergarten in verschiedenen Sorten gepflanzt wurde, aufgrund ihrer schönen Blütenkerzen und ihres Duftes. Blüten und Blätter von einigen Arten sind essbar.
Sehr interessiert sind die Besucher an den Blüten des Himalaya-Geissblattes (Leycesteria formosa), das auch Karamellstrauch genannt wird, denn die reifen Früchte schmecken nach schokoladigem Karamell.
Viele Besucher kennen die Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus), die an verschiedenen Standorten im Kräutergarten wächst. Ihre auffälligen Trichterblüten mit einem langen Sporn blühen in diesem Sommer in Gelb, Creme, Rot und Orangetönen und gefallen mit einer schönen Fernwirkung.

Neben den Kräuterbeeten pflegen die beiden Gärtnerinnen auch den Bereich mit Obstgehölzen und Beerensträuchern. In Nachbarschaft zu Johannisbeeren und Jostabeeren wächst Spalierobst im Beet. "Wir haben sechs verschiedene Apfelsorten, aber auch Mirabelle und Birne gepflanzt", zeigt Martina Kölling auf. Damit der Boden Feuchtigkeit hält und weniger Unkrautsamen aufgehen, wurden als Bodendecker Golderdbeeren (Waldsteinia) gepflanzt. Das erspart viel Pflegeaufwand, sagt Susanne Schomberg und gibt den Tipp gerne an interessierte Besucher*innen weiter.

Kräuter selbst anziehen

Wer zuhause selbst Kräuter heranziehen möchte, hat mehrere Möglichkeiten. Am einfachsten bei vielen Sorten ist die Aussaat. Bester Zeitpunkt dafür ist im März. Zum Keimen benötigen die Samen viel Licht, Feuchtigkeit und Wärme. Keimschalen oder Töpfe, aufgestellt auf der Fensterbank oder im Hobby-Gewächshaus, eignen sich am besten. Ab Mitte Mai können die Jungpflanzen ins Freie umziehen. Auch durch eine sogenannte Teilung können Kräuter aus Beet oder Topf – vorzugsweise im Frühjahr oder Herbst - vermehrt werden. Minze, Schnittlauch oder Zitronenmelisse eignen sich beispielsweise dazu. Die neuen Teilstücke werden anschließend wieder frisch in Töpfe oder ins Beet eingepflanzt.