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Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Stefanie Kleemann

Ein Viertel wird Union

Stadtumbau Rheinische Straße abgeschlossen

29.03.2019, Katharina Kavermann

10 Jahre zuvor an der Hauptachse zwischen dem Westen Dortmunds und der Innenstadt: Das Gelände der geschlossenen Union-Brauerei war eine Brachfläche, ihr großer Kühlturm renovierungsbedürftig. Hinzu kam eine ungünstige Verkehrsführung. Bewohnerinnen und Bewohner des angrenzenden Viertels fühlten sich vom Stadtleben "ausgegrenzt".

Fassade The London Police Brinkhoffstr

Zeichen des Wandels: Mural am Königswall mit U-Turm im Hintergrund
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Stadt Dortmund / Roland Gorecki

November 2018: Bei der Abschlussveranstaltung "Stadtumbau Rheinische Straße" gibt es die gelungene Neugestaltung des Areals zu feiern. Petra Paplewsky, Mitarbeiterin der Stadterneuerung, erinnert sich noch gut an die Anfänge: "So ein Projekt kann man nicht am Schreibtisch machen, sondern nur mit den Menschen vor Ort. Deswegen haben wir von Anfang an auf Bürgerbeteiligung gesetzt." Teamleiterin Kerstin Furkert ergänzt: "Dadurch ist ein tolles Miteinander entstanden, aus Beschäftigten der Stadtverwaltung, der Bezirksvertretung und besonders der engagierten Bürgerschaft." Am Ende seien sogar ein paar Tränen des Abschieds geflossen, gibt Paplewsky wehmütig zu.

Beide Mitarbeiterinnen sind Teil des Teams Stadtumbau Rheinische Straße im Amt für Stadterneuerung. Sie haben gemeinsam mit den Akteuren aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Politik vor Ort an einem lebenswerten Viertel gearbeitet und dafür bis heute 29 Maßnahmen, etwa die kreative Gestaltung der Brinkhoffstraße oder den Umbau der Langen Straße, für über 12 Millionen Euro umgesetzt.

Schöner wohnen

Ein verbessertes Wohnumfeld war eines der wichtigsten Ziele für das Viertel, in dem rund 10.000 Menschen auf einer Fläche von 155 Hektar leben. Damit zählt es zu einem der dicht besiedelten Viertel Dortmunds. Die Vorbereitungen zum Kulturhauptstadtjahr Ruhr.2010 gaben den Startschuss für erste Änderungen. Als Leuchtturmprojekt wurde das Dortmunder U, ein Überbleibsel der ehemaligen Union Brauerei, inklusive der umliegenden Brachfläche saniert und mit neuen Nutzungen gefüllt. Die Verlegung der Stadtbahn in den Untergrund machte den Weg frei für die Umgestaltung der oberirdischen Verkehrsachsen.

Der Aufbau von Netzwerken und Strukturen, wie den Unionviertel-Verein und das Quartiersmanagement sowie die Baumaßnahmen im öffentlichen Raum animierten Wohnungsunternehmen und Hausbesitzer ebenfalls zum Handeln. "Ohne die Eigentümerinnen und Eigentümer wären die positiven Änderungen nicht möglich gewesen", resümiert Ludger Wilde, Planungsdezernent der Stadt. "Das Ergebnis ist heute ein attraktives Viertel, das als jung und lebendig gilt."

Dazu tragen auch die großen Wandmalereien, die sogenannten Murals und ebenso kleine grüne Oasen wie der Drei-Bäume-Park bei. Zusätzlich ist heute die Verkehrsführung überarbeitet: Anstelle von zwei Einbahnstraßen gibt es nun die mehrspurig befahrbare Rheinische Straße, wodurch sich die Anbindung zwischen dem Westen und der Innenstadt deutlich verbesserte.

Ohne die Eigentümerinnen und Eigentümer wären die positiven Änderungen nicht möglich gewesen. Das Ergebnis ist heute ein attraktives Viertel, das als jung und lebendig gilt.

