Dortmund überrascht. Dich.
Phoenixsee

Aus unserer Stadt

Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Stefanie Kleemann

Literatur

Bäumchen rüttel’ dich und schüttel’ dich

18.07.2013, Gaye Suse Kromer

Es war einmal... So fangen Märchen an. Also: Es war einmal ein Brüderpaar, das auszog, mündlich überlieferte Sagen zusammenzutragen und niederzuschreiben. Die Brüder hörten auf die Namen Jacob und Wilhelm Grimm. Sie waren Sprachwissenschaftler und Pioniere der Germanistik. Im Gegensatz zu den Märchen ist diese Geschichte wahr. Ihre Sammlung liegt inzwischen in 160 Sprachen vor und gilt als eine der bekanntesten literarischen Kulturgüter Deutschlands.

Im Jahr 1812 veröffentlichten sie ihren ersten Band "Kinder- und Hausmärchen."

Gut 200 Jahre später lädt das Kinder- und Jugendliteraturzentrum NRW "jugendstil" zu der insgesamt zwölf Monate dauernden Ausstellung „Pension Grimm“ alle Kinder zwischen 5 und 10 Jahren ein, die Märchen der Brüder kennenzulernen, mit ihnen im wahrsten Sinne zu spielen.

Leiterin des Kinder- und Jugendliteraturzentrums: Andrea Weitkamp

Leiterin des Kinder- und Jugendliteraturzentrums: Andrea Weitkamp
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Stefanie Kleemann

"Unsere interaktive Ausstellung ist verpackt in einen Pensionscharakter. Dahinter steckt die Idee, dass die Märchenhelden mit ihren verschiedenen Koffern anreisen, genauso wie unsere kleinen Besucher", erklärt Andrea Weitkamp, jugendstil-Leiterin und Organisatorin der Ausstellung. Das Zentrum sorgt mit 500 unterschiedlichsten Veranstaltungen pro Jahr dafür, dass junge Menschen den Spaß an der Literatur entdecken können – wie etwa mit dieser Ausstellung.

Insgesamt sieben der über zweihundert Grimmschen Märchen erleben die Kinder in der Ausstellung zum Hingucken, Zuhören und Mitmachen, darunter "Rumpelstilzchen", "Rotkäppchen", "Aschenputtel".

Die romantische Aschenputtel-Geschichte etwa gefällt besonders Mädchen.

Auch eher unbekannte wie die „Sieben Raben“ oder "Prinzessin Mausehaut" werden gezeigt. Die Märchen zeichnen ihre unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade aus. Sowohl die ganz jungen, als auch die älteren Kinder sollen sich angesprochen fühlen. Und dann gibt es noch „typische“ Mädchen- und Jungen-Märchen. „Das hängt mit den Protagonisten zusammen“, so Andrea Weitkamp. Die romantische Aschenputtel-Geschichte etwa gefällt besonders Mädchen. "In der Ausstellung haben wir ein Hochzeitskleid, dass die Mädchen ganz hinreißend finden und worunter sie schlüpfen können. Darunter schlüpfen allerdings auch die Jungs", lächelt die Ausstellungsmacherin: "Wir haben es in der Ausstellung so aufgehängt, dass alle darunter kriechen können und den Wünschen für Aschenputtel lauschen können."

Zauberhafte Räume

Die Ausstellung, die sich über drei Räume erstreckt, ist zauberhaft. Das ist für so ein Thema ja nur angemessen.
Das Schulte-Witten-Haus mitten in Dorstfeld betört schon mit seinen Räumen in Jugendstilbauweise. Organisch schmiegt sich im Erdgeschoss die Schau darin ein. Liebevoll gestaltete Ausstellungsstücke reihen sich an multimediale Überraschungen. Die Exponate haben ganz unterschiedliche Ursprünge, z. B. stellte das Dortmunder Kinder- und Jugendtheater Garderobe zur Verfügung, mit der sich die Kinder verkleiden können, aus der Staatsoper Berlin stammen die Kulissen, hinter denen nun die Stimmen der Märchenhelden zu hören sind.

