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Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Stefanie Kleemann

40 Jahre Westfalenstadion

Rückblick auf die ersten Tage des "Tempels"

01.04.2014, Gerd Kolbe, Soeren Spoo

Der 2. April 1974, ein Dienstag, ist und bleibt für zahllose Fußballfans unvergesslich: An diesem Tag wurde das Westfalenstadion als erstes reines Fußballstadion Deutschlands eröffnet.

Signal Iduna Park

Ein Wahrzeichen der Stadt - der heutige Signal Iduna Park an der Strobelallee ist auch jenseits von Heimspielen Anziehungspunkt für Einwohner und Besucher.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Leon Fülber

Eingebettet in ein buntes Unterhaltungsprogramm spulte sich vor 50.000 begeisterten Besucherinnen und Besuchern ein großes Fußball-Volksfest ab. Natürlich gab es die obligatorischen Eröffnungsreden von Oberbürgermeister Günter Samtlebe und BVB-Präsident Heinz Günther. Im Rahmenprogramm begeisterten die schmucken „Goldstar Majorettes“ aus Arnheim und das Polizeiorchester. Sportlich unterlag die Damenmannschaft des TBV Mengede dem VfB Waltrop mit 1:2 und die Profis des BVB dem großen Rivalen FC Schalke 04 mit 0:3.

...das größte und bedeutendste Sportzentrum der Bundesrepublik

FAZ zur Eröffnung des Stadions

Das eigentliche Interesse aber galt selbstverständlich dem neuen "Westfalenstadion". Die Faszination war riesengroß. Die Atmosphäre, die Nähe der Zuschauer zum Spielfeld, das Flutlicht, der Service für die Fans – Extraklasse! Selbst die kritische Presse erging sich in überschwänglichen Lobeshymnen. "Die sogenannten Dortmunder Drillinge – Westfalenhalle, Westfalenpark, Westfalenstadion – dürften neben dem Olympiapark in München das größte und bedeutendste Sportzentrum der Bundesrepublik sein", schrieb die FAZ. "Ein tolles Stadion mit englischer Atmosphäre" oder "Ein Stadion für die Callas" war weiter zu lesen.

Westfalenstadion und Stadion Rote Erde aus der Luft

Seit 1974 ist das Satadion die Spielstätte des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund und war bereits mehrfach Austragungsort internationaler Fußballturniere, zuletzt der Fußball-Weltmeisterschaft 2006, sowie von Heimspielen der deutschen Nationalmannschaft.

Dabei war der Weg von der Planung bis zur Eröffnung des Westfalenstadions ein spektakulärer Hindernislauf für alle Beteiligten.

Ein Rückblick

Die Kampfbahn "Rote Erde" - Jahrgang 1926 - war mittlerweile eine "alte Dame" geworden. Die Stadt Dortmund plante deshalb bereits Mitte der 1960-er Jahre eine reine Fußballarena als Zwillingsstadion.

Oberbürgermeister Samtlebe bei der Eröffnung des Westfalenstadions

Eröffnungsrede von Oberbürgermeister Günter Samtlebe vor 50.000 Besuchern im Westfalenstadion

Mit diesem wegweisenden Gedanken trat man frühzeitig an den DFB heran und unterbreitete eine WM-Bewerbung für 1974. Dortmunds Sportdezernent und "Stadionvater" Erich Rüttel brachte dann aus Montreal eine interessante Anregung mit: Dort hatte man kostengünstig ein Stadion in Fertigbauweise erstellt. Das wurde zum Vorbild für Dortmund und reduzierte die Baukosten von geschätzten 60 Mio. auf nur noch 32 Mio. DM. Die Finanzen stimmten jetzt, nicht aber die Größe. Dortmunds WM-Arena konnte nur 54.000 Besucher aufnehmen anstatt der zur WM geforderten 60.000. Die Folge: Rüttel bekam einen "blauen Brief" der FIFA und das hieß in der Konsequenz: keine WM-Stadt für 1974, keine finanzielle Unterstützung von Bund, Land und Glücksspirale.

Da der BVB in dieser Phase sowohl sportlich als auch wirtschaftlich große Probleme hatte, wurde es kommunalpolitisch eng. Es gab schließlich viele wichtige städtische Aufgaben auf den verschiedensten Gebieten. War damit das Ende für die Stadionpläne gekommen? Nein! Denn im Oktober 1971 entschied der Rat der Stadt in einer spektakulären Sitzung den Bau des Westfalenstadions "auf eigene Kappe" und ohne fremde Hilfe.

Das war kühn und richtungweisend! Sofort danach begann der Bau. Und dann die Sensation: Köln musste seine WM-Bewerbung aus finanziellen Gründen zurückziehen, und Dortmund bekam doch noch den Zuschlag - als WM-Reservestadt quasi. Vier spektakuläre WM-Spiele waren der Lohn des politischen Mutes, die Stadt bekam die erhofften WM-Gelder und der 1972 aus der Bundesliga abgestiegene BVB hatte eine neue Heimat und eine entscheidende Grundlage für den Wiederaufstieg 1976.