Ludger Wilde, Planungsdezernent der Stadt Dortmund

Schöner arbeiten

Weiterer wichtiger Faktor für ein lebenswertes Viertel: eine starke lokale Wirtschaft. Hier sorgte ein Mix aus altbekannten Lokalitäten und Neueröffnungen für neuen Schwung im Viertel und führte zu Gründungen und Zusammenschlüssen. So hat sich mit der InWest eG eine Stadtteilgenossenschaft gegründet, die sich auch nach Abschluss des Stadtumbaus gemeinschaftlich für das Viertel einsetzt.

Wichtiger Dreh- und Angelpunkt für Freischaffende, Kreative und Kleinunternehmer ist der Union Gewerbehof. Das gemeinschaftlich genutzte Gebäude ist ein Beispiel dafür, wie ehemalige industrielle Bauten sinnvoll umgenutzt werden können. Seit den 1980er Jahren in Betrieb, ist der Hof Arbeits- wie Veranstaltungsort in einem und bietet mittlerweile 90 Startups, Kleinunternehmern und Künstlern Platz.

Schöner leben

Neben baulichen Änderungen an Wohn- und Bürogebäuden war die Aufwertung des öffentlichen Raums eine weitere Maßnahme der Stadterneuerung. Der Westpark zeigt sich heute in frischem Gewand und ist um eine neue Bocciabahn und eine Mosaikbank reicher. Hier ist jeder willkommen zum Verweilen. Der Park bietet darüber hinaus Platz für Feiern und Veranstaltungen. Für die Jüngsten wurden Spielplätze im Stadtteil umgebaut und erweitert.

Ein renovierter Bolzplatz, den die Urbanisten e. V. gemeinsam mit den zukünftigen Nutzern gestalteten, ist neuer Anlaufpunkt für die junge Generation. Sie findet auch im umgestalteten Jugend- und Kulturcafé (JKC) wieder einen Raum für sich. "Es hat sich nicht nur baulich etwas geändert, sondern auch im Sozialen: Das Viertel ist zusammengerückt. Heute gibt es mehr Miteinander, mehr Begegnungsstätten und insgesamt einen besseren Zusammenhalt", freut sich Ludger Wilde.

Projektbeteiligte beim Stadtumbau Rheinische Straße

Freuen sich, das Projekt Rheinische Straße erfolgreich zu Ende geführt zu haben: Planungsdezernent Ludger Wilde und die Kolleg*innen der Stadterneuerung Kerstin Furkert, Benjamin Steiling, Petra Paplewsky (von links)
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Stadt Dortmund / Gaye Suse Kromer

U wie Union

Seinen heutigen Namen gab sich das Viertel übrigens einfach selbst: In einem moderierten Workshop haben Interessierte aus dem Stadtteil an der Eigenbezeichnung gearbeitet. Schnell fiel die Entscheidung auf "Unionviertel", einem Namen, der Vergangenes mit Neuem verbindet. Denn Union steht nicht nur für die ehemalige Union Brauerei und damit für die alte Dortmunder Wirtschaftsstruktur aus Kohle, Stahl und Bier. Es steht auch für das neue Dortmunder U und den Union Gewerbehof. Außerdem steht Union für Zusammenschluss und ist daher Sinnbild für das neue Miteinander im Viertel.

Es hat sich nicht nur baulich etwas geändert, sondern auch im Sozialen: Das Viertel ist zusammengerückt. Heute gibt es mehr Miteinander, mehr Begegnungsstätten und insgesamt einen besseren Zusammenhalt.

Ludger Wilde, Planungsdezernent der Stadt Dortmund

"Eine Stadt ist niemals fertig"

Bei der Abschlussveranstaltungen feierten zwar alle Beteiligten das Ende des Stadtumbaus Rheinische Straße, doch wird das Viertel zukünftig nicht sich selbst überlassen. "Eine Stadt ist niemals fertig", weiß Kerstin Furkert und gibt einen Ausblick: "Den Umbau der westlichen Rheinischen Straße konnten wir bislang noch nicht umsetzen, auch die HSP-Brachfläche sehen wir als Chance, diesen Bereich strukturell neu zu entwickeln."

Die Bezirksvertretung Innenstadt West kümmert sich selbstverständlich weiterhin um die Belange der Menschen vor Ort und finanziert zum Beispiel aus eigenen Mitteln ein "kleines" Quartiersmanagement, damit weiterhin Zivilgesellschaft und Stadtverwaltung gemeinsam wirken können.