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Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Stefanie Kleemann

Klinikum Dortmund

Fundraising für ein KinderMRT

15.08.2013, Petra Schrader

Für kranke Kinder ist ein Kernspintomograph (MRT) Stress. Oft müssen sie unter Narkose untersucht werden, damit sie in der Röhre, die zudem noch sonderbare Geräusche von sich gibt, ruhig liegen bleiben. Das Klinikum Dortmund möchte das nun ändern: Ein KinderMRT soll für eine angenehme Atmosphäre sorgen.

bunt angemaltes MRT für Kinder

Ein KinderMRT ist kindgerecht gestaltet und erinnert so wenig wie möglich an ein Diagnosegerät. (Die Aufnahme ist beispielhaft.)
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): General Elektrics

Hier gibt es statt unangenehmer Geräusche ein leises Rauschen, können mitgebrachte Filme angesehen und Fotos betrachtet werden. Das Gerät wird kindgerecht gestaltet sein und so wenig wie möglich an ein Diagnosegerät erinnern. Innen ist so viel Platz, dass auch ein Elternteil dabei sein kann. Damit diese Untersuchungen zum Kinderspiel werden, braucht das Klinikum viel Geld. Geld, das es im Budget nicht hat. Fundraising heißt der Schlüssel zum KinderMRT. Wir haben uns angesehen, wer das Fundraising umsetzen wird.

Fundraising, das ist einer dieser Anglizismen, der sich schwer übersetzen lässt. "Spendenaktion", sagt das Wörterbuch, das trifft es nicht ganz, denn beim Fundraising geht es nicht nur darum, Geld einzuwerben.

Und es hat viel mit der Person zu tun, die es tut. "Dr. Martina Klein, Leiterin Fundraising, Klinikum Dortmund gGmbH" so steht es auf ihrer Visitenkarte und unter ihren Mails. Ihre Aufgabe ist es, in absehbarer Zeit alles zu tun, damit das Klinikum Dortmund bald ein KinderMRT hat, das rund 1.000.000 Euro kostet, die das Klinikum definitiv nicht hat.

Wer also ist Dr. Martina Klein? Sie ist nicht groß, hat Haare die ungebändigt wirken und gut zu ihrem lebhaften Äußeren passen, ein Lächeln, das ihre Augen erreicht und sie hat diese Gabe, sofort eine gute Stimmung zwischen sich und den Menschen zu verbreiten, mit denen sie spricht. Dr. Klein bringt auf dem Gebiet des Fundraisings viel Erfahrung mit, sie hat bereits in ihrer letzten Tätigkeit für das Kinderpalliativzentrum der Vestischen Kinderklinik in Datteln 6,1 Millionen Euro an Spendengeldern eingeworben.

Wäre Fundraiser ein Ausbildungsberuf, hätte ihr die Berufsberatung sicher zugeraten. Weil das aber nicht so ist, musste die 53-Jährige erst ein paar Umwege gehen, bis sie zu ihrer Bestimmung fand.

Martina Klein

Martina Klein packt auch gerne selbst mit an - ihr Job lässt sich nicht allein vom Schreibtisch aus erledigen.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Anja Cord

Auf Umwegen zu Fundraising

Gestartet ist sie vor vielen Jahren mit einer kaufmännischen Ausbildung bei einer Essener Versicherung. "Am Telefon habe ich ständig sagen müssen 'Kann ich ihnen helfen', vielleicht war das ja prägend", witzelt sie beim Gespräch in der Cafeteria des Klinikums. Und auch wenn sie erst seit wenigen Monaten im Klinikum ist, war die Cafeteria bereits in eine ihrer vielen Fundraising Aktionen für das KinderMRT einbezogen. "Die sind toll hier und haben den Teig gestiftet, damit wir im Foyer Waffeln backen konnten", erzählt Dr. Martina Klein. Und natürlich hat sie selbst auch am Waffeleisen gestanden, denn ihr Job lässt sich nicht allein von Schreibtisch aus erledigen. Mit am Waffeleisen standen auch Auszubildende des Klinikums, denn sie ist sich ganz sicher: "Im eigenen Haus lassen sich die größten Schätze heben, deshalb ist die interne Kommunikation zu einem Projekt so wichtig. Kolleginnen und Kollegen kennen so viele Menschen und haben so gute Ideen."

Bevor sie berichtet, was nach ihrer Ausbildung kam, hält sie triumphierend ein kleines Köfferchen in die Höhe: "Ist das nicht hübsch? Das bekommen jetzt samt Inhalt (der alsbald natürlich auch ausgepackt auf dem Tisch in der Cafeteria landet) die Eltern unserer Frühchen, anstelle des kleinen Stoffbeutels, den es bislang gab." So mehr nebenbei hat sie diese Möglichkeit gefunden, im Gespräch mit einem Kooperationspartner, mit dem sie eine Spendenaktion für das KinderMRT plante, kam ihr der Stoffbeutel für die Frühchen in den Sinn. "Dann habe ich eben gefragt, ob es vielleicht eine Idee gibt, das war ganz einfach", lächelt sie. Und nimmt dann den Entwurf für einen Flyer zur Hand, der neben ihrem Kalender liegt. "Ist das nicht ganz wunderbar, den hat eine Druckerei uns preiswert gedruckt und dazu noch kostenlos Plakate in A1 und A2" sprudelt es aus ihr.