Nach der Ausstellung aufs kuschelige Sofa mit einem Packen Bücher zum selber lesen

Nach der Ausstellung aufs kuschelige Sofa mit einem Packen Bücher zum selber lesen
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Stefanie Kleemann

Das meiste in der Ausstellung allerdings entstand durch Eigenleistung. Ein großes rotes Sofa empfängt die jungen Besucher: selbstgemacht – und ungemein komfortabel. Hier können sie sich vor oder nach einem Rundgang fläzen und in den Märchenbüchern stöbern. Im Empfangsbereich stehen außerdem zwei weiße Schränke mit vielen Schubladen. Hinter jeder verbergen sich kleine Aufgaben oder Geschichten. Andrea Weitkamp und freie Mitarbeiter haben die Schränke selbst geweißt und in liebevoller Kleinarbeit jede dieser Laden bestückt. Einen Raum weiter ist der Tisch für alle Märchenfiguren, die in der Pension absteigen, gedeckt. Ein Projektor imaginiert Hände, Mahlzeiten und Stimmen multimedial auf Tisch und Teller – die Bilder bzw. Aufnahmen stammen von freien Mitarbeitern des jugendstil-Teams. Aktionen wie Vorlesungen oder Theaterstücke flankieren die Ausstellung. Ein wahres Fest für die Sinne!

Was "Pension Grimm" so überaus angenehm macht: Sie ist bis ins Kleinste durchdacht, mit Witz und Verve gestaltet. Da wäre etwa der alte gusseiserne Herd, vor dem auf dem Boden Linsen und Steinchen vermischt sind. Sie warten darauf, innerhalb einer Minute von den Kindern sortiert zu werden: "die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen."

"Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen..." und das in einer Minute!

"Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen..." und das in einer Minute!
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Stefanie Kleemann

Schöne Ausstellung hin oder her: 200 Jahre alte Geschichten – das hat doch so einen Bart wie Rapunzels Haare lang sind. Außerdem konkurrieren die Märchen – allzumal die "analogen" aus Büchern – im Reigen der kindlich-medialen Freizeitmöglichkeiten mit starken Gegnern: Phantasy-Games auf Spielekonsolen, Social-Networks im Internet, Zeichentrickserien im Fernsehen und und und. Märchen als Themenschwerpunkt zu wählen erscheint als Risiko.

Andrea Weitkamp bestätigt: "Wir haben vor unserer Ausstellung Workshops für Kindern angeboten, weil wir wissen wollten, ob Märchen überhaupt aktuell sind. Es stellte sich heraus, dass 99 Prozent der Kinder in diesen Workshops Märchen spannend finden. Die ganz bekannten stießen bei den Älteren erst auf mäßige Zustimmung, aber als wir sie ins Handeln brachten, waren auch sie wieder interessiert." Die Begeisterung der kleinen Besucher seit Ausstellungsbeginn im März dieses Jahres gibt den Organisatoren recht.

Rotkäppchens Hobby

Warum die traditionellen Geschichten in Büchern im bunten Gedränge von Bewegung, Farben, Abenteuer, Tempo anderer medialer Angebote ihren Platz am Horizont kindlicher Orientierung finden, erklärt die Leiterin: "Märchen geben eine sehr klare Orientierung zu einem Zeitpunkt, in der große Klarheit angesagt ist. Im Grundschulalter gibt es die Dualität von Gut und Böse. Um genau diese Polarisierungen geht es. Die Feindifferenzierung muss auch kommen, aber eben erst später. Erstmal muss ich wissen, wo ich mich positioniere – das gibt Sicherheit."

Ganz wesentlich ist dabei die Struktur der Märchen: Sie sind holzschnittartig gestrickt. Die handelnden Figuren besitzen keine Vergangenheit. Die Motive sind so punktuell gesetzt, dass Kinder aus ihrem eigenen Erfahrungsschatz schöpfen können und sollen. "Man weiß nicht, wie alt Rotkäppchen ist. Gibt es neben der Mutter auch einen Vater? Es bleibt schleierhaft, ob sie etwas besonders gerne tut oder ob sie Hobbys hat. Im Märchen werden nur grobe Punkte gesetzt. Dazwischen gibt es viel Platz für viel Phantasie", erläutert Andrea Weitkamp. Wie diese Phantasien aussehen, wie fein ziseliert sie sich im eigenen Kopf darstellen, ist dem Subjektiven, den eigenen Gefühle und Befindlichkeiten geschuldet, mit dem jeder Mensch Märchen aufnimmt. "Das Märchen hat in seiner Struktur so viel Platz, dass immer wieder neue Bilder entstehen und das macht die Märchen zu einem Kunstwerk: Sie laden uns ein, in die Geschichte zu gehen, die wir dann selbst ausfüllen."

