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Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Stefanie Kleemann

Museum für Naturkunde

Museum für Naturkunde: Einpacken vor dem Umbau

02.04.2015, Petra Schrader

Mit der Museumsnacht Ende September 2014 verabschiedete sich das Naturkundemuseum an der Münsterstraße für die nächsten zwei Jahre von seinen Besuchern. Nach seinem Umbau wird das besucherstärkste Dortmunder Museum mit einem neuen Ausstellungskonzept wieder eröffnet. Doch zunächst müssen Exponate so gesichert und verstaut werden, dass der Umbau möglich ist.

Naturkundemuseum

Präparatorin Hildegund Kordon macht den Gesteinsbrocken "reiseferig" zund befreit ihn zunächst mit einem kleinen Pinsel Zentimeter um Zentimeter von Staub und Dreck. Danach trägt sie Kunstharz auf, das in die Poren und Risse sickern kann.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Anja Cord

Vor dem Haus steht der große LKW einer Spedition, die sich darauf spezialisiert hat, Kunstwerke zu transportieren. Im Haus stehen große und kleine Kisten, meist aus Holz, manche noch leer, andere bereits sorgfältig verschlossen. In der Eingangshalle, wo sonst zwei Dinosaurier Kinderherzen höher schlagen ließen, steht zwischen all den Kisten ein großer weißer Berg. Dr. Jan-Michael Ilger, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Museum für Naturkunde, erklärt, was hier so gut abgepolstert und verpackt ist: der größere der beiden Saurier, der Iguanodon, der auch in der neuen Ausstellung nach dem Umbau seinen Platz behalten soll. Er kann trotz des Umbaus stehen bleiben, in seiner unmittelbaren Umgebung wird nicht so viel gebaut. Insgesamt gilt es für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter innerhalb einiger Wochen beinahe 3500 Objekte einzupacken oder doch zumindest aus den Vitrinen zu entfernen. Teils werden sie im Magazin im Museum für Naturkunde eingelagert, teils außerhalb.

Zwischen Kisten und Vitrinen

In der ersten Etage ist Hildegund Kordon, Geologische Präparatorin, schon seit Tagen zwischen Kisten und Vitrinen ziemlich eingespannt. Eigentlich arbeitet sie als Teilzeitkraft an drei Tagen in der Woche. Daran ist in diesen Zeiten jedoch nicht zu denken: "Ich bin morgens da, wenn der Hausmeister aufschließt, und ich gehe abends als letzte, mit demjenigen, der wieder abschließt", sagt sie. Aber wenn alle Exponate sicher untergebracht sind und der Umbau beginnt, das hat sich Museumsleiterin Dr. Dr. Elke Möllmann vorgenommen, wird die Zeit genutzt, damit alle jetzt stark belasteten Beschäftigten in den Freizeitausgleich gehen können. Wer schon einmal im Naturkundemuseum war, kennt sicher auch den Wagen mit dem großen Kohlebrocken, der unter der Kuppel zu sehen war. Während des Umbaus soll er ausgelagert werden.

Naturkundemuseum

Dr. Jan-Michael Ilger kann sicher sein: Der Fischsaurier ist gut verpackt
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Anja Cord

Klingt simpel, ist es aber nicht, denn das Objekt ist nicht irgendein Stück Stein, sondern ein Exponat im Museum und hat somit neben seiner geologischen Beschaffenheit auch eine Geschichte: "Der Kohlebrocken ist rund 300 Millionen Jahre alt und mit seinen 800 kg sehr schwer. Er stammt aus der ehemaligen Zeche Minister Stein, die hier in der Nachbarschaft war. Lehrhauer haben ihn unter dem Museum rausgehauen und extra für das damals neue Haus samt Palettenwagen zur Verfügung gestellt", erzählt Hildegund Kordon. Sie kennt die Exponate am Naturkundemuseum besonders gut, denn als sie vor gut dreißig Jahren ihre Stelle hier antrat, war das Museum gerade zur Münsterstraße umgezogen und es galt noch Kisten auszupacken.

Exponate vorbereiten

Bevor der Kohlebrocken jedoch in eine eigens angefertigte Kiste verschwinden kann, hat Hildegund Kordon noch einige Tage lang daran zu tun, den Gesteinsbrocken "reisefertig" zu machen: "In den letzten 30 Jahren ist der Brocken trockener und spröder geworden. Das wäre kein Problem, wenn er jetzt nicht bewegt werden würde. Aber durch Erschütterungen beim Transport im LKW verändert sich das Gefüge des Gesteins, miteinander verzahnte Körner würden sich bewegen", erläutert sie. Deshalb befreit sie den Kohlebrocken nun zunächst mit einem kleinen Pinsel Zentimeter um Zentimeter von Staub und Dreck. Danach trägt sie Kunstharz auf, das in die Poren und Risse sickern kann. Erst wenn das durchgehärtet ist, gibt die Präparatorin den Kohlebrocken zum Transport frei.

