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Aus unserer Stadt

Bild: Dortmund-Agentur / Stefanie Kleemann

Geschichte

30 Jahre Bergbauende und Strukturwandel

31.03.2017, von Wirtschaftsförderung Dortmund

Die Zeche Minister Stein steht für den Wandel der alten Hansestadt Dortmund zur Industriemetropole und den folgenden Strukturwandel. Mit dem Ende dieser Ära begann eine neue Zeitrechnung. Heute steht Dortmund für Events, Digitales, Wissenschaft, Technologie und ist ein globales Synonym für erfolgreichen Strukturwandel.

Luftbild Minister Stein

Ein Luftbild der Zentralanlage Minister Stein 1930 in Eving
Bild: Hermine Oberück

Als die Kumpel der Zeche Minister Stein vor 30 Jahren ein letztes Mal einfuhren, war das ein negativer Höhepunkt in einer schwierigen Zeit für Dortmund. Sie war geprägt vom Verlust der Montanindustrie, der mit massenhaftem Stellenabbau einherging.

Die Schließung von Minister Stein stand in einer langen Reihe von Arbeitsplatzverlusten. Insgesamt stieg die Arbeitslosenquote in Dortmund 1986 auf einen Höchstwert von 18,1 Prozent. Das zeigt die enorme Bedeutung des Stellenrückbaus im produzierenden Gewerbe und im Bergbau während dieses Jahrzehnts in Dortmund.

Heute ist von der 1857 gegründeten Zeche in Eving nur noch der alte Zechenturm als Baudenkmal zu sehen. Mit harter Arbeit haben die Menschen in der Montanindustrie den Aufstieg Dortmunds ermöglicht. Er ist untrennbar mit ihnen verbunden. Genauso untrennbar ist die jahrhundertelange Zuwanderung mit der Region und ihrem Wachstum verbunden.

Arbeit und Zuwanderung bilden das Fundament, das den Wandel der letzten drei Jahrzehnte ermöglichte. Der Mut der Dortmunderinnen und Dortmunder, sich auf den Wandel einzulassen, und der Konsens in der Stadt zwischen allen gesellschaftlichen Gruppen, ermöglichte den zweiten Aufstieg der Stadt.

Vor der Schließung Minister Stein (1945-1987)

In der Zeit des Wiederaufbaus ab 1945 wurde die Förderung von Kohle in den Zechen wieder aufgenommen. Die Industrieanlagen erfuhren eine Modernisierung und die hohe Nachfrage nach Stahl und Eisenprodukten sorgte für eine Ausdehnung der Produktionsanlagen. Die Bevölkerung wuchs. Die einseitige Orientierung der Märkte führte allerdings zu einer einseitigen Ausrichtung der Branchenstruktur.

Zwar gab es 1953 ein hohes Bevölkerungswachstum und eine historisch niedrige Arbeitslosenquote von 2,3 Prozent. Durch die Fixierung auf den Bergbau und die Stahlproduktion ergab sich jedoch gleichzeitig eine starre Wirtschaftsstruktur, die nur geringe Reaktionsmöglichkeiten gegenüber den anstehenden Veränderungen bot.

Zeche Minister Stein Siedlung Eving

Wohnen und arbeiten an einem Ort: Siedlung in Eving nah dem Hammerkopfturm
Bild: Martin Büttner

Diese Veränderungen traten mit der ersten Bergbaukrise Ende der 1950er Jahre ein. Der Energiemarkt änderte sich und damit ging eine Abwärtsentwicklung der Kohleförderung einher. Die ersten Arbeiter im Bergbau erhielten ihre Entlassungspapiere.

Die Auflösung der starren Strukturen begann, die sich vor allem durch Schließungen zahlreicher Zechen und den Rückgang der Eisen- und Stahlproduktion bemerkbar machte. Man versuchte diesen bereits Ende der 1960er Jahre durch strukturelle Reorganisation zu begegnen, etwa durch die Fusion von Firmen und die Gründung von Einheitsgesellschaften, wie der Ruhrkohle AG. Mit der Gründung der Universität 1968 legte Dortmund mithilfe der Landesregierung einen vollkommen neunen Schwerpunkt auf die Entwicklung als Wissenschaftsstandort.

Der nächste Schock traf die Stadt durch die Verschärfung der Stahlkrise ab Mitte der 1970er Jahre. Hier reagierte Dortmund mit einer neuen Ausrichtung der Strukturpolitik. In den Jahren 1982 und 1983 wurde das Kooperationszentrum gegründet, womit die verschiedenen Akteursnetzwerke zusammengeführt wurden. Die dafür gängige Bezeichnung "Dortmunder Konsens" bringt die Geschlossenheit zum Ausdruck und verdeutlicht die Reichweite dieses Schrittes.

Zechenbetrieb vor der Stilllegung

Letzter Tag für die Kumpel: Am 31.03.1987 stellte Minister Stein den Förderbetrieb ein
Bild: Jörg Boström

In dieser Zeit wurden auch das Technologiezentrum und der Technologiepark gegründet, wodurch die wirtschaftsstrukturelle Entwicklung der Stadt einen räumlichen Schwerpunkt nahe der Universität bekam. So konnten Synergieeffekte zwischen den einzelnen Akteuren genutzt werden. Eine mutige Entscheidung, in der die Montanindustrie noch weithin sichtbar war. Diese Entscheidung stellte jedoch die Weichen für die Zukunft.

