Dortmund überrascht. Dich.
Phoenixsee

Aus unserer Stadt

Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Stefanie Kleemann

Wirtschaftsförderung

Kreativkaufhaus am Borsigplatz

19.08.2014, Petra Schrader

Die Nordstadt hat ein neues Kaufhaus. Direkt am Borsigplatz lockt ConcordiArt Menschen an, die auf der Suche nach etwas Besonderem, gar Einzigartigem sind. Denn sowohl alle Existenzgründer als auch die in der Kreativszene etablierten Anbieter, die hier unter dem Dach von ConcordiArt ihre Produkte anbieten, haben kein gewöhnliches Angebot.

ConcordiArt

Frank Artmeier vom Nordstadtbüro findet es wunderbar, wie das Projekt realisiert wurde
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Stefanie Kleemann

ConcordiArt ist ja auch nicht gewöhnlich: im Rahmen der lokalen Ökonomie will die Wirtschaftsförderung mit diesem besonderen Projekt Kaufkraft in den Norden ziehen.

Schon die Einrichtung im Gründerzeithaus am Borsigplatz, schlicht weiß, klassisch und formschön, nimmt Besucher für das ConcordiArt ein. In Eingangsnähe stößt man auf Säfte, die nicht gängig sind: Hier steht Melonensaft neben Granatapfel und nur wenige Meter davon entfernt locken in einer Vitrine Schmuckstücke, allesamt Unikate. Im hinteren Ladenteil steht ein wunderbarer alter Schrank, restauriert strahlt er Stil und Gemütlichkeit aus.

Auf dem Weg dorthin kommt man an Textilien vorbei – teils Bekleidung, teils als Accessoires – passiert gefilzte Gebrauchsgegenständen, vegane Kosmetik, könnte in Büchern stöbern, sich individuelle Särge ansehen oder sich im Café Machbar mit fair gehandeltem Kaffee verwöhnen lassen. So vielfältig wie das Leben im Dortmunder Norden ist das Angebot bei ConcordiArt. Mit einem Fest am 2. Juli feierten Nutzer, Wirtschaftsförderer und viele Akteure offiziell die Eröffnung dieses besonderen Einkaufzentrums.

ConcordiArt

Das Nordstadtbüro der Wirtschaftsförderung hat gemeinsam mit dem Planungsbüro BASTA die Idee zu ConcordiArt als Pilotvorhaben der lokalen Ökonomie in der Nordstadt realisiert
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Stefanie Kleemann

Hochwertiges Angebot

ConcordiArt bietet Malerei und Fotografie, Schmuck und kulinarische Besonderheiten, Bekleidung, ausgesuchte und restaurierte Möbel und Särge, die es sonst nirgendwo gibt. Hier gibt es Raum, um Grafiken, Skulpturen, Fotografien und Illustrationen zu präsentieren. Das Angebot ist durchweg hochwertig, die große Auswahl sorgt jedoch dafür, dass für fast jeden Anlass und jeden Geldbeutel etwas dabei ist. So gibt es Kleinigkeiten, die zum spontanen Kauf verführen ebenso wie hochpreisige Artikel. Passt eine solche kreative, künstlerische und handwerkliche Nutzung an den Borsigplatz?

Früher, in den 60er Jahren war hier ein Tanzlokal.

Frank Artmeier

Natürlich passt das und zwar ganz wunderbar, findet Frank Artmeier vom Nordstadtbüro. Das Nordstadtbüro der Wirtschaftsförderung hat gemeinsam mit dem Planungsbüro BASTA die Idee zu ConcordiArt als Pilotvorhaben der lokalen Ökonomie in der Nordstadt realisiert.

"Wir wollen etwas gegen den Leerstand von Geschäfträumen in der Nordstadt unternehmen. Die Grundidee ist ganz einfach: Wann bewegt sich ein Kunde irgendwohin, wo er sonst nicht hin geht? Na, wie zum Beispiel eben in die Dortmunder Nordstadt. Das macht er dann, wenn es dort etwas zu kaufen gibt, das es sonst nirgendwo gibt", erklärt er. Und deshalb gibt es heute ConcordiArt, ein Kaufhaus, das nicht nur in Dortmund, sondern wahrscheinlich in der Westdeutschen Kreativszene einzigartig ist.

ConcordiArt

Andre Koernig präsentiert in Eingangsnähe fair gehandelten Kaffee und Säfte
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Stefanie Kleemann

Früher ein Tanzlokal

Jahrelang stand das Gebäude, nachdem die Deutsche Bank hier ihre Filiale aufgegeben hat, leer. Früher, in den 60er Jahren war hier ein Tanzlokal, in das die Menschen schick gemacht zum Tanzen gingen: "Das Lokal hieß Concordia und war nicht nur in der Nordstadt bekannt. An diesen Namen knüpfen wir mit ConcordiArt an", erzählt Frank Artmeier.