Naturkundemuseum

Vorsichtig wird der große Bergkristall aus der Vitrine geholt
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Anja Cord

Wenige Meter weiter steht eine schmale, hohe Kiste, fertig für den Abtransport. Ein Klebezettel gibt Auskunft über den Inhalt und Dr. Jan-Michael Ilger erklärt: "Alle Exponate, die ausgelagert werden müssen haben einen solchen Zettel, der eingescannt wird. So wissen wir dank digitaler Technik immer, wo einzelne Exponate gerade sind und können sie beim Aufbau der neuen Ausstellung schnell finden." Der Museumsmann gesteht, wie schwer es ist, Exponate aus dem Haus gehen zu sehen: "Wir Museumsleute wollen sammeln und bewahren, nicht abgeben und auslagern", sagt er. Zurück zur hohen schmalen Kiste: Hier ist am Vortag die fünf Zentimeter dünne Gesteinsplatte mit dem Fischsaurier verpackt worden. "Wir alle haben dabei Blut und Wasser geschwitzt", sagt Dr. Jan-Michael Ilger. Denn fünf Zentimeter sind nicht besonders dick und die Tafel ist so groß, dass Spannungen leicht zu Beschädigungen führen können. Doch nun wartet der Fischsaurier in seiner gut gepolsterten Spezialkiste stehend auf den Abtransport.

Geordnet abbauen

Soweit ist es mit dem Höhlenbären, der bislang in seiner Nachbarschaft stand, noch nicht. Teile von ihm liegen gut gepolstert auf Verpackungsmaterial auf dem Fußboden, andere warten noch auf die Demontage: "Wir machen das mit der Spedition zusammen, schließlich müssen wir genau wissen, wo und wie welches Teil montiert war", sagt Hildegund Kordon.

Wir machen ein Abstecher nach unten ins Magazin, irgendwie ein Herzstück des Museums. "Seit vor fast drei Jahren bekannt war, dass wir umbauen, habe ich angefangen, im Magazin Platz für die Exponate der Dauerausstellung zu schaffen.

Naturkundemuseum

Vorsichtig wird der große Bergkristall aus der Vitrine geholt
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Anja Cord

Wir haben hier mehr als 1500 teils sehr kleine Exponate, die müssen akribisch beschriftet und digital erfasst werden, schließlich wollen wir später kein ‚Gesteinsmemory’ haben", sagt Hildegund Kordon und bei einem kleinen Rundgang wird klar: Das Magazin ist eine eigene Geschichte wert.

Anspannung

Es wird Zeit wieder in die Ausstellungsräume zu gehen. Auf dem Weg erzählt Dr. Jan-Michael Ilger, der erst seit Dezember zum Team hier am Museum gehört, wie privilegiert er seine Situation empfindet: "Das ist etwas ganz besonders, so einen Neuanfang eines Museums mitzuerleben. Das gibt es maximal einmal in einer Generation."

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Während des Umbaus kann Saurier Iguanodongeschützt in der Eingangshalle bleiben. Er wird auch in die neue Dauerausstellung integriert
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Anja Cord

Jetzt gilt es, einen wunderschönen 650 kg schweren Bergkristall aus der Vitrine zu heben. Die Männer von der Spedition arbeiten mit weißen Handschuhen und äußerster Vorsicht. Zu groß ist die Gefahr, dass der Kristall unter Spannung gerät oder in Schieflage kippt. Die Anspannung ist den Männern anzusehen. Einer versucht den Hubwagen unter das Holzgestell, auf dem der Kristall steht, zu schieben. Die Vitrine ist dafür zu eng, es ist nur Platz für eine der beiden Metallzinken - das sorgt nicht für Stabilität. Zwei Männer sind mit in die Vitrine geklettert, um den Kristall zu sichern. Langsam wird gezählt, "eins, zwei, drei", dann heben sie vorsichtig, unterstützt durch den Hubwagen den Kristall aus der Vitrine.

Aufmerksam beobachtet von Hildegund Kordon, die darüber wacht, dass niemand an den falschen Stellen zupackt. Dr. Jan-Michael Ilger kämpft derweilen gegen den Impuls an, mit anzupacken und hat eine Gänsehaut, aber: "Das überlasse ich lieber den Experten." Endlich ist es geschafft, der Kristall steht auf einer Holzpalette wird bald in einer Kiste verschwinden. Und weiter geht es für Hildegund Kordon und Dr. Jan-Michael Ilger zu anderen Exponaten die eingepackt werden müssen. Nicht mehr lange und der Umbau kann beginnen.