Mehr als nur Geld besorgen

Vieles was zum Fundraising gehört, klingt bei Dr. Martina Klein einfach, sei es das Spendenmarketing, oder herauszufinden, wer als Spender in Frage kommt, das Herstellen von Kontakten genau wie das Halten von Kontakten zu Menschen, die durch Geld, Sachmittel oder Dienstleistungen ihren Beitrag leisten werden, damit Kinder in einer ruhigeren Atmosphäre untersucht werden können.

Aber wir waren noch dabei, Dr. Martina Klein auf ihrem Weg zur Fundraiserin zu begleiten. Die Arbeit bei der Versicherung lastete sie nicht aus, so holte sie auf dem 2. Bildungsweg ihr Abitur nach und ging danach ein Jahr nach Amerika. Danach studierte sie Politik, Anglistik und im Hauptfach Geschichte an der Ruhr-Universität in Bochum, promovierte in Sozialwissenschaften, leitete ein Referat in der Wissenschaftsförderung der Hans-Böckler-Stiftung, hatte eine Gastprofessur an der Universität Lille/Frankreich, war als UNO-Mitarbeiterin in Genf/Schweiz und andernorts tätig. Ach ja, und bevor sie der Vestischen Kinderklink 6,1 Millionen Euro für die weltweit erste Kinderpalliativstation organisierte, war sie Geschäftsführerin der Medizinischen Fakultät am Universitätsklinikum Münster, der Stadt, in der sie heute noch wohnt.

Martina Klein

Fundraising heißt immer auch, Netzwerke aufzubauen und viele Menschen einzubeziehen.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Anja Cord

Herausforderung Fundraising

"Ehrlich gesagt, hatte ich von Fundraising keine Ahnung, als ich zur Kinderklinik nach Datteln kam. Und von Datteln auch nicht, da gibt es nicht einmal einen Bahnhof- unvorstellbar. Aber die Aufgabe hat mich gereizt, ich war genau im richtigen Alter, um etwas zu machen, von dem ich keine Ahnung hatte". Das mit der fehlenden Ahnung war offenbar nicht schädlich, statt der geplanten drei Millionen Euro warb sie doppelt so viel ein. Und erhielt 2012 den Fundraisingpreis für die Beste Kampagne dieses Jahres - der damit zum ersten Mal an ein Projekt im Gesundheitswesen ging.

Wie sie das macht? "Zuhören und Reden ist das Wichtigste. Man darf keine Scheu haben, auf Menschen zuzugehen; muss sich fragen, wen in der Stadt sollte ich kennen, muss sich ein Netzwerk aufbauen, alle Menschen einbeziehen, die zur Stadtgesellschaft gehören. Vor allem sollte man jeden Menschen respektieren, diejenigen, die nur Fragen haben, genau wie diejenigen, die mit einer kleinen Spende im Rahmen ihrer Möglichkeiten einen Beitrag leisten", sagt sie.

Und erzählt von dem älteren, schlicht gekleideten Mann, der eines Tages spontan in ihrem Büro stand und sich erklären ließ, was eine Kinderpalliativstation ist, der noch einmal wiederkam und über das Konzept diskutieren wollte. "Ich hatte beide Male gerade Zeit, also habe ich sie mir genommen. Egal ob eine Spende dabei herauskommt oder nicht, wenn die Menschen unser Projekt verstehen und darüber sprechen ist das gut investierte Zeit", erklärt sie. Der Mann kam ein drittes Mal in die Klinik, diesmal ohne Fragen, aber mit einem Umschlag, in dem waren 100.000 Euro für die Kinderpalliativstation - das reichte, um drei Beatmungsgeräte für Kinder zu kaufen.

Drei Personen vor der Freiwilligenagentur in der Berswordt-Halle

Die FreiwilligenAgentur steht mit Rat und Tat bei der Suche nach ehrenamtlichen Mitarbeitern zur Seite.

Einen Umschlag wie in Datteln gab es für das KinderMRT in Dortmund noch nicht, aber viele kleine und große Aktionen, vom Waffelbacken im Foyer des Klinikums über die Versteigerung einer Designerkette im Konzerthaus, bis zu Aktionen, in denen Kinder für Kinder kicken, ein BVB-Strandkorb amerikanisch versteigert wird, in Kooperation mit der Freiwilligenagentur Ehrenamtler gesucht werden, Infoständen bei vielen Veranstaltungen und einem Netz von Menschen, die das KinderMRT unterstützen, das immer dichter geknüpft wird.

Und überhaupt findet Dr. Martina Klein: "Spenden macht Menschen glücklich - und Spenden einzuwerben auch", und da ist wieder dieses Lachen, das einen überlegen lässt, wie der eigene Beitrag aussehen kann, damit Dortmund zu einem KinderMRT kommt.

Kontakt: Dr. Martina Klein, martina.klein@klinikumdo.de, Telefon 0231 95321270.