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Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Stefanie Kleemann

Freiwilliges Soziales Jahr

FSJ im Dortmunder U

11.06.2014, Petra Schrader

In diesem Jahr feiert das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) seinen 50. Geburtstag. Seit 1964 engagieren sich junge Menschen vor allem in sozialen Einrichtungen – und seit 2001 auch in Kultur, Schule und Politik.

Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) feiert seinen 50. Geburtstag

Basil und Leonie haben das Ziel des FSJ, sich zu orientieren und sich persönlich weiter zu entwickeln erreicht.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Anja Cord

Wer zwischen 16 und 26 Jahre alt ist kann so ein Jahr Erfahrungen sammeln, Orientierung finden und sich weiter entwickeln. Auf die bundesweit in Kultur, Schule und Politik vorhandenen 1.400 Plätze für das FSJ 2013/2014 haben sich 11.276 Jugendliche beworben- die Mehrzahl von ihnen auf ein FSJ im kulturellen Bereich.

Zu ihnen gehören Leonie Eickenbusch und Basil Kühn-van Geldern, die sich als FSJler im Dortmunder U engagieren.

Auf 20 Seiten informiert eine gelbe Broschüre über das Programm von Mai und Juni auf der 2. Etage im Dortmunder U, der U2_Kulturelle Bildung. Herausgegeben wird das Programm, so erfährt man im Impressum von den Kulturbetrieben und gestaltet hat es Leonie Eickenbusch. Was nicht ungewöhnlich wäre, wenn sie Graphikerin oder Mediengestalterin wäre, aber die 19jährige absolviert gerade ein FSJ im U und hat sich eingearbeitet in die Kunst, ein Programm zu gestalten.

Basil und Leonie sind wichtige Stützen im organisatorischen Ablauf.

Mechthild Eickhoff

"Wenn Leonie das Programmlayout nicht zur printreife gebracht hätte, dann gäbe es das jetzt nicht", sagt Mechthild Eickhoff. Sie ist die Mentorin der beiden FSJler und sagt auf die Frage, was denn deren Aufgabe hier in der 2. Etage ist: "Ach, eigentlich alles. Vom Stühle rücken bis zum Konzept für einen Workshop. Basil und Leonie sind wichtige Stützen im organisatorischen Ablauf. Und das bedeutet mehr als Stühle zu rücken. Denn sie sind oft diejenigen, die die Atmosphäre bestimmen, in der ein Workshop hier stattfindet. Und vor allem kann man sich auf die beiden immer verlassen".

Träger des FSJ ist die LAG Arbeit, Bildung Kultur NRW, die seit 60 Jahren kulturelle Jugendarbeit begleitet. Doch innerhalb der Institutionen, in denen die Jugendlichen dann tätig sind, haben sie als Ansprechperson Mentoren zur Seite.

Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) feiert seinen 50. Geburtstag

Für Leonie und Basil ist im U kein Tag wie der andere.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Anja Cord

Klarheit gewinnen

Leonie Eickenbusch ist bereits seit September 2013 auf der U2. Nach dem Abitur wollte sie nicht sofort wieder in eine Lernsituation kommen, sondern eine kleine kulturelle Pause genießen und hat sich deshalb erst einmal für ein FSJ entschieden. "Ich wollte mich einfach noch nicht festlegen, sondern die Zeit nutzen, um Klarheit zu gewinnen", sagt sie.

Ich wollte mich einfach noch nicht festlegen....

Basil Kühn-van Geldern

Bei Basil Kühn –van Geldern war es ähnlich, er wollte vermeiden erst nach zwei Semestern zu wissen, dass er vielleicht im falschen Studiengang steckt und suchte deshalb ein Jahr der Orientierung im FSJ.

Ein Jahr, in dem er sich auch umorientiert hat: "Zunächst war ich an einem Theater, weil ich dachte, ich wollte eventuell einmal in die Theaterpädagogik. Nach einem halben Jahr war mir klar, dass ist nicht das, was ich möchte. Ich habe dann die Chance ergriffen, den Rest meines FSJ hier im U zu machen".

Der 20 jährige spricht voller Begeisterung vom Konzept der U2: "Hier hängt kein Picasso an der Wand. Die U2 zeigt Ausstellungen von jungen Leuten und oft ist der Entstehungsprozess wichtiger als das Produkt".

Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) feiert seinen 50. Geburtstag

Auf die bundesweit in Kultur, Schule und Politik vorhandenen 1.400 Plätze für das FSJ 2013/2014 haben sich 11.276 Jugendliche beworben- die Mehrzahl von ihnen auf ein FSJ im kulturellen Bereich.
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Viel Abwechslung

Für Leonie und Basil ist im U kein Tag wie der andere. Sie bauen Aufstellungen mit auf, sind bei Gesprächen mit Lehrern und Dozenten dabei, die mit ihren Schülern oder Studenten eine Ausstellung in der U2 planen; sie begleiten Workshops auf der Etage und wissen oft morgens noch nicht, was sie am Abend getan haben werden. Manchmal sind ihre Tag lang und auch am Wochenende kommen die beiden schon mal ins U um dort das kleine Team der 2. Etage zu unterstützen.

