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Fahrrad

Radfahrbeauftragter für attraktive Nahmobilität

03.02.2016, Petra Schrader

Carsten Elkmann ist Radfahrer aus Überzeugung und seit Mitte August 2015 Radfahr- und Fußgängerbeauftragter der Stadt Dortmund. Sein Ziel ist es, mehr Menschen dazu zu bewegen, ihre alltäglichen Wege mit dem Rad oder zu Fuß zurückzulegen und ihnen die dafür notwendigen Voraussetzungen zu schaffen: Von einer barrierefreien Nahmobilität bis hin zu sicheren Abstellanlagen für Fahrräder aller Art.

Carsten Elkmann, Radfahr- und Fußgängerbeauftragter der Stadt Dortmund, auf einem Rad auf dem Friedensplatz

Carsten Elkmann, Radfahr- und Fußgängerbeauftragter der Stadt Dortmund, kann mit seinem Lastenrad auch Küchenmöbel transportieren
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Stefanie Kleemann

Das Büro von Carsten Elkmann, seit August 2015 Radfahr- und Fußgängerbeauftragter der Stadtverwaltung liegt in der 8. Etage des Tiefbauamtes. Direkt hinter der Tür steht, nein, kein Tourenrad, sondern ein filigranes rotes Einrad. Den fragenden Blick beantwortet er amüsiert: "Nein, nein, das würde mich nicht tragen, es gehört meiner Tochter." Auch wenn er Einrad fahren kann, sind sein Ding mehr die größeren Fahrräder und so manchem ist er mit seinem Lastenrad vielleicht schon einmal im Stadtbild aufgefallen.

"Ich bin mit Leib und Seele Radfahrer und habe nun die Chance, etwas umzusetzen, für das ich brenne"

Carsten Elkmann

Der passionierte Radler steigt nämlich auch dann aufs Rad, wenn es gilt, Küchenmöbel zu transportieren, die bei einem großen schwedischen Möbelhaus gekauft wurden. "Doch, mit dem Lastenrad geht das. Gar kein Problem", erklärt er. Bevor er zum neuen Radfahr- und Fußgängerbeauftragten wurde, war Elkmann Klimaschutzmanager im Umweltamt. Zum Wechsel meint er: "Hier kann ich noch mehr für den Klimaschutz tun! Ich bin mit Leib und Seele Radfahrer und habe nun die Chance, etwas umzusetzen, für das ich brenne. Und dann konnte ich auch noch mein Lieblingsprojekt mitnehmen: Die Förderung der Kinder- und Jugendmobilität mit dem ‚So läuft das‘ Konzept."

Carsten Elkmann in der Radstation

Carsten Elkmann ist passionierter Radfahrer - künftig kann er sein Fahrrad bequem in der Radstation am Hauptbahnhof parken
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Mehr agieren als reagieren

Probleme in der Infrastruktur beseitigen bzw. zu verhindern, dass sie entstehen, ist für ihn eine der wichtigsten Aufgaben in seiner neuen Tätigkeit: "Wir wollen den Radfahrerinnen und Radfahrern in Dortmund Angebote machen, die so attraktiv sind, dass sie das Auto stehen lassen", sagt er. "Statt nur zu reagieren, wollen wir agieren, also Maßnahmen ergreifen, die noch nicht nachgefragt sind, aber die aktuelle Situation verbessern". Die Einrichtung einer kostenfreien Fahrradwache am Rathaus während der Weihnachtsmarktzeit war eine solche Maßnahme. Es sind notwendige Impulse, die deutlich machen, dass Radfahren gewollt und sehr willkommen ist, auch in der kalten Jahreszeit.

"Wir wollen den Radfahrerinnen und Radfahrern in Dortmund Angebote machen, die so attraktiv sind, dass sie das Auto stehen lassen"

Carsten Elkmann

Sein Auftrag ist umfassend: "In naher Zukunft soll der Anteil der Menschen, die ihre alltäglichen Wege mit dem Rad, zu Fuß oder mit dem ÖPNV zurücklegen, deutlich anwachsen. Immer noch erledigen Dortmunderinnen und Dortmunder annähernd die Hälfte ihrer Wege mit dem Auto. Das ist eindeutig zu viel, möchte man einen attraktiven Lebensraum gestalten und dafür sorgen, dass weniger Lärm, Luftschadstoffe oder klimaschädliche Gase freigesetzt werden." Das Potenzial für eine alternative Mobilität zu Fuß oder per Rad ist gewaltig, ist sich Elkmann sicher. Die Mehrzahl aller Wege liegt in einem Bereich der kürzer ist als 5 Kilometer, die also bequem mit dem Rad oder zu Fuß zu machen sind. In Ergänzung dazu können die "Öffentlichen" oder das Carsharing für weitere Distanzen genutzt werden.

