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Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Stefanie Kleemann

Diane Jägers

Dortmunds streitbare Rechtsdezernentin

11.09.2013, Petra Schrader

Seit Anfang Mai ist Diane Jägers Dezernentin in Dortmund. Das Rechtsamt, die Bürgerdienste, das Ordnungsamt, die Feuerwehr und das Dortmunder Systemhaus gehören zu ihrem Dezernat. Diane Jägers ist gerade aus dem Urlaub zurück, als sie an diesem Freitag im August zum Interview kommt. Nicht zur vollen Stunde, sondern um 10:15 Uhr ist der Termin und er ist nicht der einzige an diesem Vormittag.

Diane_Jägers

Diane Jägers in Ihrem Büro.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Stefanie Kleemann

Das auffälligste an Diane Jägers Büro in der 9. Etage des Stadthauses ist eine riesige Palme, die in der hinteren Zimmerhälfte steht: "Die wuchs bei einer Kollegin zu Hause durch die Decke und ist hier viel besser aufgehoben", sagt Diane Jägers und ergänzt dann mit einem Blick auf die noch leeren Wände: "Persönlich ist es hier noch nicht, weiblich wohl auch nicht. Das kommt noch, Stück für Stück". So kahl wie die Wände, so leer ist das Regal. Einige Aktenordner teilen sich die Regalbretter mit zwei kleinen Figuren; die eine fingergroß und genauso schmal, die andere auch kaum größer: "Den kleinen Florian habe ich von der Bochumer Feuerwehr, die Holzfigur eines denkenden Menschen ist ein Dankeschön aus Gambia, da haben wir von der Bochumer Feuerwehr einen Transporter hinvermittelt“ so Jägers. Im Regalfach nebenan dann der Beweis, dass die Rechtsdezernentin sich Dortmund zuwendet: Hier steht eine große Nachbildung des Dortmunder U.

Holzfigur aus Gambia

Die Holzfigur eines denkenden Menschen ist ein Dankeschön aus Gambia.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Stefanie Kleemann

Leben und arbeiten

Diane Jägers ist fest entschlossen, in Dortmund zu arbeiten und hier auch zu leben: "Wir werden hierher ziehen. Meinem Mann war sofort klar, dass ich für diesen Job in Dortmund leben, also auch aufwachen und einschlafen will, um ein Gefühl für die Stadt zu bekommen".

Hier ist die Lebenswahrheit, hier spielen sich Politik und Entscheidungen tatsächlich so ab, dass sie die Menschen betreffen, dass man etwas verändern kann – und das will ich

Ihre berufliche Laufbahn zeigt, sie ist eine Frau, die Vielfalt und Stringenz mag: Das fing schon im Studium an, denn außer Jura hat sie auch Sozialwissenschaften ("Leider ohne Abschluss") studiert und in Veranstaltungen zu Kunst und Religion hineingehört. Ihr Examen legte sie als Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung nach nur 10 Semestern ab – zwei Semester früher als im Schnitt in NRW üblich. Beruflich startete sie 1989 als persönliche Referentin des Oberkreisdirektors des Märkischen Kreises. "Ich wusste von Anfang an, dass ich in der Gemeinde, dass ich lokal arbeiten will. Hier ist die Lebenswahrheit, hier spielen sich Politik und Entscheidungen tatsächlich so ab, dass sie die Menschen betreffen, dass man etwas verändern kann – und das will ich", sagt Diane Jägers. Und stellt gleich klar, dass sie streitbar ist. Sie ist mit Leib und Seele Dezernentin, die dafür Sorge trägt, dass ihr Dezernat funktioniert!

Diane_Jägers

Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Stefanie Kleemann

Von November 1996 bis Mai 2001 stellvertretende Leiterin der Justizakademie des Landes Nordrhein-Westfalen in Recklinghausen, die sie ab dem Jahr 2000 leitete. Einer Abordnung an das Finanzgericht Düsseldorf im Juni 2001 folgte im Dezember 2002 die Berufung zur Richterin am Finanzgericht Düsseldorf. Von Dezember 1990 bis November 1996 arbeitete sie als Richterin am Verwaltungsgericht Düsseldorf.

Seit August 2007 war sie Rechtsdezernentin in Bochum und genau wie in Dortmund unter anderem zuständig für das Rechtsamt, Ordnungsamt, Einwohner- und Straßenverkehrsamt sowie die Feuerwehr. Parallel zu diesen Tätigkeiten war sie sieben Jahre lang Dozentin an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Hagen.