Wir können offen reden, Ich fühle mich ernst genommen.

Basil Kühn-van Geldern

Mehr als ein Taschengeld erhalten sie dafür nicht, aber darum geht es ihnen nicht. "Wir haben vorher gewusst, dass es nicht viel Geld gibt. Wichtig ist, was wir hier alles mitkriegen. Es war toll zum Beispiel bei "Early movement" mit Gedichten und eigenen Fotos plötzlich Teil einer Ausstellung zu sein", sagt Leonie. Und auch Basil findet: "Wir könnten auch weniger machen, aber dann hätten wir diese vielfältige Erfahrung nicht. Wir kriegen hier einfach viel mit und dann kommt man eben gern auch mal an einem Samstag. Zumal wir hier in gute Strukturen gekommen sind. Wir können offen reden, ich fühle mich ernst genommen und bin nicht der blöde Praktikant, der nur zum Kopieren geschickt wird".

Kontakte knüpfen

Beide Jugendliche haben sich von ihrem FSJ Orientierung und Kontakte gewünscht und die auch gefunden. Leonie ist sicher, dass es eine großartige Chance ist, im U mit so vielen Menschen aus dem Kreativbereich zusammen zu kommen: "Ich habe hier Fotografen, Graphiker und Künstler getroffen. Dabei habe ich viel über verschiedene Studiengänge erfahren und kriege jetzt auch Tipps für die Mappe, mit der ich mich um einen Studienplatz bewerben will". Für Leonie ist das FSJ schon bald beendet, aus ihrer Sicht war es eine Chance, ein Jahr lang Erfahrungen zu sammeln, wie ein Kulturbetrieb funktioniert, welche Probleme und welche Chancen es gibt. Und sie weiß heute, was sie nach dem FSJ machen möchte: "Ich will Gestaltung mit dem Schwerpunkt Illustration studieren."

Eine großartige Chance mit so vielen Menschen aus dem Kreativbereich zusammen zu kommen.

Leonie Eickenbusch

Während Leonie sich eher der PR und Öffentlichkeitsarbeit für die U2 gewidmet hat, war Basils Bereich, sich um Workshops und anders zu kümmern: "Ich hätte niemals geglaubt, dass ich eine Ausstellung organisieren, oder eine Führung durchs Haus machen kann". Auch er weiß nun, wie es nach dem FSJ für ihn weitergehen soll. "Ich will Grundschullehrer werden weil ich einfach gerne mit Kindern arbeite. Ich möchte hier in Dortmund studieren und den Kontakt zur U2 halten."

Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) feiert seinen 50. Geburtstag

Träger des FSJ ist die LAG Arbeit, Bildung Kultur NRW, die seit 60 Jahren kulturelle Jugendarbeit begleitet.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Anja Cord

Gegenseitiger Gewinn

Profitiert, da sind sich beide sicher haben sie auf jeden Fall vom FSJ, einmal von dem, was sie im U mit auf den Lebensweg bekommen haben, aber auch von den 26 Seminartagen, die alle FSJler haben. "Das waren themengebundene Angebote aus dem kulturellen bereich, bei denen ich viel gelernt habe. Außerdem waren dort auch andere FSJler aus der Kultur," so Leonie.

Es ist großartig, einen authentischen Kontakt zu Jugendlichen zu haben.

Mechthild Eickhoff

Nicht nur Leonie und Basil haben einen Gewinn aus dem FSJ gezogen, auch Mechthild Eickhoff ist froh über den Austausch mit Jugendlichen im FSJ: "Es ist großartig, dadurch einen authentischen Kontakt zu Jugendlichen zu haben. Wir sind näher dran an ihrer Gefühlslage, ihrer Ausdrucksform und ihrer Lebenslagen. Wir erfahren so viel besser, wie viel Zeit ein Schüler heute hat, oder wie und womit wir junge Menschen erreichen".

Und genauso spannend findet es Mechthild Eickhoff als Mentorin junger, motivierter Menschen im FSJ, ihnen mit der Arbeit im U die Möglichkeit zur Orientierung zu geben und dabei zu zusehen, wie Jugendliche immer deutlicher merken, was sie nach dem FSJ machen wollen.

Basil und Leonie jedenfalls haben das Ziel des FSJ, sich zu orientieren und sich persönlich weiter zu entwickeln erreicht.