Modell des Westfalenstadions

Foto des Modellvorschlages für das Westfalenstadion
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Gerd Kolbe

Daten, Fakten und Zahlen zur Eröffnung des Westfalenstadions

Juli 1966: Der Deutsche Fußballbund (DFB) bewirbt sich als Ausrichter der Fußball-Weltmeisterschaft 1974.

Oktober 1967: Erste Bewerbung der Stadt Dortmund beim DFB als Austragungsort für die Fußball-WM 1974.

September 1968: Eine DFB-Kommission begutachtet Stadionplanung und Stadionmodell in Dortmund. Projektbezeichnung: "Zwillingsstadion Rote Erde"

März 1969: Öffentliches Hearing vor dem Sportausschuss des Landes NRW in Düsseldorf.

Januar 1970: Dortmunds Oberstadtdirektor Hans-Diether Imhoff erläutert in einem Hearing des Deutschen Bundestages die Stadion-Neubaupläne der Stadt Dortmund.

April 1970: Neueste Kostenschätzungen für ein Stadion konventioneller Bauweise: 60 Mio. DM. Mögliche Alternative: Ausbau der Kampfbahn Rote Erde mit 50.000 überdachten Plätzen. Kosten: 18 Mio. DM.

Mai 1970: Sportdezernent Erich Rüttel schlägt dem Rat die Aufgabe der bisherigen Konzeption und den Bau eines Stadions in Paletten-Fertigbauweise nach Montrealer Modell vor. Kosten: 27 Mio. DM. Fassungsvermögen: 53.000 Besucher. 13.000 Sitz- und 40.000 Stehplätze.

Oktober 1970: Der Rat der Stadt Dortmund beschließt den Bau des "Zwillingsstadions Rote Erde" (Grundsatzbeschluss) als Palettenstadion in Fertigbauweise. Finanzierungsmodell: Land NRW 10 Mio., Bund 4 Mio., Stadt Dortmund 6 Mio., Glücksspirale 7,5 Mio. DM. Gesamtkosten: 27,5 Mio. DM. Der Ratsbeschluss erfolgt bei nur sechs Gegenstimmen.

Mai 1971: Der DFB erteilt Dortmund als WM-Stadt 1974 eine Absage, da die Ausschreibungs-Voraussetzungen (insbesondere Fassungsvermögen 60.000) nicht erfüllt sind.

August 1971: BVB-Vorstandsmitglieder überreichen Oberbürgermeister Heinrich Sondermann Unterschriftenlisten von BVB-Fans, die sich für den Bau des neuen Stadions aussprechen.

Oktober 1971: Der Rat der Stadt Dortmund beschließt den Bau des "Zwillings" der "Roten Erde" unabhängig von der Frage, ob WM-Spiele in Dortmund stattfinden. Das städt. Bauordnungsamt erteilt die Baugenehmigung.

18. Oktober 1971: Hinweis auf sportliche und finanzielle Entwicklung des BVB nach Europacupsieg 1966 mit negativer Perspektive "Abstieg".

November 1971: Die Westfälische Rundschau führt eine Leserumfrage bezüglich des Stadionnamens durch. Namensvorschlag: Westfalenstadion.

November 1971: Beginn der Bauarbeiten.

November 1971: Köln zieht aus finanziellen Gründen WM-Bewerbung zurück.

Das erste Tor im Westfalenstadion

Der Schalker Paul Holz trifft beim Eröffnungsspiel zum 1:0

Februar 1972: Die FIFA bestimmt Dortmund zur WM-Stadt für 1974.

April 1972: Der städt. Ältestenrat beschließt, das neue Stadion "Westfalenstadion" zu nennen.

Mai 1972: Die Stadt Dortmund schließt mit dem DFB einen Vertrag über die Austragung von vier Weltmeisterschaftsspielen in Dortmund.

März 1973: Richtfest des Dortmunder "Westfalenstadions".

Oktober 1973: Besuch der Deutschen Nationalmannschaft mit Bundestrainer Helmut Schön im „Westfalenstadion“.

Januar 1974: WM-Auslosung. "Glücksfee": Der Schöneberger Sängerknabe Detlef Lange.

Ende März 1974: Stadionpräsentation vor internationaler Presse.

2. April 1974: (Inoffizielle) Eröffnung des Westfalenstadions mit den Spielen der Damenmannschaften von Mengede 08 und Waltrop (1:2, 1. Tor: Elisabeth Podschwadtke; Zitat Presse: "Runde weibliche Waden und hüpfende Busen eröffneten das Westfalenstadion") sowie Borussia Dortmund – Schalke 04 (0:3). Erster Flutlicht-Ausfall.