Erfahrungen nutzen

Diane_Jägers

Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Stefanie Kleemann

Von Bochum aus, hat sie bereits vor ihrem offiziellen Dienstantritt begonnen, sich mit Dortmund vertraut zu machen, hat ihr Team kennengelernt, Antrittsbesuche gemacht, sich um Strukturen gekümmert. Sie hat mit Menschen innerhalb der Verwaltung wie mit Menschen außerhalb gesprochen, war im Café Berta ebenso wie bei der Mitternachtsmission. "Ich bin hier von allen in Politik und Verwaltung gut empfangen worden. Es kommt mir sehr zugute, dass ich bereits in Bochum Rechtsdezernentin war. So bin ich nicht ins kalte, sondern eher ins lauwarme Wasser gesprungen. Aber natürlich ist Dortmund anders als Bochum, immerhin hat Dortmund 200.000 Einwohner mehr- die Themen sind größer, komplexer. Der Wechsel war mehr als der Austausch von Postleitzahlen am Arbeitsort. Es ist eine neue Herausforderung, die ich wollte", sagt sie. Und Herausforderungen gab es für sie bereits von ersten Tag an: Sofort war sie konfrontiert mit Themen wie der Sperrbezirksverordnung, Armutswanderung, einer Unterschlagung bei den Bürgerdiensten, einer Bundestagswahl, die im September gestemmt werden muss, da bleibt keine Zeit, um langsam anzukommen.

Suche nach Herausforderung

Mit welcher Philosophie sie Ordnungsdezernentin ist, hat sie bereits am Tag des Amtsantritts gegenüber der Presse verdeutlicht: "Wir sind Dienstleister und müssen prüfen, was wir tun können, wie wir helfen können. Es ist schlimm für Menschen, wenn sie mit ihren Anliegen nicht wahrgenommen werden."
Das gilt für sie nach innen wie nach außen und deshalb liegt ihr daran, von Beschäftigten nicht nur viel zu erwarten und diese Erwartungen sauber zu kommunizieren, sondern auch, sich zu bedanken wenn Dinge gut laufen. "Wertschätzung und Respekt sind mir gleichermaßen wichtig. Für die Kolleginnen und Kollegen bin ich immer ansprechbar. Ich glaube sie können alle gut einschätzen, ob sie sich mit einem Anliegen direkt an mich oder einen anderen Vorgesetzten wenden sollten".

Florian

Den kleinen Florian hat Diane Jägers von der Bochumer Feuerwehr.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Stefanie Kleemann

Den Haushalt zu sichern ist für sie mit eine der großen Herausforderungen, denn aus Bochum weiß sie, was Haushaltssicherung bedeutet: "Das ist der Abschied von der Selbstverantwortung, von der Möglichkeit, kommunal etwas zu gestalten. Da bleibt kein Raum mehr für Freiwilligkeit."
Hatte ihr Arbeitstag in Bochum eher zehn bis zwölf Stunden sind es in Dortmund schnell zwölf bis vierzehn. Stunden, die sehr strukturiert sind, in denen dem persönlichen Gespräch viel Raum gegeben wird.

"E-Mails können oft nicht Gespräche ersetzen. Jeden Tag gibt es hier im Team eine Lagebesprechung, regelmäßig gibt es einen Austausch in der Runde der Amtsleitungen und mindestens einmal pro Woche spreche ich mit jedem Amtsleiter", so Jägers.

Und die wichtigste Kleinigkeit: Wie hält sie es als noch in Gelsenkirchen lebende Dezernentin mit dem Fußball?
"Wenn ich Massen im Stadion erlebe, dann habe ich eher Gedanken an Sicherheit oder werde nachdenklich, weil deutlich wird, wie Massenphänomene funktionieren, Fußball interessiert mich nur in zweiter Linie", gibt sie zu. Allerdings weiß sie, was sie ihrem Mann, einem bekennenden Schalke-Fan mit dem Umzug nach Dortmund zumutet. Die BVB-Ente, die ihr die CDU mit ins Willkommenspaket gepackt hat, behauptet sich im Jägerschen Haushalt: Gegen humorige Widerstände der Familie hat sie ihren Platz gefunden; in Gesellschaft einer Schalke-Ente und ausgestattet mit einem Schal in blau-weiß.
Und während die Enten ihren Frieden miteinander haben, entspannt sich Diane Jägers im Garten – falls Zeit übrig bleibt. Doch sie hat den festen Vorsatz, dass 14- Stundentage nicht die Regel bleiben sollen.