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Aus unserer Stadt

Phoenixsee
Bild: Dortmund-Agentur / Stefanie Kleemann

22.12.2015Kultur

Babys ausdrücklich erwünscht

Für Eltern mit Neugeborenen gibt es nur wenige Freizeitangebote, bei denen sie die Kleinen mitnehmen können. Ob im Kino, im Theater oder in der Oper – Babygeschrei ist unerwünscht und zieht böse Blicke auf sich. Wenn sich kein Babysitter findet, dann müssen Mama und Papa eben zu Hause bleiben. Elena Hesterkamp

Baby Konzert

Lupe: Klicken zum Vergrößern Bei den "Babykonzerten" sitzt das Publikum mit dem Orchester auf der Bühne
Bild: (c) Anneliese Schürer

Dass das nicht immer so sein muss, zeigen zwei Veranstaltungen in Dortmund: Das "Kinderwagenkino" im sweetSixteen-Kino und die "Babykonzerte" im Konzerthaus. Die Dortmund-Redaktion hat sich die beiden Angebote genauer angeschaut.

Kino mit den Kleinsten

Ein Paar große Kinderaugen fixieren die leuchtende Kinoleinwand. Levin liegt mit dem Bauch auf einer großen grünen Krabbeldecke, vergnügt klatscht er mit den Händen auf den Boden. Levin ist acht Monate alt und trotzdem ist Kino für ihn nicht Neues. Seine Mutter Sarah Seidensticker bringt ihn bereits zum dritten Mal mit zum "Kinderwagenkino". Kino mit Kind und Kinderwagen, das gibt es in ganz Nordhein-Westfalen nur im sweetSixteen-Kino im Depot an der Immermannstraße.

Zum "Kiwaki" bringen Eltern ihre Babys mit, den Kinderwagen parken sie im Saal. "Kiwaki": So nennen Peter Fotheringham und Suse Solbach, die Betreiber des sweetSixteen, ihr "Kinderwagenkino" in Kurzform. Kino-(Ent)spannung um 10.30 Uhr, jeden ersten Montag im Monat. Theoretisch ist das Angebot offen für alle Babybegleiter: Mütter, Väter, Omas, Opas. Meist sind es jedoch Mütter, die sich zum "Kiwaki" verabreden.

Nicht nur die Tatsache, dass Babys mitgebracht werden dürfen, macht das "Kinderwagenkino" einzigartig, sondern auch die kleinkindgerechte Umgebung. Auf der großen Krabbeldecke liegen viele Kissen und Stofftiere zum spielen bereit. Der Film läuft in verminderter Lautstärke und der Kinosaal bleibt während der gesamten Vorstellung leicht beleuchtet.

Zitat "Zum "Kiwaki" bringen Eltern ihre Babys mit, den Kinderwagen parken sie im Saal"  - Peter Fotheringham

Die kleinen Kinobesucher sollten nicht älter als zwölf Monate sein. "Das ist die ärztliche Empfehlung, weil ältere Kinder den Film stärker wahrnehmen und deswegen nicht so gut verarbeiten können", erklärt Peter Fotheringham. Daher gibt es beim "Kiwaki" keine jahrelangen Stammgäste, aber solche, die über ein Jahr immer wieder kommen – und das nicht nur aus Dortmund, sondern auch aus der Umgebung.

Babykonzert

Lupe: Klicken zum Vergrößern Vor den Sitzreihen ist eine große Krabbeldecke ausgebreitet
Bild: Gaye Suse Kromer

Den Film wählen die Zuschauer aus dem laufenden Programm. Auf welches Genre die Wahl fällt, ist dabei ganz unterschiedlich. "Es gibt schon die Tendenz zu was Schönem ohne Gewalt", sagt Suse Solbach. "Aber man merkt auch: Die Mütter kommen mit dem Bedürfnis nach was fürs Herz hier her, aber der Anspruch schlummert doch." Auch Filme im Original mit Untertiteln sind bei den Gästen beliebt. Fotheringham erklärt weshalb: "Da können die Zuschauer mitlesen, während die Kinder Krach machen."

An diesem Tag haben die Besucherinnen für eine Komödie abgestimmt. Sie handelt von einer überforderten Mutter – die Frauen müssen schmunzeln. Sarah Seidensticker und ihre Freundin Sarah Kreuzer haben auf einem kuscheligen Sofa Platz genommen. Die anderen Mütter sitzen auf den Plätzen der ersten Reihe oder auf der Krabbeldecke bei ihrem Nachwuchs. Levin hat inzwischen eine Stoffschildkröte zum Objekt seines Interesses erkoren.

Zitat "Alle hier sitzen im selben Boot. Wenn das Kind schreit, ist das nicht so schlimm. Das ist ein gutes Gefühl."  - Sarah Kreuzer

Die Decke verdunkelt sich, der Film beginnt. Die Babys krabbeln ihre Runden, spielen mit Stofftieren und Rasseln und beäugen sich gegenseitig. Levin bleibt die meiste Zeit ruhig, schaut immer wieder auf die Leinwand. Andere Kinder erkunden nur kurz die Umgebung und wollen dann wieder auf den Arm. Immer wieder gibt es Gegluckse, Gebrabbel und Geschrei. Doch niemand stört sich daran.

Auch Sarah Kreuzers sieben Monate altes Söhnchen Leo wird zwischendurch unruhig, und seine Mutter nimmt ihn auf den Arm. Sie sagt: "man weiß ja, worauf man sich einlässt. Alle hier sitzen im selben Boot. Wenn das Kind schreit, ist das nicht so schlimm. Das ist ein gutes Gefühl."

