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Phoenixsee

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Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Stefanie Kleemann

Freizeit Zentrum West

Rock da house

18.11.2009, Von Gaye Suse Kromer

Schon seit dem Morgen warten sie bei eisigem Wind beharrlich vor der Eingangstür: Die – zumeist weiblichen – Fans von Bela B., Sänger und Drummer der Deutschrock-Band „Die Ärzte“. Er wird abends sein Solo-Stelldichein im neuen Freizeit Zentrum West (FZW) geben. Die geräumige Haupthalle des Dortmunder Konzert- und Veranstaltungstempels will gefüllt werden. Und sie wird es auch – das Konzert ist ausverkauft.

Daniel Binder und Volker May

Projektleiter Daniel Binder und Booking-Chef Volker May vor der neu entstehenden kreativen Kulisse des U-Turms

Die Halle präsentiert sich einladend mit Empore, einer zehn Meter hohen Decke, beeindruckender Lichtanlage und viel Platz im Publikumsraum. Was im Moment gähnend leer ist, fasst bei Veranstaltungen rund 1.300 Gäste. Mit dem Umzug vom Kreuzviertel in den Innenstadtbereich hat sich einiges verändert.

Projektleiter Daniel Binder: "Im Vergleich zum alten Standort ist das FZW mit Haupthalle, Clubraum, Gastronomie, Foyer und Backstagebereich dreimal so groß geworden". Und moderner. "Wir haben die Gelegenheit bekommen, uns räumlich und inhaltlich neu aufzustellen – und die haben wir genutzt", resümiert Binder nach knapp 140 Tagen Eröffnung.

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Für ihn stehen die Mädels sogar schon morgens am Eingang: Bela B., Die Ärzte-Drummer und Sänger
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Lisa Meinen/VISIONS

Großzügige Fensterfronten vor dem FZW-Gastrobereich geben den Blick auf das ehemalige Gelände der Union-Brauerei frei. Um das FZW herum, das am Fuße des U-Turms liegt, wird emsig verladen, gebaggert und gebaut. Wortwörtlich können Gäste dem zukünftigen Kreativviertel der Stadt beim Wachsen zuschauen. "Wenn alles fertig ist, sind wir inmitten der kreativen Szene", freut sich Volker May, Booking- und Event-Chef. Mit der Möglichkeit sich gegenseitig zu puschen ist der Ort unbestritten ein klarer Standortvorteil.

Auch am FZW wird noch gebaut, erweitert und umgestellt wie etwa in der Gastronomie. Bis zu 220 erhitzte Gäste löschen hier ihren Durst mit Bier oder Antialkoholischem. Ab Frühjahr 2010 wird außerdem eine kleine Küche einsatzbereit sein.

Volker May

Volker May will bekannte und unbekannte Musiker im FZW etablieren

Ehrgeizig blicken Binder und May schon auf den Sommer: "Wenn die ersten Sonnenstrahlen die Revierstadt wärmen, wird in diesem Jahr auch der Biergarten für 400 Menschen auf dem Außengelände der Gastronomie eingeweiht. Eine Grillstation soll dann Hungrige draußen verköstigen."

Zurück zu Neuem

Zum furiosen Auftakt Mitte September lief noch nicht alles glatt. Geburtswehen eben. "Wir sind ein motiviertes Team. Jeder setzt sich persönlich für den Erfolg ein. Mit so einer Einstellung können wir schiefe Situationen schnell korrigieren", ist May überzeugt.

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The Hives reisten extra zum 20-jährigen Jubiläumsfest der Musikzeitschrift Visions ins FZW
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Lisa Meinen/VISIONS

Und das ist gut so, denn hier wird praktisch rund um die Uhr gearbeitet: Sobald ein Konzert beendet und abgebaut ist, laufen die Vorbereitungen für die nächste Veranstaltung. Das bedeutet jede Menge logistische Herausforderungen, die nur mit einer gut aufgestellten Belegschaft zu bewältigen sind.

fzw

Mehr Platz für Musiktrucks: FZW-Außengelände
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): FZW / Klaus Müller

"Wir haben hier inzwischen unsere neue Heimat gefunden. Das Neue besteht vor allem aus 'back to the roots'", grinst Binder. Wie jetzt – neu oder zurück zu den Wurzeln? "Wir knüpfen Netzwerke auf kooperativer Basis unter dem Motto 'Nichts muss, alles kann', orientieren uns wieder stärker an jungen Inhalten." Das FZW hat sich mit seiner Entstehung im Jahr 1968 Nachwuchsförderung, Vielfalt und Vernetzung auf die Fahnen geschrieben.