Multimediashow am Essentisch mit den Stimmen, den Mahlzeiten und den Händen der Märchenfiguren

Multimediashow am Essentisch mit den Stimmen, den Mahlzeiten und den Händen der Märchenfiguren
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Stefanie Kleemann

Mit den Objekten der Ausstellung verhält es sich genauso. "Sie entsprechen dem Holzschnittartigen. Die Kinder erschließen für sich einen bedeutsamen Raum, den das Märchen nicht näher beschreibt." Etwa, wenn sie sich ausmalen, was Rotkäppchen über die Kappe hinaus an Kleidung trägt, wie wild Rumpelstilzchen um das Feuer tanzt, welche Form der goldene Schuh von Aschenputtel hat. "Die Kinder stellen sich Bilder und Farben vor, die nirgendwo im Text benannt werden." Um den Strukturen der Geschichten zu entsprechen, ist die Ausstellung in den typischen Märchenfarben gehalten: weiß, gold, rot, schwarz. Mehr nicht. "Die Schau soll sich zurücknehmen, soll Platz machen für das, was die Kinder an Bildern im Sinn haben."

Vom Umgang mit dem bösen Wolf

Eine der wohl berühmtesten Figuren, die in Märchen das Böse in Reinform symbolisiert, darf in der Pension Grimm natürlich nicht fehlen: der Wolf.
Entsprechend der Ausstellungsmaxime, Raum für eigene Gedanken zu schaffen, ist der Wolf eine schlichte, liegende Pappmaché-Figur, ganz in weiß angestrichen. Auf Details wie Augen, Fellstruktur, Fangzähne haben die Ausstellungsmacher bewusst verzichtet. In den Einschnitt im Bauchbereich können die Kinder hineingreifen. Sie lösen so haptisch die Frage, welchen Gegenstand der Wolf wahrscheinlich nicht gefressen hat. Um es vorweg zu nehmen: Es ist der Abflussreiniger.

Aufgabe hier: Hineingreifen in den Bauch und herausfinden, was der Wolf vermutlich nicht gefressen hat

Aufgabe hier: Hineingreifen in den Bauch und herausfinden, was der Wolf vermutlich nicht gefressen hat
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Stefanie Kleemann

"Um den Wesenszügen des Märchens auf der Spur zu bleiben, darf der Wolf nicht verwechselbar sein mit einem echten. Wir wollten eine Form finden, die weder ein schockartiges Erschrecken, noch Mitleid auslöst. Wir mussten also abstrakt arbeiten. So wie wir den Wolf jetzt zeigen, ist es weder für die Kinder noch für die Erwachsenen ein Problem." Die Herausforderung war tatsächlich die nachfolgende Diskussion mit begleitenden Erwachsenen. Immer wieder wird die Debatte um die vermeintliche Brutalität der Märchen aus der Mottenkiste geholt. "Ich halte diese Debatten für übertrieben. Gefahr – dafür steht der Wolf – ist eine Realität. Auch Angst zu haben ist eine Realität und vor allem überlebensnotwenig. Es ist besser, ich weiß um Ängste und Umgangsmöglichkeiten mit ihnen. Mit Märchen können Kinder den Umgang mit ihren Ängsten einüben."

Die Leiterin überrascht mit ihrer These: "Wir müssen auf den Selbstregulierungsmechanismus von Kindern vertrauen. Die lassen nur das an sich ran, was sie verarbeiten können – außer sie werden einer Situation ausgesetzt. Bleiben wir beim Wolf: Im Märchen wird er nicht zähnefletschend oder als blutbesudelt geschildert, sondern faktisch beschrieben. Der Wolf verschlingt die Großmutter. Das ist kein großes Drama. Das große Drama kann in meinem Kopf entstehen, muss es aber nicht. Jeder lässt die Bilder in der Phantasie entstehen, zu denen er bereit ist. Das ist das große Geheimnis der Märchen." Vom Niemand zum Helden, vom Angsthasen zum Tausendsassa.