2009 wurde das sweetSixteen-Kino eröffnet, circa ein Jahr später lief das erste Mal "Kinderwagenkino". "Die Initialzündung kam vom Familienbüro. Wir bekamen einen Anruf von der Stadt Dortmund, ob wir uns vorstellen könnten, so etwas anzubieten", erzählt Fotheringham. "Nachdem wir im kleinen Kreis diskutiert hatten, kam es zur Umsetzung." Suse Solbach ergänzt: "Wir fanden es wichtig, das Format anzubieten. Die Eltern sind begeistert, mit ihren Babys ins Kino zu gehen"

Baby Konzert

Lupe: Klicken zum Vergrößern Auf Matten können die Gäste es sich gemütlich machen
Bild: (c) Anneliese Schürer

Das sind sie unbestreitbar. Als der Film vorbei ist, schlendern die Mütter zufrieden aus dem Kinosaal. Für die 31-jährige Julia Knies war das "Kiwaki" eine ganz neue Erfahrung. "Ich finde alles hier so liebevoll gestaltet. Ich will auf jeden Fall wiederkommen." Den ersten Teil des Films hat ihr Söhnchen Leo verschlafen, später nahm er die Spielsachen ins Visier. Levin ist inzwischen wieder an seine Mutter gekuschelt – tiefenentspannt, wie den ganzen Film über. Sarah Seidensticker will mit ihm wiederkommen, so lange es noch geht.

Babys auf der Bühne

Beim "Kinderwagenkino" sitzen die Besucher vor, anstatt auf den Sitzreihen, bei den "Babykonzerten" im Konzerthaus Dortmund herrscht eine ebenso bemerkenswerte Sitzordnung: Die Gäste sitzen auf der Bühne. Bereits in der dritten Spielzeit werden diese besonderen Konzerte der Dortmunder Philharmoniker nun angeboten, zurzeit in Verbindung mit der Reihe "Wiener Klassik" – und sie sind jedes Mal binnen weniger Wochen ausverkauft.

Die "Babykonzerte" sind in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich. 30 bis 40 Musiker finden sich auf der Mitte der Bühne ein. Rund um das Orchester stehen Stühle und liegen Matten verteilt, auf denen die großen und kleinen Besucher es sich gemütlich machen können. Kommen können – wie zum "Kiwaki" im sweetSixteen – Eltern, Großeltern, Tageseltern, Tanten und Onkel – allerdings mit Babys bis zu zwei Jahren. Auch Geschwisterkinder sind willkommen. Spielzeug, Fläschchen und Kekse für die Kleinen dürfen mitgebracht werden.

Baby Konzert

Lupe: Klicken zum Vergrößern Sarah Kreuzer und Sarah Seidensticker sind froh, dass ihre Kinder im Kino ebenso willkommen sind
Bild: Gaye Suse Kromer

Natürlich spielen die Philharmoniker bei den "Babykonzerten" keine donnernden Symphonien wie von Mahler, sondern eher "friedlichere Musik", wie Schürer es formuliert. "Die Wiener Klassik ist für die Babykonzerte optimal – gespielt werden zum Beispiel Haydn, Schubert und Beethoven. Es sind auch mal Blechbläser dabei, aber die Musik hat keinen so hohen Lautstärkepegel, ist nicht zu impulsiv für die Babys."

Baby Konzert

Lupe: Klicken zum Vergrößern An der Theke des sweetSixteen-Kinos gibt es sowohl Bier als auch Bio-Limo
Bild: Gaye Suse Kromer

Maximal 100 Besucher passen auf die Bühne, sonst wird es zu eng um die Musiker. Anneliese Schürer, die Pressesprecherin der Dortmunder Philharmoniker erzählt lachend: "Die Kleinen krabbeln wie der Wind. Einmal stand ein kleiner Knirps am Dirigentenpult und wackelte im Takt mit dem Hintern."

30 Minuten dauert ein Konzert – eine Symphonie lang. Recht kurz, will man meinen, aber Babys haben nicht so eine lange Konzentrationsspanne, wie Schürer erklärt. "Die Kleinen sammeln eine Menge musikalischer Eindrücke." Je älter die Konzertbesucher werden, desto länger dauert das Programm für sie. Für Kinder ab drei Jahren geben die Philharmoniker die "Sitzkissenkonzerte", Kinder ab sechs Jahren können mit zu den "Familienkonzerten".

Zitat "Die Kleinen krabbeln wie der Wind. Einmal stand ein kleiner Knirps am Dirigentenpult und wackelte im Takt mit dem Hintern"  - Anneliese Schürer

Die Atmosphäre beim "Babykonzert" ist eine ganz andere als beim klassischen Konzertbesuch. Babys hören nicht nur andächtig zu, sondern schreien auch mal los. "Die Kinder reagieren ganz unterschiedlich. Manche sitzen stillschweigend auf ihren Plätzen, andere sind superneugierig und wollen die gesamte Umgebung erkunden", erzählt Schürer.

"Der Dirigent und die Musiker müssen sich natürlich viel stärker konzentrieren, aber sie freuen sich, wenn Leben im Haus ist."

Ob die "Babykonzerte" ein dauerhaftes Angebot der Dortmunder Philharmoniker werden, ist noch offen. "In der nächsten Spielzeit wird es auf jeden Fall wieder drei Babykonzerte im Konzerthaus geben.", so Schürer. Die Termine und Programme für die beliebte Reihe werden mit dem neuen Spielplan des Theater Dortmund vorgestellt.

Zum Thema

Tickets für die Babykonzerte im Konzerthaus kosten 5 Euro. Für Kinder bis 14 Jahre kostenlos. Für das Kinderwagenkino im Sweet Sixteen gelten reguläre Eintrittspreise: 7 Euro / 6 Euro ermäßigt / Kinder bis 12 Jahre 4 Euro

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