Lass’ krachen

Kleine, bekannt und unbekannte Bands gehören zur Subkultur wie das Mikro auf die Bühne. Die unterschiedlichen Szenen leben von originellen musikalischen Impulsen. Das FZW lädt dazu in seinen kleinen, intimen Club ein. Was heißt "klein": Immerhin können sich 300 Menschen im Club tummeln und tanzen.

Unbestritten, es gibt natürlich sehr viel größere Hallen. Chefbooker May dazu: "Die fehlende Größe machen wir wett mit der außergewöhnlich guten Akustik in unseren Räumen und den ambitionierten Programmen".

10 Jahre eldoradio Konzert im FZW

Die Elektro-Pop-Band Phoenix waren ein überraschender Renner mit ausverkaufter Halle
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Sebastian Steinfort

"Ausverkauft" ist deshalb kein seltenes Phänomen im FZW. Musiker geben sich die Klinke in die Hand: von regional-kurios wie "Honigdieb", überregional-beliebt wie "Max Herre" oder "The Baseballs" bis international-abgefahren wie "Alice in Chains", "Doro" und "Him". "Klar, wir kriegen mit den Top-Acts unsere Halle voll, wollen aber auch gleichzeitig mehr Dortmunder Szene und unbekannte Bands ins Haus holen", so Binder.

Beides muss sich ja nicht ausschließen, finden er und May. Blauäugig? Mitnichten. Beide sind erfahrende "Musikarbeiter". "Wir sind uns klar darüber, dass neue Formate sich ihre Wege erst bahnen müssen. Erfolg ist oft eine Frage von Kontinuität und Durchhaltevermögen", erklärt Binder. "Und wenn wir was haben, dann das," lacht May.

Party im FZW

Auf den regelmäßigen Firestarter Partys darf gerockt werden
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): firestarter.de

Top 5

Mit dem Umzug ist ein bisschen was geblieben, einiges ist einer Relaunch unterzogen worden und vieles ist neu. Zu den festen Größen im "alten" FZW gehörte die "Ü-30-Party". Jeden Mittwoch konnten die über 30-Jährigen feiern, flirten oder einfach auf ein Getränk vorbei schauen. Den Abend gibt es noch immer, jetzt allerdings monatlich jeden vierten Samstag als "Clubnight". Außerdem wurde der Partykalender für jüngeren Semester deutlich erweitert.

In der Reihe "Campus-Ahoi" erholen sich Studierende jeden Donnerstag bei feiner Musik und günstigen Getränken vom akademischen Alltag. "Die Partys, Events und vor allem die musikalischen Acts sind, jede für sich genommen, schon Vorzeigeobjekte. Uns ist wichtig, über den Tellerrand zu schauen, die Menschen der Region, die die Szenen ja erst beleben, dort abzuholen, wo sie stehen", meint Binder.

The Whitest Boy Alive

Zunächt ein Geheimtipp, dann eine Festivalentdeckung und schon im FZW: die Indie-Musiker von Whitest Boy Alive
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Inga Geiser

Das Dortmunder FZW arbeitet nicht alleine vor sich hin. Die Feststellung ist sowohl für den Projektleiter, als auch für den Booking-Chef sehr wichtig. May dazu: "Wir haben absolut keine Berührungsängste mit Fremdagenturen. Im Gegenteil. Veranstalter aus Köln, Düsseldorf, Bochum schauen aufmerksam nach Dortmund, produzieren hier sogar schon ihre Acts wie eben Bela B. oder Culcha Candela".

Organisation und Logistik sind gut aufgestellt – und das FZW damit ein begehrter Partner. Komfortablerer Backstage, optimale Ladewege für musikalisches Equipment, vernünftige Sanitäranlagen hüben wie drüben, hervorragende Akustik in Halle und Club: Das schätzen die Gäste, das schätzt die Musikbranche.

Und das sind Vorraussetzungen, von denen das kreative Viertel, Dortmund und mithin die gesamte Region nur gewinnen kann. Wo soll’s denn zukünftig hingehen? Binder und May lächeln: "Wir wollen unter die Top fünf der deutschen Clubs!" Die Chancen stehen mehr als gut...