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Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Stefanie Kleemann

KITZ.do

Was die Welt im Innersten zusammenhält

18.01.2012, von Anja Kador

Schon Dr. Faustus sinnierte darüber, „Daß ich erkenne, was die Welt/Im Innersten zusammenhält“. Ob sich der Mensch am ollen Goethe orientiert oder einfach die Sendung mit der Maus anruft: Herauszufinden, was es mit dem inneren Wesen der Natur und seinen Gesetzmäßigkeiten auf sich hat, scheint ein urmenschliches Bedürfnis wie Essen und Trinken zu sein.

In Dortmund gibt es neben Literatur und Fernsehen noch eine weitere, weitaus effizientere Möglichkeit, dem Kern der Elemente mittels Wissenschaft und Technik nachzuspüren. Das Kinder- und Jugendtechnologiezentrum Dortmund am Rheinlanddamm, kurz KITZ.do genannt. 24 Mädchen und Jungen der Klasse 2a der Erich-Kästner-Grundschule in Dortmund-Brackel haben mit ihrer Klassenlehrerin Anke Homberg die Forschungsreise in die faszinierende Welt des Magnetismus gewagt und dabei erstaunliche Erkenntnisse gewonnen.

Ganz gespannt sind die Sieben- und Achtjährigen als sie im KITZ.do ankommen und in einen Seminarraum geführt werden. Anke Homberg kann die Vorfreude gut nachvollziehen. Es ist nicht das erste Mal, dass sie mit einer Klasse hierher kommt. Die engagierte Lehrerin, die mit ihren Schülerinnen und Schülern immer wieder Ausflüge - etwa in den Zoo oder ins Theater - macht, weiß aus Erfahrung: "Die Kinder sind einfach intensiver bei der Sache. Was sie mit den Händen angefasst und den eigenen Augen gesehen haben, bleibt viel besser im Kopf, als das, was sie in der Theorie lernen."

Schüler mit Lehrerin

Klassenlehrerin Homberg weiß: Was Kinder durch eigene Erfahrung lernen, bleibt besser im Kopf.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Anja Kador

Magnetit in der Antike entdeckt

Und jetzt wollen sie auch nicht länger warten. KITZ.do-Betreuerin Silke Bölling erklärt noch flott, wie der antike griechische Hirte Magnus bei einem Spaziergang zufällig mit der eisernen Spitze seines Hirtenstabs an dem Stein hängen blieb, der die Technik revolutioniert hat und heute als „Magnetit“ bekannt ist. Auf die Frage, was man damit anfangen könne, weiß Olivier: "Wir nehmen an der Tafel immer Magnete und kleben damit die Blätter fest." Richtig! Diese und andere Wahrheiten können die Kinder im nun folgenden Praxisteil selber erforschen.

Ausgestattet mit blauen Kitteln und ihrem ganz persönlichen Forscherbuch, in dem die Versuche beschrieben sind und die kleinen Wissenschaftler ihre Beobachtungen festhalten, begeben sich die wissbegierigen Mädchen und Jungen in das Labor, wo es die nächsten drei Stunden heißt: ausprobieren, anfassen, experimentieren. An sechs verschiedenen Tischen können die Kinder die unterschiedlichsten Versuche zum Thema Magnetismus anstellen. Angeleitet durch KITZ.do-Assistenten begeben sie sich auf die Reise durch die verschiedensten Fragestellungen.

Jetzt kann ergründet werden, welche Materialien von Magneten angezogen werden, wie unterschiedlich stark Anziehungskraft sein kann, wie die magnetische Nadel als Kompass funktioniert oder wieso der Elektromagnet den Vorteil hat, dass man ihn ausschalten kann. Ganz besonders hoch im Kurs steht bei Daria die Schmuckkreation, denn sie findet: "Das Coolste ist, dass man mit Magneten und Büroklammern eine Kette machen kann." Wie nebenbei lernt sie, dass der Magnet seine Kraft von Klammer zu Klammer weitergibt und so das begehrte Schmuckstück entsteht. Auch Joyce hat ihr Lieblingsexperiment schnell gefunden - die schwebende Büroklammer - und das findet sie definitiv besser als Unterricht: "Da kann man soviel selber rausfinden."

Mädchen mit schwebender Büroklammer

Joyce Lieblingsexperiment ist die "schwebende Büroklammer".
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Stefanie Kleemann

Klassenziel erreicht

Und somit wäre das vom KITZ.do gestellte Klassenziel wohl schon erreicht: Die Experimentiereinheit Magnetismus ist eines von zahlreichen, selbst konzipierten Modulen, mit denen KITZ.do-Chefin und Geologin Dr. Ulrike Martin und weitere 21 Mitarbeiter, Kindern und Jugendlichen grundlegendes Wissen nahebringen will: „Wir arbeiten fächerübergreifend. Und immer sind es Themen aus dem Alltag der Kinder, mit denen sie etwas anfangen können. Dann sehen sie auch den Sinn in diesen Experimenten.“

So bietet das KITZ.do außer Magnetismus- auch weitere Technik-, Informatik- oder Robotikkurse an. Jugendliche können erste Schritte zum Elektroniker machen und lernen Computer auseinander- und wieder zusammenzubauen. Außerdem gibt es den großen Bereich von Chemie- und Umweltthemen, bei denen Mädchen ihre eigene Kosmetik und Kids ihr Schulfrühstück analysieren können. Bei einer Boden- und Wasserprobenanalyse erfahren die jungen Menschen, was es mit regenerativen Energien auf sich hat und welche Zusammenhänge zwischen Boden und Klima bestehen.