Das Kleid von Aschenputtel zum Drunterschlüpfen

Das Kleid von Aschenputtel zum Drunterschlüpfen
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Stefanie Kleemann

Andrea Weitkamp ist ein weiterer Aspekt wichtig: "Märchen strahlen eine hohe Zuversicht aus. Fast alle haben ein gutes Ende. Es gibt auch die dunklen Märchen. Sie hinterlassen Bedrückung. Die sind tatsächlich nicht für Kinder gemacht." Und kommen nicht in der Pension Grimm vor. Dennoch kann es sein, dass die Kinder Fragen oder Besorgnisse mitnehmen. "In diesem Fall ist der Schritt danach viel wichtiger", erklärt die Ausstellungsmacherin: "Es muss jemand da sein, mit dem sich das Kind austauscht oder sich über ein in den Arm nehmen versichert, alles ist gut." Über den Grund, warum Diskussionen um die Gewalttätigkeit in Märchen nicht tot zukriegen sind, mutmaßt Andrea Weitkamp: "Mir scheint, die Gefühlspalette der Kinder soll vorweg schmaler gestaltet werden, damit die Anforderungen an die Erwachsenen nicht so hoch sind. Eltern, Oma, Opa, Freunde, Erzieher, wer auch immer nah am Kind ist, muss Verantwortung übernehmen – vor allem bei negativen Gefühlen. Unterm Strich bedeutet der Umgang mit und die Lösung von Problemen und Herausforderungen, unangenehmen Gefühlen und unheimlichen Situationen Entwicklung. Und Märchen stehen für Entwicklung."

Sehnsucht nach dem Archaischen

Märchen sind en vogue, auch bei Erwachsenen. Die Grimmschen Geschichten finden ihren Niederschlag als scharf an den Original-Texten orientierten, in Grundzügen auf den Märchen basierenden oder uminterpretierten Fernsehserien, Büchern, Kinofilmen: "Hänsel und Gretel" jagen im gleichnamigen Hollywood-Film Hexen – Alterfreigabe ab 16 Jahren, eine 22-teilige Fernsehserie ist unter dem Namen "Grimm" entstanden – wenngleich der Inhalt die ursprünglichen Märchen kaum mehr aufnimmt –, die deutsche Erfolgsautorin Karen Duve hat mit ihrem Buch "Grrrimm" eine Hommage an die Brüder herausgebracht, Schneewittchen wird im Streifen "Snowhite and the Huntsman" zur wehrhaften Amazone und ihre böse Stiefmutter zur glamourösen Gegenspielerin. Die Liste ließe sich locker fortsetzen.

Eines der vielen selbstgebauten Exponate: das Schränkchen zu Beginn des Ausstellungsrundgangs mit vielen Geschichten in den Schubladen

Eines der vielen selbstgebauten Exponate: das Schränkchen zu Beginn des Ausstellungsrundgangs mit vielen Geschichten in den Schubladen
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Stefanie Kleemann

Die Ausstellungsleiterin wundert das gar nicht: "Märchen bedienen archaische Grundmotive. Bei zunehmender Orientierungslosigkeit in einer immer komplexeren Welt, ist der Wunsch nach einfachen Erklärungsmodellen hoch." Gar nicht so weit weg von den Strukturen der Original-Märchen, oder? Doch, es gibt Unterschiede: "Der Zuschauer oder Leser Zuhörer ist kein Gestalter mehr. Filme und Literatur bieten ausgeformte Figuren an. Trotzdem bleibt das Grundmotiv: hier die Guten, da die Bösen. Es muss gekämpft werden, es gibt ein gutes Ende. Auch und besonders die Phantasy-Geschichten bedienen sich dieser märchenhaften Elemente."

Dazu kommen die Helferfiguren der Märchen wie die Tauben in Aschenputtel etwa. Auch sie werden in den Neuinterpretationen adaptiert. "Die Botschaft lautet ‚Du bist nicht allein’. Das ist die große Sehnsucht der Menschen: Unterstützer zu haben, mit ihnen die Aufgaben zu bewältigen und erlöst zu werden. Das Grundmuster ist typisch für das Leben, deswegen bedienen sich auch Filme derartig häufig der Märchen-Elemente." Hoffung wächst, wo sie gepflegt wird.

Großer Kosmos Literatur

Andrea Weitkamp und die anderen "jugendstil"-Mitarbeiter sind im weitesten Sinne ebenfalls Helfer. Sie helfen jungen Menschen, die Lust an Literatur weit über Märchen hinaus zu entdecken. Das Zielalter reicht dabei von 6 bis 27 Jahren – damit sind auch Studierende angesprochen.

Lesen bedeutet ja, meine Welt zu erweitern.