Er berichtet von den Anfängen des kreativen Kaufhauses: "Die Idee ist im Grunde vor sechs Jahren in Berlin entstanden. Damals, während einer EU-Förderkonferenz gehörte ein Besuch der Hackeschen Höfe zum Rahmenprogramm. Das Konzept, kleine wertige Geschäfte mit hochpreisigem Angebot anzusiedeln, hat mich fasziniert. Später habe ich dann irgendwo einen Film gesehen über Gründerinnen, die in einer Gewerbehalle Regalflächen vermietet haben, für Menschen, die eben keinen ganzen Laden brauchen. So entstand nach und nach die Idee zu ConcordiArt, einem Kaufhaus, in dem verschiedene Anbieter verschiedene besondere Artikel anbieten und sich quasi ein Ladenlokal teilen. Sie können sich zunächst ohne unternehmerisches Risiko am Markt versuchen".

Die Immobilie war schnell gefunden: "Wir sind als Nordstadtbüro seit 2007 hier im Stadtteil, wir kennen alle leeren Ladenlokale und wussten wo wir fündig werden können, wenn wir für ca. 10 bis12 Gewerbetreibende eine Immobilie finden wollen".

Wir wollen etwas gegen den Leerstand von Geschäftsräumen in der Nordstadt unternehmen.

Frank Artmeier

Glück mit Eigentümer

Das Gründerzeithaus an der Wambeler Strasse, mitten am Borsigplatz bot sich. "Wir haben ein ungeheures Glück, das der Spar- und Bauverein als Eigentümer mitmacht. Denn ConcordiArt ist als Modelprojekt in der Trägerschaft der Stadt, aber nach der Projektphase muss man eben sehen, ob das ungewöhnliche Konzept trägt. Diese Unsicherheit macht nicht jeder Vermieter mit. Der Spar- und Bau hat viel investiert, bevor die ersten Kreativen hier einziehen konnten", freut sich Frank Artmeier.

Wer als Gewerbetreibender ins ConcordiArt einzieht, kann seine Geschäftsidee ausprobieren, ohne das Risiko eingehen zu müssen, das ein eigenes Ladenlokal mit sich bringt. So hat hier zum Beispiel Hendrik Müller, ein Dortmunder Fotograf, dessen Aufnahmen sonst nur auf Kunstmärkten zu finden sind, eine Möglichkeit gefunden, um auszuprobieren, ob es einen Markt für seine besonderen Postkarten gibt.

ConcordiArt

Schon die Einrichtung im Gründerzeithaus am Borsigplatz, schlicht weiß, klassisch und formschön, nimmt Besucher für das ConcordiArt ein
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Stefanie Kleemann

Selbstorganisation

Den Verkauf erledigen die Nutzerinnen und Nutzer des ConcordiArt selbst. Im Testbetrieb haben sie vor der Eröffnung im Juli einige Wochen lang Erfahrungen mit dem Kassensystem gesammelt, gelernt, wie Umsätze geordnet werden und auch, wie untereinander geregelt wird, dass die Präsenszeiten im Kreativkaufhaus abgedeckt werden können. Immerhin hat das ConcordiArt bis 19 Uhr geöffnet. Während der Öffnungszeiten sind für Kundinnen und Kunden immer zwei Ansprechpartner im Kaufhaus.

Menschen können sich in Ruhe umschauen, lesen und beraten werden.

Sascha Bender

"Wir organisieren uns selbst und haben das gemeinsame Ziel, den Laden zum Laufen zu bringen", erklärt Andre Koernig vom Café Machbar. Und auch Sascha Bender von Black Pigeon, dem Libertären Buchladenkollektiv, das seinen Platz im hinteren Teil von ConcordiArt gefunden hat, sagt: "Wir wussten vorher, worauf wir uns einlassen. Hier können wir unsere Bücher aus kleinen Wirtschaftsverlagen anbieten. Menschen können sich in Ruhe umschauen, lesen und beraten werden. Natürlich berate ich auch bei den anderen Dingen die verkauft werden. Wenn ich nicht weiter weiß, stelle ich einen Kontakt zwischen Kunden und Gewerbetreibenden her".

Und noch etwas ist wichtig an ConcordiArt: "Die Wirtschaftsförderung kommt hier nicht nur mit Worten und guten Idee. Wir leben mit ConcordiArt vor, dass es auch anders geht und man Immobilien so vermieten kann, dass aktiv die lokale Ökonomie gestaltet wird", erläutert Frank Artmeier.

Wir müssen über den Stadtteil hinaus bekannt werden.

Andre Koernig

Für Andre Koernig ist klar, was er ConcordiArt wünscht: "Wir müssen über den Stadtteil hinaus bekannt werden. Wir brauchen Kunden von außerhalb. Auch solche, die einen Tisch für vierhundert Euro kaufen können". Doch auch für alle, die weniger Geld ausgeben wollen, ist das ConcordiArt ein einzigartiges Kaufhaus in dem man etwas Originelles und Schönes kaufen kann. Etwas, das es sonst nirgendwo sonst zu kaufen gibt.