Schriftzug "Radstation"

Die kürzlich eröffnete Radstation am Hauptbahnhof bietet 440 bewachte Stellplätze
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Umdenken ist erforderlich

Bislang wurden die Belange des Rad- und Fußverkehrs zu oft nachrangig betrachtet. Das gilt für die Verwaltung ebenso, wie für die Politik in Dortmund. Straßen wurden in den meisten Fällen von innen nach außen geplant. Das bedeutete, zuerst wurde der motorisierte Verkehr betrachtet, danach die Belange der Fußgänger und erst dann die Infrastruktur des Radverkehrs. Möchte man die alternative Mobilität fördern, bedarf es der Planung von außen nach innen. Nur so kann sichergestellt werden, dass eine attraktive Situation für die Nahmobilität geschaffen wird. In einer entsprechenden Sensibilisierung der Planer und der Verantwortlichen in der Politik sieht Elkmann den Schwerpunkt seiner Aufgaben. Wie soll das gehen? "Es geht darum, mit allen Beteiligten aus Politik und Verwaltung sowie aus den Verbänden, die Radfahrer und Fußgänger vertreten, ins Gespräch zu kommen. Für mich zeigt sich Erfolg, wenn es zu einem Umdenken in den Köpfen gekommen ist", sagt Carsten Elkmann.

"Für mich zeigt sich Erfolg, wenn es zu einem Umdenken in den Köpfen gekommen ist"

Carsten Elkmann

Zu den weiteren Aufgaben neben der Verbesserung der Infrastruktur gehören auch Serviceleistungen, welche die Alltagsmobilität ohne Auto attraktiver machen. Hierzu zählen beispielsweise gute Karten oder Kartenanwendungen, mit denen Routen geplant werden können oder ausreichende und sichere Abstellanlagen zu schaffen, wie die kürzlich eröffnete Radstation am Hauptbahnhof mit 440 bewachten Stellplätzen. Auch die Möglichkeiten mehrerer Verkehrsmittel miteinander zu verknüpfen muss aus Elkmanns Sicht viel mehr kommuniziert werden: "Bereits heute ist es problemlos möglich, einen Teil des Weges mit Bus und Bahn zurückzulegen und dann mit dem Rad, dem eigenen oder einem Leihrad fortzusetzen oder eben umgekehrt."

Beirat Nahmobilität

Im Beirat Nahmobilität, der sich jetzt gründet, sollen künftig Empfehlungen erarbeitet werden, damit geplante Infrastrukturmaßnehmen den Anforderungen an eine barrierefreie Nahmobilität entsprechen. Die Geschäftsführung dieses Beirats wird eine weitere Aufgabe des Radfahr- und Fußgängerbeauftragten sein. Für Carsten Elkmann ist dabei so manches Neuland. "Ich lese mich gerade ein, lerne das Straßenverkehrsrecht genauso kennen wie die Richtlinien für den Bau von Straßen, Rad- und Fußwegen. Und natürlich lerne ich alle Akteure kennen, baue Kontakte auf und aus", erzählt er.

Um eine spürbare Veränderung zu gewährleisten, muss bekannt sein, welche Defizite wo vorhanden sind. Bei der Ermittlung des Handlungsbedarfs wird Carsten Elkmann von Beate Viets unterstützt. Sie erfasst Mängelmeldungen in einer neu angelegten Datenbank und koordiniert die Mängelbeseitigung mit den betroffenen Kolleginnen und Kollegen des Tiefbauamtes sowie aus weiteren Fachämtern. "Für Hinweise sind wir sehr dankbar. Nur so können wir die richtigen Weichen stellen. Es gibt viele Möglichkeiten, uns zu erreichen, das geht telefonisch oder auch direkt via E-Mail", so Beate Viets.

"Scouts, die sowieso in Sachen Rad- oder Fußverkehr kompetent unterwegs sind, sollen Mängel an Infrastruktur digitalisiert erfassen"

Carsten Elkmann

Täglich mehrfach lassen Radfahrerinnen und Radfahrer die Verwaltung wissen, was sie in Dortmund als verbesserungswürdig empfinden. Für den Radfahr- und Fußgängerbeauftragten Carsten Elkmann sind diese Informationen sehr wertvoll: "So können wir die Prioritäten erkennen. Das Verfahren zur Defiziterfassung wollen wir weiter ausbauen. Scouts, die sowieso in Sachen Rad- oder Fußverkehr kompetent unterwegs sind, sollen Mängel an Infrastruktur digitalisiert erfassen", sagt Elkmann. Und ist schon bei seiner nächsten Planung: Wenn alle Akteure mitmachen, soll es für Dortmund und die Region nach Berliner Vorbild bald ein Fahrradmagazin geben. "Das Magazin soll ein rundum Sorglos-Paket sein. Hier finden sich dann Tourenempfehlungen, Routen, Freizeittipps, Kaufempfehlungen, Werkstattinfos und vieles mehr."

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Kontakt:
Carsten Elkmann
(0231) 50-2 41 03