Nach der Schließung Minister Stein (1988-2010)

In Dortmund sind in den 1990er Jahren zwei weitere Phasen des Strukturwandels zu beobachten. Die erste Phase konzentrierte sich auf den Dienstleistungssektor, wobei die Beschäftigtenzahlen vor allem im Bankenwesen und bei den Versicherungen zunahmen. In der zweiten Phase gab es eine Zunahme an Unternehmen der Informationswirtschaft. Dortmund förderte wissensintensive Leitbranchen und positionierte sich unter dem Leitbild eines modernen Banken- und Versicherungsstandortes.

MST.factory

Wandel zum Technologiestandort: 2002 eröffnete auf PHOENIX-West die MST.factory, Kompetenzzentrum für Mikro- und Nanotechnologie
Bild: Benito Barajas

Durch die Abnahme der Beschäftigtenzahl in Gewerbe und Industrie und neue Formen der Organisation und Steuerung zwischenbetrieblicher Material- und Informationsflüsse kam es in Dortmund sowohl zu einem Übergang zur Dienstleistungsökonomie als auch zu Strukturverschiebungen innerhalb des industriellen Sektors.

Ende der 1990er Jahre erarbeitete die Stadt mit einer Unternehmensberatung und weiteren Akteuren das "dortmund-project". Es sollte die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Stadt Dortmund durch den Aufbau von Wachstumsbranchen steigern. Mit der Universität und dem Technologiezentrum als Grundsteinen der neuen Clusterpolitik sollten an unterschiedlichen räumlichen Schwerpunkten in Dortmund die drei innovativen Leitbranchen IT, Mikrosystemtechnik und Logistik etabliert werden.

Mit dem Start des "dortmund-projects" im Jahr 2000 entstanden zahlreiche Branchenschwerpunkte. Beispiele hierfür sind die auf moderne Informationstechnologien spezialisierte "B1st Software-Factory" an der Bundesstraße B1, eröffnet im Jahr 2001, der e-port als Kompetenzzentrum für E-Logistik am Hafen, eröffnet im Jahr 2002, die MST-Factory als Firmenstandort und Gründerzentrum im Bereich Mikrosystemtechnik, eröffnet in den Jahren 2005 und 2007 oder das Zentrum für Produktionstechnologie, eröffnet 2008.

Die beiden letztgenannten haben ihren Standort auf dem Gelände des ehemaligen Hochofens Phoenix. Gleichzeitig hat sich neben der Anzahl der Beschäftigten in den innovativen Branchen auch die Anzahl der Gründerwettbewerbe wie start2grow und daraus entstehender kleiner und mittlerer Unternehmen erhöht. Zusammen mit Projekten zur Aufwertung des Dortmunder Einzelhandels entstand so eine Mischung innovativer Branchen und neuer Beschäftigungsmöglichkeiten.

Thomas Westphal, Geschäftsführer Wirtschaftsförderung Dortmund, Dr. Sylvain Tourel, Geschäftsführer SIT - Soft Intelligent Therapeutics, Sylvia Tiews, Teamleiterin start2grow zum neuen Gründungswettbewerb start2grow | 34

Dortmund zieht StartUps an: Mit dem Wettbewerb start2grow wurden seit dem Jahr 2000 mehr als 1100 Firmen gegründet.
Bild: Wirtschaftsförderung Dortmund

Dortmund ist Digitales Oberzentrum, führender Logistikstandort, Wissenschafts- und Technologiekraftzentrum in Westfalen. Mehr als erfreulich: Bevölkerung und Wirtschaft wachsen. Gleichzeitig ist die Wirtschaft so breit aufgestellt, dass die Finanzkrise in Dortmund nicht zu Einbrüchen geführt hat.

Eine gravierende Folge des Umbruchs ist auch 30 Jahre nach Ende des Bergbaus noch da: Die strukturell hohe Langzeitarbeitslosigkeit. Hier wird Dortmund im Rahmen eines bundesweit einzigartigen Modellversuchs des kommunalen Arbeitsmarkts auch wieder als Pionier nach vorne gehen.

Heute

Seit dem Jahr 2000 ist die Zahl der Erwerbstätigen in Dortmund im Dienstleistungsbereich auf 267.400 Erwerbstätige gestiegen. Landesweit erreicht Dortmund damit einen Spitzenwert in der Top 3 unter den kreisfreien Städten. Erstmals seit 1983 erreichte Dortmund damit wieder ein Beschäftigungsniveau der damaligen Zeit, als Kohle, Stahl und Bier die größten Arbeitgeber waren.

Amazon-Logistikzentrum in Dortmund

Die Zahl der Erwerbstätigen steigt stetig, das lockt Investoren. Versandhändler Amazon baut auf der ehemaligen Westfalenhütte ein neues Logistikzentrum und schafft mehr als 1000 Jobs.

Dortmund gilt mittlerweile als erfolgreicher Gründungsstandort und verzeichnet über dem Durchschnitt liegende Zuwachsraten. Seit 2000 bis heute wurden bei start2grow über 3.500 Businesspläne eingereicht, die zu mehr als 1.100 Gründungen mit mehr als 3.500 Arbeitsplätzen führten.

Die Tourismusentwicklung vermerkt einen stetigen Zustrom an Gästen. Eine Folge daraus ist der spürbare Hotelboom. Doch nicht nur zu Besuch zieht es Menschen nach Dortmund. Immer mehr bleiben zum Leben und Arbeiten. Seit zehn Jahren steigt die Einwohnerzahl kontinuierlich. Im letzten Jahr fiel die 600.000er Marke.

Zum Thema

Das historische Datum wird zum Anlass genommen, gemeinsam mit allen Instituten und Unternehmen als Nachfolger der Zeche Minister Stein, am 31. März 2017 unter dem Titel "Weiter in die Zukunft", einen Aktionstag auf dem ehemaligen Zechengelände durchzuführen.