Kind mit Magneten und Büroklammerkette

Magnetische Büroklammerketten standen bei allen Mädchen hoch im Kurs: auch bei Linda.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Stefanie Kleemann

Mit gleichen Polen Bewegung erzeugen

Lehrerin Anke Homberg schaut sich unterdessen die Aktivitäten ihrer Schützlinge an und ist ganz entspannt. Vorbereiten musste sie nicht viel, denn die Experimentiermodule sind alle so konzipiert, dass die Kinder auch ohne vorherige Einweisung ein Maximum an Erkenntnissen gewinnen. Alle Kinder können hier nach ihrem eigenen Tempo arbeiten, das Interesse soll geweckt und Lösungen nicht vorgegeben werden. Wie bei Tristan, dem das magnetische Auto gefällt und er dabei lernt, dass gleiche Pole sich abstoßen und dadurch Bewegung erzeugt werden kann: „Da geht man mit dem Nordpol vom Magneten an den Nordpol vom Auto - und das fährt.“ Oder Leo, der etwas verwirrt auf die Anziehungskraft seiner Klassenkameradin reagiert, weil sein Kompass nicht so will wie er: "Och, Aida, mein Magnet zeigt immer zu Dir, der muss aber nach Norden zeigen!"

Kinder und Kompass

Leos (rechts) Kompass will nicht immer so wie er, weil Aidas (links) Anziehungskraft einfach zu groß ist.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Stefanie Kleemann

Im KITZ.do auch Geburtstag feiern

Wichtig ist den KITZ.do-Machern vor allem eines: Schon früh möchten sie die jungen Menschen mit praktischen Arbeiten und Experimenten an die Themen Naturwissenschaften und Technik heranführen. Ein Ziel ist dabei, dem Fachkräftemangel in diesen Bereichen entgegenzuwirken. Die Hoffnung ist, dass so mehr Kinder später Naturwissenschaften als Schwerpunktfächer wählen und Studiengänge in diesen Bereichen einschlagen. Der Erfolg gibt der Überlegung Recht: Hatte das KITZ.do in seinem Gründungsjahr 2008 rund 500 Besucher, so nahmen im Jahr 2011 über 7.000 die Angebote des Jugendtechnologiezentrums wahr. Und Kinder, die schon einmal im KITZ.do waren kommen gerne wieder. Sei es um ihren Geburtstag dort zu feiern oder sich die Ferien mit Forschen zu versüßen.

Kind beim Spiel mit einem durch Magnet betriebenen Auto

Auch wenn Darias Königsdisziplin die Schmuckkreation war, konnte sie sich auch fürs KFZ-Werkeln begeistern.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Stefanie Kleemann

Mit dem Elektromagneten Schrottautos hochhieven

Die Zeit im Labor vergeht wie im Fluge. Nach der praktischen Arbeit werden die Kinder noch einmal in den Seminarraum gebeten, um gemeinsam mit Kursleiterin Bölling das Erforschte zu besprechen. Während dem einen Kind noch ein wenig „die wissenschaftliche Begründung“ für das vollkommene Verständnis des eben Erlebten fehlt, lassen sich andere von den unendlichen Möglichkeiten faszinieren, die das wirkliche Leben in Sachen Magnetismus zu bieten hat. Bei der Vorstellung, dass ein riesiger Elektromagnet auf dem Schrottplatz alte Autos in die Schrottpresse hieven kann, lässt sich die Faszination in den Augen manch eines Kindes nicht verbergen.

Auch Anke Homberg ist mit dem Tag zufrieden. Sie wird mit ihrer Klasse den Ausflug und dessen Inhalte noch einmal Revue passieren lassen. Dabei vertiefen dann alle gemeinsam bestimmte Aspekte zum Magnetismus. Die nächste Tour ins Technologiezentrum ist auch schon gebucht und findet im kommenden Jahr zum Thema „Strom“ statt. Dann heißt es bestimmt wieder: „Ich vant tol“ - sowie der Eintrag in eines der Forscherbücher in diesem Jahr.

Bilderstrecke: Kitz.do

Großer Raum mit Tischgruppen, an denen Kinder in blauer Kleidung sitzen 15 Bilder
Großzügige Labors bieten den Kindern alles, was zum Forschen notwendig ist
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Stefanie Kleemann