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100 Jahre BVB

Leuchte auf mein Stern...

29.10.2009, Von Gaye Suse Kromer

Ein Meer an Menschen zieht zum größten Fußballstadion Deutschlands, gen Signal Iduna Park. Nach jeder Seitengasse kommen weitere dazu. Gelächter dringt aus den umliegenden Kneipen, erwartungsfrohe Gesprächesfetzen über „unsere Jungs“ fliegen von Grüppchen zu Grüppchen. Kleine und Große, Alte und Junge mit Schals, Mützen oder Trikots ausgestattet. Hier muss nur eines stimmen, die Farbe „schwatz-gelb“. Es ist nicht irgendein Tag, sondern Heimspieltag der Borussia.

Dr. Reinhard Rauball im Dortmunder Ratsaal

BVB-Präsident Dr. Reinhard Rauball gab der Dortmund-Redaktion im Ratssaal ein Interview
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Die BVB-Anhänger werden oft als die einfallsreichsten und bedeutendsten Fans der Fußball-Welt beschrieben. Ihr Einfallsreichtum zeichnet sich durch die manchmal sehr kreativen Kleidungsentwürfe und Gesänge aus, ihre Bedeutung durch die Treue zum Verein.

"Es gibt kein größeres Gefühl als ein Heimspiel. Die Fans jubeln gemeinsam, und sie leiden gemeinsam. Sich in guten Zeiten mit der Mannschaft freuen, kann jeder, aber in schwierigen Zeiten den Spielern den Rücken stärken - das machen eben nicht alle Fans!", erklärt Dr. Reinhard Rauball, Präsident der Borussia sowie der Deutschen Fußball Liga und angesehener Jurist. Nach eigenen Angaben kennt er niemanden, der den Fußball nicht liebt.

Fritz Eckenga im Signal Iduna Park

Kabarettist und Dauerkartenbesitzer Fritz Eckenga gab der Redaktion auf der Trainerbank die Ehre
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Leben in schwarzgelb

Die kennt Fritz Eckenga, Dauerkartenbesitzer und Kabarettist, auch nicht: "Ich kenne noch nicht mal welche, die doofe Fragen zum Fußball stellen, jedenfalls keine Dortmunder..." Weil? "Weil dieser Sport in unserer Stadt ein fester Bestandteil des Lebens ist. Die Menschen hier 'atmen' den BVB. Fußball findet in Dortmund überall statt!" Vor allem findet er im Signal Iduna Park, der Heimat der Borussia, statt. Still sitzen, müde klatschen ist die Sache der BVB-Fans nicht.

Die gigantischen Maße fordern die Kreativität der Fans

Dr. Reinhard Rauball

Leidenschaft will gezeigt werden. "Die Spezialität der Südtribüne mit ihren originellen Choreografien hat eine beeindruckende Einmaligkeit", so Dr. Rauball. Und die Choreografien haben genug Platz im Stadion mit über 80.000 Plätzen, davon allein 25.000 Stehplätze auf der Südtribüne – damit besitzt der Signal Iduna Park die größte Stehplatztribüne Europas. Eine weitere Motivation für die Fans, ist Dr. Rauball überzeugt: "Die gigantischen Maße und die gute Einsehbarkeit fördern und fordern die Kreativität der Fans zusätzlich."

Südtribüne

Die Südtribüne zeigt bei Heimspielen beeindruckende Choreografien

Die gesamte Palette der Emotionen – Euphorie, Jubel, Trauer, Glück, Tränen – gehören zum Erlebnis Fußball wie das Tor auf den Platz. Allzumal beim BVB. "Das Stadion, die Spiele, das Flutlicht – Fußball ist wie ein Rausch!", schwärmt Fritz Eckenga, der so häufig, wie es der Terminkalender zulässt, inmitten der Schwarzgelben steht.

Familienbande

Auch weit über Dortmund hinaus findet sich die Anhängerschaft zusammen: Die Borussia hat über 500 offizielle Fanclubs mit mehr als 25.000 Mitgliedern rund um den Globus. Vielen liegt der Verein im Blut. "Mein Vater", erklärt Eckenga, "hat mich zum ersten Mal mitgenommen, da war ich sechs Jahre. Damals noch zum Stadion Rote Erde – die frühere Heimstätte der Borussia. Das Erlebnis war gewaltig!" Und der Kabarettist mit dem schwarzgelben Bazillus "infiziert".

