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Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Stefanie Kleemann

Wiedereröffnung

Heimische Unterwasserwelten

17.12.2012, von Gaye Suse Kromer

Beeindruckend! Das ist das erste Gefühl, wenn man den Raum mit dem neuen Aquarium im Museum für Naturkunde betritt. Seit Mitte 2010 der Umbau begann bis zur Wiedereröffnung im Dezember 2012 ist nicht nur Zeit vergangen, sondern vor allem eine Menge Arbeit von den Museumsmitarbeitern geleistet worden.

Das neue Aquarium

Das Zentralaquarium
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Gaye Suse Kromer

Gut 660 Besucherinnen und Besucher wollten am 16. Dezember zur feierlichen Wiedereröffnung „ihr“ neues Aquarium sehen. Dabei gibt es nicht nur das eine rund 100 Tonnen schwere, 3 Meter hohe, im Umfang 21 Meter messende Aquarium zu bestaunen – drei gebogene Acrylscheiben wurden dafür haargenau zu einem Zylinder zusammengesetzt. Drei kleinere Wasserbecken sind geschickt in die Wände der Örtlichkeit eingelassen und genauso wie das gigantische Zentrum bestückt mit heimischer Fauna.

Hinter dem mit Sitzecken ausstaffierten, in sanftem anthrazit gestrichenen, heimelig wirkenden Raum steckt ein ausgeklügeltes Konzept. „Wir wollen in unserem Museum ökologische Zusammenhänge aus der Region zeigen, heißt, der Gang an den Aquarien entlang simuliert den Gang entlang der Ruhr vom Ursprung zur Mündung“, erklärt Dr. Oliver Adrian, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Museums.

Dr. Dr. Elke Möllmann und Dr. Oliver Adrian

Museumsleiterin Dr. Dr. Elke Möllmann und wissenschaftlicher Mitarbeiter Dr. Oliver Adrian freuen sich über den neuen Aquariumsbereich
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Gaye Suse Kromer

Ruhr-Reise mit Fischen

Während die drei kleinen Becken Ober-, Mittel- und Unterlauf darstellen, steht das Zentralaquarium für die Stillgewässer im Bereich der Ruhr, konkret: für den Möhnesee. In den vier Becken tummeln sich insgesamt 13 Arten bzw. 300 Einzeltiere, darunter Seeforellen, Rotaugen und Flussbarsche. Auch Edel- bzw. Europäische Flusskrebse können Aqua-Begeisterte sehen. Nächstes Jahr sollen Brassen, Maränen und Saiblinge dazukommen.

Die heimlichen Stars bei den Museumsmitarbeitern sind die Aale. Die werden eigentlich erst nachts aktiv. Bis dahin verstecken sie sich gut getarnt hinter der Wasserlandschaft: „Es laufen Wetten unter den Kolleginnen und Kollegen, wer wohl als erstes einen Aal entdeckt“, schmunzelt der Wissenschaftler. „Dafür treibt es die Barsche an die Scheiben – sie reagieren auf Besucher. Genauso zeigen sich die Forellen aktiv, die außerdem schön und groß sind. Insgesamt sehen die Besucher einen guten Querschnitt der heimischen Fischfauna bei uns.“

Bis auf eine Ausnahme: Das Museum zeigt keine Raubfische – oder nur solche, die anderen nicht gefährlich werden können, weil sich die Pflanzenfresser durch ihre Größe nicht als Beutetiere eigenen. „Das hat mehrere Gründe: Unser Becken ist begrenzt, wir können den Bestand nicht dauernd ersetzen und außerdem“, hier lächelt der Biologe, „wäre es den anderen Fischen gegenüber nicht besonders nett – so ganz ohne wirkliche Fluchtmöglichkeit.“

An allen vier Wänden entlang ziehen sich Informationstafeln, ergänzt mit Fotos von der Ruhr. In der Arbeit steckt echtes Herzblut: „Heike Fischer, unsere biologische Präparatorin, und ich sind die Ruhr abgefahren, haben fotografiert und den Bilderfries zusammengestellt.“

Präparierte Fischexponate

Präparierte Fischexponate
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Gaye Suse Kromer

Ideale Bedingungen

Dass sich hier anstatt der Tropenfische vorher jetzt ansässige Arten tummeln, hat einen Grund: „Das Museum ist ein regionales Archiv. Damit schärfen wir unser Profil. Kinder wissen oft mehr über exotische Tiere, als über die in ihrer Umgebung“, so Adrian. Die Tropenfische fanden eine Heimat im Duisburger und im Dortmunder Zoo.

