Dortmund überrascht. Dich.
Phoenixsee

Aus unserer Stadt

Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Stefanie Kleemann

Rombergpark

Das grüne Klassenzimmer

24.09.2009, Von Stefanie Haddick

Eine dunkelgrüne Tafel, zwölf helle Holztische und 22 rote, blaue und rosafarbene Butterbrotdosen, aus denen hungrige Kinder in atemberaubender Geschwindigkeit ihr Frühstück vertilgen. Jahr für Jahr genießen in der Zoo- und der Grünen Schule des Schulbiologischen Zentrums mehr als 9.000 Schüler modernen, hautnah erlebten Unterricht in einem der schönsten Parks Dortmunds.

Michael Stork mit Kinder an der Apfelpresse

An der Apfelpresse dürfen die Kinder auch mal selber ran.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Jürgen Wassmuth

Auf den ersten Blick sieht es im Schulbiologischen Zentrum aus wie in einem ganz normalen Klassenzimmer. Doch die abgesägten Baumstämme in den Schränken, der selbstgebaute Trockenobst-Ofen und der Blick auf das Grün des Botanischen Gartens Rombergpark lassen erahnen: Das wird heute kein Schultag wie jeder andere für die Klasse 4a.

Lernen von und in der Natur

„Wir drehen bei uns in der Grünen Schule einfach alles um: Pause drinnen, Lernen draußen!“ verkündet Michael Stork, der die Kinder heute durch den Tag begleitet. Und nach ein paar einführenden Worten geht es auch schon raus. Vorbei an den Rennmäusen und Fröschen in ihren Terrarien, durch die Tür und in die Obstwiese. In ihren Gummistiefeln stapfen die Jungen und Mädchen durch das Gras, bücken sich hier und da nach den leuchtend roten Äpfeln. Felix hält ein besonders großes Exemplar ganz dicht unter seine Nase und schnuppert.

Kleines Mädchen hat einen Vogel auf dem Arm

Schule im Freien - hautnah dran an der Natur und den Tieren.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Jürgen Wassmuth

Genau das ist der Grund, warum sowohl Zoo- als auch Grüne Schule draußen stattfinden: Die Kinder sollen durch eigenes Erleben lernen – in der Natur und bei den Tieren. Gemeinsam mit den Lehrern erkunden sie das Leben des Großen Ameisenbären, studieren verschiedene Baumarten oder sammeln und kosten essbare Wildkräuter. „Nur wenn die älteren Schüler mit ihren Boden- und Wasserproben aus dem Park zurückkommen, findet der Unterricht im Schulbiologischen Zentrum selbst statt. Die Proben werden hier unter professionellen Binokularen analysiert“, erklärt Michael Stork.

„Apfelmörder“ unter sich

Innerhalb weniger Minuten ist der grüne Plastikkorb auch schon mit Äpfeln gefüllt – die Waage zeigt stolze 17 Kilo. Bevor das Obst in die Mühle kommt, spritzt Michael Stork es gründlich ab – dann, so Stork, darf sich jeder mal am schweren Mühlrad und beim anschließenden Pressen als „Apfelmörder“ versuchen.

Als die ersten Tropfen in den Messbecher fließen, sind die Schüler wie auch das nahe Wespenvolk gebannt. Liter für Liter pressen die kleinen, starken Hände den Saft aus den Früchten heraus – insgesamt werden es sechs. „Mann, man kann richtig die Schale schmecken!“ ruft Mathias als er den ersten Schluck aus seiner Plastikflasche genommen hat.

Allee im Rombergpark

200 Jahre alte Kastanien und Platanen treffen auf Bananenbäume und Kakteensammlung.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Jürgen Wassmuth

Vom Landschaftspark zum Botanischen Garten

Die grüne Geschichte des 65 Hektar großen Areals allerdings geht fast 200 Jahre zurück: Die Adelsfamilie derer von Romberg nannte damals nicht nur einen großen Gemüsegarten ihr Eigen, dessen Erträge sie auf dem Dortmunder Markt verkauften. Im Auftrag des damaligen Schlossherrn Gisbert von Romberg wurde außerdem ab 1820 auf den Ländereien rund um das klassizistische Wasserschloss Brünninghausen ein weitläufiger Landschaftsgarten nach englischem Vorbild angelegt.

Im Jahre 1926 erwarb die Stadt Dortmund den Landschaftsgarten und begann, dort einen Botanischen Garten anzulegen, der in den folgenden Jahren immer weiter ausgebaut wurde. Doch immerhin einige wenige Elemente haben den Zeiten bis heute getrotzt, freut sich Parkleiter Heribert Reif: „Wenn die Besucher durch den Botanischen Garten spazieren, erinnern nicht nur das Torhaus und der Eiskeller an die Vergangenheit. Vielmehr finden sich inmitten der großen Pflanzenvielfalt auch einige Platanen, Rosskastanien und dendrologische Sammelobjekte, die seinerzeit noch der Gartenarchitekt Maximilian Friedrich Weyhe pflanzen ließ. Diese sind bald 200 Jahre alt.“

Steg am Ufer des Rombergpark-See

Das Geheimnis des Parks: Hier dürfen die Bäume auch mal schief wachsen.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Jürgen Wassmuth

Doch der Botanische Garten wartet auch mit Bananenbäumen, einer beeindruckenden Kakteensammlung und weiteren Exoten auf. In den vier miteinander verbundenen Pflanzenschauhäusern können Interessierte bei Wind und Wetter auf 1.000 Quadratmetern einen trockenen Blick in fremde Pflanzenwelten der Gegenwart werfen.

Zwischen Tradition und Moderne

Auch heute ist im Gesamtkonzept des Botanischen Gartens Rombergpark noch das alte Erbe des Englischen Landschaftsgartens zu spüren. Die ursprüngliche Idee ist jedoch merklich modernisiert worden. Es soll nicht wie damals alles nur natürlich aus sehen, sondern vielmehr soll alles natürlich sein. Und darum wird der Natur und ihrem Wachstum ein breiter Rahmen eingeräumt. „Bei uns dürfen die Bäume ruhig schief wachsen“, offenbart Heribert Reif das Geheimnis seines Arbeitsplatzes: „Das macht die große Natürlichkeit unseres Gartens aus.“