Fritz Eckenga im Signal Iduna Park

Eckenga ist seit seinem sechsten Lebensjahr mit dem BVB-Bazillus infiziert
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Bis zur Teenagerzeit gab es dann fast nur noch das runde Leder. "Fußball ist weniger ein Hobby. Ich vergleiche es lieber mit Mahlzeiten." An denen kommt schließlich auch kein Mensch vorbei. Während ihn damals sein Vater mit "auff’n Platz" nahm, ist es heute umgekehrt. "Aber ich gehe auch gerne mit Freunden von außerhalb, etwa Berlin, ins Stadion." Der BVB – ein echtes Ereignis, sogar für Hauptstädtler.

Fußball ist weniger ein Hobby. Ich vergleiche es lieber mit Mahlzeiten.

Fritz Eckenga

Dr. Rauball weiß das zu schätzen: "Der Verein ist in seiner langen Geschichte bodenständig geblieben. Das haben wir auch den Fans zu verdanken. Der BVB legt sehr viel Wert auf fannahe Strukturen. Wir betreiben intensive Fanarbeit, die Anhänger haben Mitspracherecht und können sich darüber hinaus in Foren austauschen."

Stolperstein zur Erinnerung an Heinrich Czerkus

Ein Stolperstein erinnert an den BVB-Platzwart und NS-Gegner Heinrich Czerkus

Niemand geht so ganz

Bei aller Euphorie in der Gegenwart ist die Vergangenheit nicht vergessen. Im Gegenteil. Sie geht förmlich auf im Stadtbild – wortwörtlich. Viele Borussia-Mitglieder waren aktiv am Widerstand gegen die Nationalsozialisten beteiligt, so wie BVB-Platzwart Heinrich Czerkus. Er nutzte die Vervielfältigungsmaschinen des Vereins für Pamphlete gegen das Regime. Seinen Protest bezahlte er mit dem Leben. Ein Stolperstein im Dortmunder Norden sowie eine Gedenktafel am Stadion Rote Erde würdigen heute seinen mutigen Einsatz. Außerdem soll nach Heinrich Czerkus eine Straße benannt werden.

Viele der Altvorderen sind weiterhin aktiv – nicht mehr auf dem Rasen, dafür aber im und für den Verein. Der Ex-BVB-Kapitän und Mittelfeldspieler Michael Zorc etwa arbeitet bei der Borussia als Sportdirektor. Alfred "Aki" Schmidt (ehemals Mittelfeld) war bis 2007 Fanbeauftragter und ist heute im Verein als Kassenprüfer tätig. Sein Nachfolger als Fanbeauftragter ist der frühere Stürmerstar Siggi Held.

Dr. Reinhard Rauball im Dortmunder Ratsaal

Für Dr. Rauball war die dritte Amtszeit keine Frage von "Ja" oder "Nein"
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Soeren Spoo

Die ehemaligen Spieler Wilhelm Burgsmüller (Abwehr), "Hoppi" Kurrat (Mittelfeld), Theo Redder (Abwehr), Alfred Niepieklo (Sturm) und Wolfgang Paul (Abwehr) gehören dem Ältestenrat der Borussia an – Paul sogar als Vorsitzender. Die Liste ließe sich fortsetzen.

So war es für Rauball auch keine wirkliche Entscheidung zwischen "Ja" oder "Nein", als ihm die Frage nach einer dritten Amtsperiode als BVB-Präsident angetragen wurde: "Ein 'Nein' war definitiv nicht drin. Es ging um alles. Ich sah die Notwendigkeit anzupacken." Und das tat er. Einmal BVB, immer BVB gilt nicht nur für die Fans.

Offensichtlich mit einiger Berechtigung heißt es am Ende der bekanntesten BVB-Hymne "Leuchte auf mein Stern Borussia":

"Leuchte auf mein Stern Borussia,
leuchte auf, zeig mir den Weg.
Ganz egal wohin er uns auch führt,
ich werd immer bei dir sein ..."