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Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Stefanie Kleemann

Russische Weihnacht

Kinder warten auf Väterchen Frost

08.01.2013, Anja Kador

Aufgeregte Emsigkeit, russisch-deutsches Stimmengewirr und ungeduldige Knirpse, die alle nur auf eines warten: Die Ankunft von "Väterchen Frost" und seiner Enkelin, dem "Schneemädchen".

Zwei Mädchen in weißen Kostümen lachen sich an

Fröhliche "Schneeflocken" wirbelten zu russischer Musik durch das Familienzentrum.
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Am 7. Januar war es wieder soweit: die Mitglieder der russisch-orthodoxen Kirche feierten an diesem Tag ihr Weihnachtsfest - ein fester Termin im Kalender des Familienzentrums "Eine Welt" in Dortmund-Scharnhorst.

Die Kita - eine Tageseinrichtung für Kinder im städtischen Eigenbetrieb FABIDO - betreut insgesamt 90 Kinder, von denen gut 80 Prozent einen russischen Migrationhintergrund haben.

Kita "Eine Welt" feiert Feste verschiedener Kulturen

Markenzeichen der Institution ist, dass sie die Feiertage verschiedener Kulturen selbstverständlich in ihren Jahresablauf integriert hat. Hier wird die Adventszeit genauso begangen, wie das islamische Zuckerfest oder eben die Ankunft von "Väterchen Frost", dem russischen Weihnachtsmann. "Das", so versichert Heike Schulte, Leiterin der Einrichtung, "machen wir seit einigen Jahren so - und es hat sich herumgesprochen bei den Eltern."

Snegurotschka (links) und ein kleines Mädchen

Das Warten auf "Snegurotschka" hat endlich ein Ende...
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So ist an diesem Montagnachmittag die kleine Aula im Familienzentrum zum Bersten voll. Viele russische Mütter und ihre Kinder, fein herausgeputzt für den besonderen Anlass: mit bunten Kleidchen für die Mädchen und edlen Westen für die Jungen. Einige der Anwesenden sind gekommen, obwohl ihre Kinder nicht in dieser Kita betreut werden, sie hier aber der Tradition nachgehen können. Auch alle anderen feiern selbstverständlich mit: die kleine Josi mit ghanaischen Wurzeln, Artemisia, deren Muttersprache Italienisch ist, oder Chantal und Johannes.

Und sie wissen, wie man "Väterchen Frost" und seine Enkelin anlockt: Indem sie den russischen Namen der beiden laut rufen, um sie aus dem tiefen, verschneiten Wald herbei zu holen: "Ded Moros" und "Snegurotschka - aaah, uhhhh", brüllen die Kinder so laut sie können. Eine leichte Übung für alle mit Blick auf die Geschenke, die die beiden Gestalten in ihrem großen Sack haben.

Tränen und Gelächter

Dann lassen sie sich endlich blicken. "Ded Moros" mit weißem Rauschebart ist in einen roten Mantel gehüllt. Seine "Snegurotschka" erscheint als Engel mit blondem Haar und himmelblauem Kleid. Doch gibt es nicht nur freudiges Gelächter unter den Kleinen. Es fließt auch manche Kinderträne aus Ehrfurcht und Respekt vor so viel weihnachtlicher Autorität.

Die Hosenmätze wissen: Jetzt wird es wirklich ernst. Auch wenn "Ded Moros" seine Fangemeinde scheinbar freundlich auf Russisch begrüßt - für alle, die die Sprache nicht verstehen, gibt es simultan die deutsche Übersetzung - wissen doch alle: ohne Fleiß, kein Preis. Soll heißen: wer eines von den begehrten Tütchen mit Süßigkeiten haben möchte, muss etwas dafür tun. Entweder ein Liedchen singen, ein Gedicht aufsagen oder ein Tänzchen aufs Parkett legen. Jedes Kind gibt an diesem Nachmittag sein Bestes: Das Repertoire reicht von russischen Gedichten bis zu akrobatischen Tanzeinlagen und Liedern wie "Oh Tannenbaum" und "Alle meine Entchen".

"Ded Moros" und "Snegurotschka" ist die Perfektion der Darbietungen einerlei, Hauptsache alle geben sich ein bisschen Mühe. Am Ende verlässt jedes Kind glücklich und erschöpft mit einem Zuckertütchen in der Hand den Raum - bis zum nächsten Jahr, wenn es wieder heißt: "Ded Moros, Snegurotschka - ahhhh, uhhhh."

Bilderstrecke: Russische Weihnacht im Familienzentrum „Eine Welt“

Mensch in Weihnachtsmannverkleidung 11 Bilder
Und endlich zaubert Väterchen Frost die Beleuchtung des Weihnachtsbaumes an
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