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Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Stefanie Kleemann

Unionviertel

Hofcafé im Kiez

04.06.2015, Anja Kador

Kochen hat die Ex-Berlinerin Claudia Lüdtke von ihrer Oma gelernt. Die hatte einen Bauernhof und immer frisches Gemüse im Garten. Entspannung findet Claudia beim Grünzeugschnibbeln für ihre frisch gekochten Suppen. Ihre Mission: Die Gäste glücklich machen, die in ihr Hofcafé kommen. Das liegt etwas versteckt im Innenbereich des Union Gewerbehofes an der Huckarder Straße - unweit vom Dortmunder U.

Claudia Lüdtke

Kochen hat die Ex-Berlinerin Claudia Lüdtke von ihrer Oma gelernt
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Stadt Dortmund, Stefanie Kleemann

Im Hofcafé gibt es ehrliche Speisen

"Frisch gekocht, einfach und ehrlich", so sind die Speisen, die die Café-Quereinsteigerin ihren Kunden serviert: Espresso, gebraut mit einem italienischen Originalgerät, Panini, liebevoll belegt mit besten Zutaten, selbst hergestelltes Pesto, um Gnocchi und Nudeln den letzten Pfiff zu verpassen, frisch gebackenes Brot - das Rezept ist ihr Geheimnis - und natürlich Kuchen aus dem eigenen Ofen. Jeder findet das Richtige für seinen Geschmack, ob zum Frühstück, Lunch oder zum Nachmittags-Kaffee.

In ihrem ersten Berufsleben war Claudia im Außendienst-Vertrieb einer Dessousfirma erfolgreich. "Ich war immer unterwegs. Zwar fuhr ich einen Firmenwagen und hatte ein gutes Einkommen. Aber ständig musste ich in Hotels übernachten, immer woanders." Das wollte sie irgendwann nicht mehr. Und hat gekündigt. Einfach so - ohne etwas Neues in Aussicht zu haben. Dass sie sich irgendwann einmal selbständig machen wollte, wusste sie irgendwie schon immer. Angst? Nein, die kennt sie nicht: "Ich habe gedacht, irgendetwas werde ich schon machen. Wenn man aufgeschlossen ist und an Dinge glaubt, dann wird das schon."

"Frisch gekocht, einfach und ehrlich"

Claudia Lüdtke

Unionviertel: Ein Kiez, der sich entwickelt

Damals wohnte sie bereits in Dortmund: "Wenn ich von einer Reise zurückkam und dann das U gesehen habe, hatte ich ein Gefühl von Heimat", erzählt Claudia. In dieser Stadt und besonders in diesem Viertel an der Rheinischen Straße, wo sie auch wohnte, wollte sie beruflich neu starten: "Ich habe gemerkt, das sich der Kiez entwickelt. Ich hatte dieses Feeling, dass ich das mit gestalten wollte." Außerdem fand sie: "Die Leute quatschen hier nicht, die packen an. Und hier hat immer ein Café gefehlt!"

Claudia Lüdtke

Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Stadt Dortmund, Stefanie Kleemann

So begab sie sich auf die Suche nach einem geeigneten Ladenlokal für die Unternehmung. Fündig wurde sie im Union Gewerbehof. Etwas versteckt zwar, aber gerade richtig für den Einstieg in die Selbständigkeit. Kleine heimelige Räume, mit der Option für ein paar Tische Außengastronomie auf dem schnuckeligen Hof inmitten alter Industriegebäude: Geboren war das Hofcafé. Das war im März 2012.

"Wenn ich von einer Reise zurückkam und dann das U gesehen habe, hatte ich ein Gefühl von Heimat"

Claudia Lüdtke

Ort der Begegnung

Hier konnte sich die Flohmarktliebhaberin auch ganz ihrer Leidenschaft für Möbel mit eigener Geschichte hingeben. Sie richtete das kleine Hofcafé mit alten Sesseln und Stühlen, Uromas Küchenbuffet, schnörkeligen Lampen und verschiedenen Tischchen ein. Herausgekommen ist dabei ein Café mit einer ganz persönlichen Note: Wer möchte, bekommt neben guten Speisen auch Claudias Geschichten zu jedem einzelnen Möbelstück geboten.

Claudia Lüdtke

Der Innenbereich des Union Gewerbehofes an der Huckarder Straße - unweit vom Dortmunder U
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Stadt Dortmund, Stefanie Kleemann

Überhaupt gilt Claudias besondere Hingabe den Menschen und der Kommunikation mit ihnen. Es geht ihr nicht nur ums Essen. Ihre Philosophie: "Ich wollte bei aller Alltagshektik einen Raum der Begegnung schaffen - wo man sich trifft, miteinander redet und sich vernetzt." Ihre Stärke sei das Zuhören und Leute zusammen zu bringen. Sie freut sich, wenn ihr Hofcafé zur Drehscheibe für neue Verbindungen wird. Wie bei der Studentin, die eines Tages im Hofcafé einkehrte und mit der Wirtin ins Plaudern kam. Bei der Suche nach einem Praktikumsplatz konnte Claudia, die in ihrem Viertel Gott und die Welt kennt, sofort helfen. Sie packte postwendend den Inhaber einer kleinen, im Union Gewerbehof ansässigen Firma am Schlafittchen, nachdem dieser Claudias Mittagssüppchen ausgelöffelt hatte, und setzte die beiden an einen Tisch. Am Ende freuten sich Studentin und Firmeninhaber über ihre neue Kooperation in Sachen Berufspraktikum.

"Ich wollte bei aller Alltagshektik einen Raum der Begegnung schaffen - wo man sich trifft, miteinander redet und sich vernetzt."

Claudia Lüdtke
Claudia Lüdtke

Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Stadt Dortmund, Stefanie Kleemann

Zweimal im Jahr Hof-Flohmarkt

Und als ob die Organisation des Hofcafés mit morgendlichem Einkauf frischer Zutaten, kochen, backen und servieren noch nicht genug sei, organisiert Claudia regelmäßig zweimal im Jahr einen Hof-Flohmarkt. Getreu dem Motto "Was uns gefällt, passt auch zusammen" treffen sich hier die Menschen, um Kellerfund, poppige Kleider, Handwerksarbeiten und Kunstobjekte feil zu bieten. In diesem Jahr soll es auch erstmalig einen Weihnachtsmarkt auf dem Gewerbehof geben.

Stillstand ist nicht der Wirtin Ding. Ideen sind dazu da, verwirklicht zu werden. Also hat das Hofcafé mittlerweile einen Ableger bekommen. Seit Dezember 2014 können die Gäste im Straßencafé an der Rheinischen Straße ihre Suppe auch mit Blick auf das Dortmunder U genießen. "Wir kochen und die Menschen essen." So einfach ist das, findet Claudia Lüdtke.