„Unsere Neuen kamen vor allem vom Ruhrverband, der uns sehr großzügig unterstützte. Teilweise stammen die Fische aus Züchtungen, teilweise aus Wildfängen.“ Auch der Fischereidezernent der Bezirksregierung Arnsberg, Dr. Bernd Stemmer, lieferte dem Museum Fische und am Tag der Wiedereröffnung sogar noch einen Vortrag. Die Krebse hingegen stammen aus dem Edelkrebsprojekt NRW.

Bevor es ins große Becken ging, mussten die Neuzugänge erst in Quarantäne, wurden entwurmt und gegen Parasiten behandelt. Der Biologe: „Die Fische sollten alle so schnell wie möglich ins neue Aquarium. Die ersten konnten in diesem September ins Aquarium. Dort finden sie ideale Bedingungen. Je nach Art dauert das Umsetzen von der Quarantäne ins Becken zwischen ein paar Tagen und einigen Wochen.“

An einer Wand sehen die Besucherinnen und Besucher präparierte Fische. Vielleicht ein bisschen makaber, denn die Präparate hängen gegenüber dem Zentralaquarium. So schwimmt mancher Fisch seiner Zukunft entgegen. Aber so ist nun mal der ewige Kreislauf vom Werden und Vergehen – auch in der Ruhr.

Eines der drei kleinen Wasserbecken

Eines der drei kleinen Wasserbecken
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Gaye Suse Kromer

Hochmodern und energieeffizient

Die Scheiben des alten Aquariums mussten per langer Stange und Putzvlies mühsam von oben gereinigt werden. Manchmal putzten auch Taucher. Das achteckige Becken mit flachen Glasscheiben machte es nötig, die Wärme des Wassers mit 27 Grad möglich. Inzwischen ist einiges anders – von achteckig auf zylindrisch, von 27 Grad auf 12 bis maximal 20 Grad: „In 12 Grad steigt man auch als gut ausgerüsteter Taucher nicht ‚mal eben so’“, lächelt Dr. Adrian.

„Das neue Becken reinigt unser Tierpfleger Rüdiger Lippe nun mit einem Putzroboter. Der Roboter saugt sich mit einer Platte am Glas fest. Mit der Fernbedienung zieht der Kollege die Platte über die runde Scheibe. Das sieht schon sensationell aus.“ Adrian ist sich sicher, dass der Roboter nebst Fernbedienung mit Joystick seine – kleinen – Fans finden wird.

Überhaupt, Sauberkeit: Zur Reinigung werden 80.000 Liter Wasser pro Stunde durch die Pumpen gewälzt. Biologisch-mechanische Vorgänge reinigen das Wasser – keine Chemikalie berührt das klare Nass. Kaum zu glauben, aber wahr: Der Technikbereich nimmt fast doppelt so viel Platz ein wie der Beckenbereich.

Sitzmöglichkeiten und Bilderfries im neuen Aquarium

Sitzmöglichkeiten und Bilderfries gestalten den Aufenthalt angenehm und informativ
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Gaye Suse Kromer

Verschiedene Filter, Entkeimungsanlage, Wasserenthärter, Wärmetauscher – hochmoderne Technik fein aufeinander abgestimmt. Und das Beste daran: Das Museum spart zwei Drittel Energie durch Technik und neuen Acrylscheiben. Sie leiten im Gegensatz zu dem früheren fünffach verglasten Mineralglas kaum Temperatur.

„Zielgruppe sind insbesondere die jungen Menschen. Wir möchten mit den Aquarien, aber eben auch mit unserem gesamten Museum, so früh wie möglich Interesse bei Kindern und Jugendlichen wecken. Wir freuen uns genauso über interessierte Erwachsene und reifere Gäste“, schließt Dr. Oliver Adrian die Reise an der Ruhr. Mitten in Dortmund.