17. April 1974: Offizielle Eröffnung des Westfalenstadions mit dem Länderspiel Deutschland – Ungarn (5:0) Zweiter Flutlicht-Ausfall.

14. Juni 1974: WM-Spiel Zaire – Schottland 0:2 (dritter Flutlicht-Ausfall)

19. Juni 1974: WM-Spiel Niederlande – Schweden 0:0

23. Juni 1974: WM-Spiel Niederlande – Bulgarien 4:1

3. Juli 1974: WM Spiel Niederlande – Brasilien 2:0

Während der WM besuchten das Stadion 17 Regierungschefs und Minister aus Europa, US-Außenminister Henry Kissinger sowie viele andere prominente Gäste aus Politik und Sport.

40 Jahre - Millionen Geschichten

April 2014. In Dortmund wird das Gebäude mit den markanten gelben Pylonen an der Strobelallee nur ehrfürchtig "Tempel" genannt. Längst ist es ein Wahrzeichen der Stadt, Austragungsort internationaler Fußballturniere, Wohnzimmer für Fußballhelden und Pilgerstätte für tausende Fans bei Heimspielen von Borussia Dortmund. Ein Grund dafür ist nicht zuletzt die Größe, denn mit derzeit 80.645 Zuschauerplätzen ist es das größte Stadion Deutschlands.

Südtribüne BVB Borussia Dortmund Meisterschaft

Als reine Stehplatztribüne fasst die Südtribüne seit den späten 1990er-Jahren fast 25.000 Zuschauer und ist damit die größte in Europa.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Gerd P. Müller

Bis Anfang der 1990er Jahre blieb das Westfalenstadion baulich nahezu unverändert und bot ein Fassungsvermögen von 54.000 Plätzen, die praktisch vollständig überdacht waren. Die 16.500 Sitzplätze befanden sich auf den Tribünen an den Seiten des Spielfelds, Nord- und Südtribüne blieben Stehplätzen vorbehalten. "Schnell entwickelte sich das Stadion zu einem der bedeutendsten Stadien der Bundesrepublik. Aufgrund seiner 'typisch englischen' Bauweise ohne Laufbahn war die Atmosphäre im Westfalenstadion immer etwas hitziger als in den meisten anderen Stadien des Landes, die wesentlich weitläufiger waren" erinnert sich Gerd Kolbe, 1976 bis 1981 Pressesprecher des BVB.

Signal Iduna Park beim BVB Spiel

Am 1. Dezember 2005 wurde aus dem Westfalenstadion der Signal Iduna Park. Der Vertrag über die Umbenennung zwischen Borussia Dortmund und der Signal Iduna Gruppe gilt bis 2021.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Benito Barajas

Ende der 1990er-Jahre wurden erste Umbauphasen realisiert um die Zuschauerkapazitöt zu erhöhen und alle Tribünen mit einem Oberrang zu versehen. Begonnen wurde mit West- und Osttribüne an den Längsseiten des Spielfelde, womit die Kapazität auf 55.000 Zuschauern erhöht wurde. In der zweiten Ausbaustufe wurden auch Nord- und Südtribüne mit einem Oberrang überbaut. Insgesamt bot das Stadion nach diesem Ausbau 68.600 Besuchern Platz.

Zwischen den Jahren 2002 und 2003 wurde die dritte Ausbaustufe durchgeführt und die offenen Stadionecken geschloßen. Nach dem Umbau belief sich die Kapazität des Stadions auf knapp 83.000 Zuschauer. Auffälliges bauliches Merkmal sind bis heute die außengeführten, leuchtend gelben Stahlpylonen, die weit über das Dach hinausragen.

Meisterfeier im Stadion

Heimstätte für die Erfolge der Borussia: Unter anderem in den Jahren 2011 und 2012 ließen sich die Spieler von ihren Fans im Stadion zur Meisterschaft feiern.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Soeren Spoo

Bedeutendste Fußballstadion der Welt

Bei der WM 2006 wurden neben vier Vorrundenspielen ein Achtel- und ein Halbfinalspiel im Stadion ausgetragen. Im Zuge der Vorbereitung auf dieses Großereignis fanden einige Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen statt, bei denen unter anderem die Kapazität leicht verringert wurde.

Mit derzeit 80.645 Zuschauerplätzen ist der Signal Iduna Park weiterhin das größte Stadion Deutschlands. Am 19. Dezember 2008, dem 99. Geburtstag der Borussia, wurde in der Nordostecke des Stadions das Borusseum eröffnet, ein Museum rund um die Geschichte des BVB. Die Londoner Times setzte das Dortmunder Stadion auf Platz eins ihrer Liste der bedeutendsten Fußballstadien der Welt. In der Saison 2011/2012 übertraf der BVB erstmals die Marke von 80.000 Zuschauern pro Ligaspiel und sorgte mit durchschnittlich 80.552 Zuschauern für eine neue Bestmarke im europäischen Ligafußball.