Es geht nicht darum, die Quantität einer grauen Lesermasse auf Biegen und Brechen zu erhöhen, sondern Kindern und Jugendlichen das Angebot zu machen, sich von Geschichten fernab schulischer Funktionstexte, ohne Leistungsdruck mitnehmen zu lassen und geistige Abenteuerreisen zu unternehmen. Wie auch bei Pension Grimm steht das sinnliche Erleben von Literatur auf dem Programm. "Es geht um die Lesemotivation und dafür müssen die Kinder einmal die Chance haben, mit Lektüre in Berührung zu kommen." Auch und gerade gilt das für Kinder, die in Literaturfernen Haushalten aufwachsen. "Lesen bedeutet ja, meine Welt zu erweitern", so die Leiterin. "Ich kann in andere Rollen, Zustände, Situationen eintauchen und in mir versinken. Zentral ist: Die Begrenzungen im Kopf fallen zu lassen und in ganz andere Sphären einzutauchen."

Den Stimmen der Märchenfiguren können die Kinder zuhören, wenn sie ihr Ohr an die Kulissen halten, die die Staatsoper Berlin zur Verfügung stellte

Den Stimmen der Märchenfiguren können die Kinder zuhören, wenn sie ihr Ohr an die Kulissen halten, die die Staatsoper Berlin zur Verfügung stellte
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Stefanie Kleemann

Do it – Do it yourself

Für Jugendliche bietet "jugendstil" unter anderem Büchershows an. Bibliotheken in NRW buchen das Programm. In einer anderthalbstündigen Show gibt es ein Quiz zu verschiedenen Themenblöcken. Basis ist die Shell-Jugendstudie zu Themen wie Liebe, Sexualität, Migranten, Wohnen. Zu den einzelnen Themen präsentieren die "jugendstil"-Referenten spezielle Literaturtipps in szenischen Lesungen. "Das finden die Jugendlichen super, weil sie nicht eins zu eins gefordert sind, sich aber trotzdem wunderbare Diskussionen miteinander ergeben", lacht Andrea Weitkamp.

Selber schreiben steht bei Jugendlichen ganz hoch im Kurs: Ein großer Bereich sind die Poetry Slams. Hier sind die Jugendlichen beim Schreiben, Vortragen, Auftreten und bei der Veranstaltungsorganisation gefragt. "Wir führen Workshops mit Jugendlichen aus unterschiedlichen Bezirken und unterschiedlichen Schulformen durch. Zunächst treten die Schüler in ihren Gruppen an, daraus gehen die besten 15 hervor. Die kriegen einen Vertiefungsworkshop. Daraus ermitteln die Jugendlichen wiederum die fünf besten, die dann bei einem öffentlichen Slam auf der domicil-Bühne gegeneinander antreten. Für Jugendliche ist es ganz großes Kino auf der Bühne zu stehen, um ihre Texte zu präsentieren." Am Ende halten die Nachwuchs-Autoren ihre Texte schwarz auf weiß in Händen: In der Broschüre "Poetry & Co" sind all ihre Werke abgedruckt.

Für Jugendliche ist es ganz großes Kino auf der Bühne zu stehen, um ihre Texte zu präsentieren.

Seit 2010 verfolgt „jugendstil“ außerdem das Projekt "Lesementoring". Auch hier sind die Jugendlichen gefragt – sie motivieren Grundschüler in ihrem Viertel zum Lesen. Eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Die Jungen lernen über die Freude am Lesen hinaus gemeinschaftliches Beisammensein und die Älteren schulen sich in Unterstützung mit anderen Mentoren und "jugendstil"-Referenten unter anderem im Umgang mit anderen, lernen mehr über ihr eigenes Lese-, Lernverhalten. Bei so vielen unterschiedlichen Anboten heißt es für die jungen Menschen: Bitte auf den Zauberteppich steigen und sich von der Literatur in andere Welten fliegen lassen.

Zum Thema

"Pension Grimm" läuft noch bis zum 31. März 2014. Die Ausstellung ist geöffnet für Gruppen mit Voranmeldung. Einzelpersonen können jeden Mittwoch ab 14 Uhr die Ausstellung besuchen. Rund um die Ausstellung finden Aktionen statt wie eine Märchenwanderung, Theaterstücke und Lesungen.
Eintrittspreise, kostenfreie Aktionen, weitere Informationen zur "Pension Grimm" und zu allen anderen literarischen Aktivitäten von "jugendstil" unter: