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Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Stefanie Kleemann

Museumspädagogik im MKK

Daniela Brechensbauer

12.05.2011, Von Petra Schrader

Seit dem 1. Februar 2010 arbeitet Daniela Brechensbauer als Museumspädagogin im Museum für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) – dabei waren ihr Museen früher eher fremd. Heute geht sie ihre Aufgabe mit Engagement und Leidenschaft und einem völlig anderem Blick auf alles, was mit einem Museum zu tun hat, an. Sie hat uns ihre Lieblingsplätze im Haus an der Hansastraße gezeigt.

"In der Stellenausschreibung waren es vor allem zwei Wörter, die mich ansprachen: Pädagogik und Öffentlichkeitsarbeit", sagt Daniela Brechensbauer: Pädagogik, weil sie im Anschluss an ihre Verwaltungslaufbahn bei der Stadt ein Lehramtsstudium abgeschlossen hat, und Öffentlichkeitsarbeit, weil sie darin schon Erfahrung aus einer früheren Tätigkeit einfließen lassen konnte. Vor der Bewerbung stand ein Besuch im MKK und sie, die eigentlich selten ins Museum ging, nahm an einer Führung teil – und war begeistert. "Ich fand das alles völlig spannend und die Vorstellung, dass ich mit meinen Fähigkeiten aus Pädagogik und Öffentlichkeitsarbeit vielen Menschen die Inhalte eines Museums näher bringen kann, hat mich gereizt.

Daniela Brechensbauer von dem Gemälde "Wildbrethändler" von Franz Snyders.

Ein Bild dieser Größe in ein Museum zu bringen bedarf eines gewissen Aufwandes.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Anja Cord

"Dass ich jetzt hier arbeite, ist für mich wie ein Sechser im Lotto", sagt Daniela Brechensbauer und räumt auf dem Weg zu ihrem ersten Lieblingsplatz im Museum an der Hansastraße mit dem Vorurteil auf, Museumspädagogik sei etwas für Schulkinder. "Es geht viel mehr darum, Programme für unterschiedliche Zielgruppen zu entwickeln, einen Zugang zu den Exponaten zu zeigen, die es im Museum gibt. Einen Zugang, der etwas mit dem Leben der Menschen zu tun hat, die zu uns ins Museum kommen – und zwar unabhängig vom Alter", erzählt Daniela Brechensbauer und führt uns in eine Nische in der Nähe der Rotunde.

Mehr als Schinken

Hier stehen wir zwischen zwei riesigen Bildern, richtigen Schinken eben – bei oberflächlicher Betrachtung. Wenn man beide Bilder nun mit den Augen von Daniela Brechensbauer sieht, dann verändern sie sich und es macht Spaß, sie länger zu betrachten. "Wen ich hier mit den Kindern stehe, dann reden wir darüber, wie die großen Bilder, die immerhin drei und vier Meter hoch sind, wohl hierhergekommen sind, denn so wie sie hier hängen, können sie gar nicht durch die Nische transportiert werden. Die Lösung für Theodor Thuldens "Die Großmut des Scipio": Das Bild kam gar nicht am Stück, sondern ohne Rahmen, wurde vor Ort restauriert und gerahmt – und so wird es auch dem "Wildbrethändler" von Franz Snyders gegangen sein. "Wenn ich das erkläre, komme ich auch gleich auf die vielen Berufsgruppen, die hier unter einem Dach arbeiten, und kann verdeutlichen, wie lebendig solch ein Museum ist", sagt Daniela Brechensbauer mit leuchtenden Augen.

Sonderrolle für Albert Baum

Und während die Museumspädagogin noch den Tipp gibt, das Bild vom Wildbrethändler mal aus der Position eines Grundschulkindes zu betrachten, das sich ob seiner Körpergröße dann Auge in Auge mit einem nicht ganz friedlich aussehendem Hund wiederfindet, geht es weiter zur nächsten Station.

Daniela Brechensbaum vor dem Portrait von Albert Baum

Albert Baum, der erste hauptamtliche Museumsdirektor des MKK , hat viel zu der heutigen Sammlung beigetragen.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Anja Cord

Lieblingsort Nummer zwei sieht unscheinbar aus: Als Lackmalerei auf Holz von Paul Herrmann Schoedder, 1931 gemalt, hängt dort ein Porträt von Albert Baum, dem ersten hauptamtlichen Museumsdirektor des MKK an der Wand, dicht daneben informiert ein Video über sein Leben.

"In einer Führung von Senioren aus Eving brachte es einer auf den Punkt: "Der Albert Baum, das war ein ganzer Kerl". Bei Führungen können wir anhand der Lebensgeschichte von Albert Baum lebendig darstellen, wie dieses Museum zu seinem Bestand kam, mit wie viel Hingabe und Engagement hier ein Mensch zu Werke gegangen ist, um Kunst und Gegenstände des alltäglichen Lebens für die Nachwelt zu sichern.

Von Baum erzählt man sich, er habe auch schon mal Bauern wie Adlige unter den Tisch getrunken, damit er ihnen Exponate fürs Museum oder eine Spende abquatschen konnte", erzählt Daniela Brechensbauer.

Der Albert Baum, das war ein ganzer Kerl.

Der Zeichenlehrer, der zunächst nebenamtlich und erst ab 1904 hauptberuflich als Museumsleiter alles sammelte, was er kunstgewerblich, heimat- und volkskundlich oder archäologisch für erhaltenswert hielt, hat zu seiner Zeit das Haus geprägt. Nicht ohne Grund hat er nun selbst seinen Platz im MKK.

Museum außer Haus

Auf dem Weg zum nächsten Lieblingsplatz erzählt Daniela Brechensbauer, wie Programme im Museum entstehen: "Ich entwickle sie nie alleine, sondern gemeinsam mit freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und immer auch mit Menschen aus der jeweiligen Zielgruppe, also mit Kindern, Jugendlichen, Pädagogen, Senioren und anderen Erwachsenen." Gerade Schulen nehmen das Programm im MKK gut an, allein im vergangenen Jahr haben 140 Schulklassen das Museum besucht. Insgesamt fanden mehr als 39.000 Menschen 2010 den Weg ins MKK. Und zu mancher Seniorenbegegnungsstätte kam auch das Museum mit seinem Museumskoffer, quasi als "Museum außer Haus".

Daniela Brechensbauer schaut in eine Vitrine mit Taufkleid, Taufbecken, Wiege und Kinderhochstuhl.

Diese Vitrine zeigt Gegenstände aus dem 19. Jahrhundert.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Anja Cord

Vorbei geht es nun an verschiedenen Aufbauten, einer Vielzahl von Exponaten. Einen kurzen Blick können wir auf verschiedene Kochgeräte aus dem 18. Jahrhundert. werfen und lernen im Vorbeigehen, woher der Spruch "einen Zacken zulegen kommen könnte: Damals wurde noch über dem Herdfeuer gekocht, der Topf hing an einer mit Zacken versehenen Stange eines Kesselhakens der somit aussah wie ein Sägeblatt; sollte er näher ans Feuer gebracht werden, musste man den Topf um eine Zacke tiefer hängen, also einen Zahn zulegen. "Wer mehr über Redensarten und den Bezug zum Museum wissen möchte, ist bei unserer Führung "Sprichwörtliches im Museum" gut aufgehoben", erfahren wir von Daniela Brechensbauer und sind an ihrem dritten Lieblingsplatz, in einer kleinen Ausstellung, angekommen, die zeigt, wie das Leben im 19. Jahrhundert war, und zwar von der Wiege bis zur Bahre.

Wer mehr über Redensarten und den Bezug zum Museum wissen möchte, ist bei unserer Führung "Sprichwörtliches im Museum" gut aufgehoben.

Daniela Brechensbauer

Damals, so sehen wir hier, waren Brautkleider noch schwarz statt weiß. "So konnten sie bei anderen Festlichkeiten weiter getragen werden", erklärt Daniela Brechensbauer. Wir sind jetzt schon eine Weile im Haus unterwegs, Langeweile kommt nicht auf, aber bringen die Menschen wirklich so viel Zeit mit, um sich alles anzusehen? "Wenn wir als Museumspädagogen Angebote machen, die für bestimmte Zielgruppen geeignet sein sollen, müssen wir deren Bedürfnisse kennen. Deshalb bin ich unlängst einmal mitgelaufen, als eine Seniorengruppe aus Eving im Haus war. Sie haben mir klar gemacht: Das Programm muss schon ein bisschen dauern, für eine ¾ Stunde kommen wir nicht aus Eving angereist", so Brechensbauer.

Der kleine Wilhelm Busch

Sie selbst findet, es ist ein ungemeiner Luxus, in diesem wunderbaren Museum mit all seinen Exponaten zu arbeiten. Und doch bleibt ihr zu wenig Zeit, durch die Sammlung zu gehen. "Meist bin ich doch im Büro oder unterwegs zu Kooperationspartnern, aber wann immer ich kann, bin ich hier unterwegs und erarbeite mir Stück für Stück das MKK", sagt sie und führt uns für diesen Tag zum letzten besonderen Platz: An einer Säule zeigt sie fast mit Besitzerstolz ein recht kleines Bild.

Daniela Brechensbauer mit dem Gemälde Wilhelm Buschs

Der berühmte Wilhelm Busch hat nicht nur Geschichten geschrieben sondern sie auch selbst bebildert.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Anja Cord

Etwas Besonderes ist daran so nicht zu erkennen. "Mensch das ist doch von Wilhelm Busch! Der hat nicht nur Max und Moritz geschrieben, sondern auch Bilder gemalt – und das kann man eben in unserem Museum erfahren," sagt die Museumspädagogin, der man den Spaß an der Arbeit ansieht. "Mir wird warm ums Herz, wenn ich mit älteren Menschen hier unterwegs bin und höre, was die alles wissen, wie sie sich auf den Besuch hier vorbereitet haben. Oder wenn Kinder sagen: Ich komme mit meinen Eltern wieder. Und das tun sie dann auch und zeigen ihren Eltern mit leuchtenden Augen, was sie vorher hier im Haus kennengelernt haben. Das riesige Bild vom Wildbrethändler oder das Bild von Albert Baum, mit dem hier alles begann."