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Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Stefanie Kleemann

Bibliothek

"Die Googleisierung vorantreiben"

10.10.2019, Torsten Tullius

Immer weniger Menschen greifen, wenn sie sich unterhalten oder informieren wollen, auf Gedrucktes zurück. Tageszeitungen werden zunehmend als E-Paper genutzt. Das Ausleihen von Büchern in Bibliotheken geht deutschland- und europaweit stetig zurück, während die Zugriffe auf E-Books steigen. Dieser Entwicklung wird die Stadt- und Landesbibliothek Dortmund mit dem Angebot der Digitalen Bibliothek plus, kurz DigiBib plus, gerecht.

Hans-Christian Wirtz erklärt in seinem Büro die Vorzüge der DigiBib plus.

Hans-Christian Wirtz, stellvertretender Leiter der Stadt- und Landesbibliothek.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Stadt Dortmund / Anja Kador

DigiBib plus gibt außerdem Antworten auf veränderte Lerngewohnheiten, gerade der jüngeren Generation, die anstelle des Brockhaus' im Regal Wissensinhalte digital über Suchmaschinen wie Bing oder Google abruft.

Über die städtische Homepage dortmund.de gelangt der/die Nutzer*in auf die Startseite der Bibliothek. Dann genügen ein Klick auf "DigiBib Suchmaschine" und die Anmeldung mit Bibliotheksausweisnummer und PIN, um den Service zuhause am PC oder mit mobilen Endgeräten zu nutzen. Mit den Recherchemöglichkeiten der DigiBib plus ermöglicht die Stadt- und Landesbibliothek den Nutzer*innen eine professionelle wissenschaftliche Literatursuche. Hans-Christian Wirtz, stellvertretender Leiter der Stadt- und Landesbibliothek, dazu: "Wir müssen uns fragen: Was brauchen unsere Zielgruppen neben dem 'klassischen' Angebot einer Bibliothek wie ausgewählter Literatur, Spielen, DVDs oder Kinderbüchern? Wenn diese eine wissenschaftliche Zeitschrift benötigen, dann stellen wir die zur Verfügung." Es gilt, so Wirtz weiter, "die 'Googleisierung' der Bibliotheken voranzutreiben, weil uns sonst gerade die jüngeren Kund*innen nicht mehr folgen".

Hans-Christian Wirtz in einer Nahaufnahme.

Er hat die künftigen Bibliotheksnutzer*innen im Blick: Hans-Christian Wirtz.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Stadt Dortmund / Anja Kador

Mit der DigiBib plus gestaltet sich die Literatursuche also nicht nur präziser als früher mit den klassischen Karteikarten, sondern auch deutlich umfangreicher, erläutert Hans-Christian Wirtz die Vorzüge. "DigiBib plus funktioniert wie eine Suchmaschine. Recherchiert man zum Beispiel die Begriffe 'Demenz und Pflege', dann tauchen diese in zahlreichen Zeitschriften, Büchern oder E-Books auf – und nicht nur im Titel. Man bekommt mit einem Klick auf den Reiter mehrere Hundert Treffer angezeigt, in manchen Fällen sind sogar bis 12.000 Treffer möglich. Die zugrundeliegenden Quellen sind entweder von uns lizensiert oder im Internet verfügbar."

Schulungen für Lernende und Studierende

12.000 Treffer? Der Umgang mit einer solchen Menge an Information will gelernt sein. Deshalb bieten Hans-Christian Wirtz und 5 weitere Kollege*innen regelmäßig Schulungen zu DigiBib plus an: "Rund 4000 Lernende und Studierende besuchen unsere Kurse jedes Jahr, das sind Jugendliche und junge Erwachsene der Sekundarstufe II, den Berufskollegs, den Fach- und Fachhochschulen, Unis oder dem gesamten Bereich der Gesundheit und Pflege." Gerade in letztgenanntem Bereich müssten die Auszubildenden, so Wirtz weiter, vermehrt Arbeiten nach wissenschaftlichen Kriterien verfassen. Nach einer kurzen Einführung erhalten die Teilnehmer*innen auf die jeweilige Zielgruppe abgestimmte Aufgaben. "Ein Teilnehmer recherchiert etwa zu einem bestimmten Thema, bleiben wir bei 'Demenz und Pflege'. Über einen Filter kann er die Zahl der Treffer eingrenzen: Möchte er die Informationen vielleicht nur aus Büchern, bestimmten Fachzeitschriften oder einem bestimmten Verlag? Möchte er nur deutsche oder auch fremdsprachige Quellen nutzen?" Im Anschluss an die Recherche folgt die Vorstellung der Ergebnisse, bei der Wirtz und die Kolleg*innen auch Tipps zum weiteren Umgang mit dem Gefundenen geben: Wie zum Beispiel gibt man eine Textstelle in einer Arbeit korrekt wieder, wie eine Quelle richtig an?

Rund 4000 Lernende und Studierende besuchen unsere Kurse jedes Jahr

Hans-Christian Wirtz

Moderne Recherche für alle

Um die DigiBib plus nutzen zu können, genügt der Besitz eines Bibliotheksausweises. Für die Nutzer*innen der TU entfällt dafür die jährliche Gebühr von 20 €. Hans-Christian Wirtz: "Diese Kosten finanziert der AStA der TU aus eigenen Mitteln. Einen ähnlichen Service soll es aber in absehbarer Zeit auch für die Studierenden der FHs geben." Für Schüler*innen bis zum vollendeten 21. Lebensjahr ist der Besitz des Ausweises ebenfalls kostenfrei. Neben den jungen Menschen, die in Schule oder Ausbildung unterwegs sind, schulen Hans-Christian Wirtz und die Kolleg*innen aber auch berufserfahrene oder künftig Lehrende. So nutzten Ende Mai acht Gruppen vom Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung Dortmund (ZfsL) die Möglichkeit, sich an zwei Tagen in die weite Welt der DigiBib plus einführen zu lassen. "Das Ganze natürlich eng abgestimmt mit den städtischen Kolleg*innen vom Fachbereich Schule. So greift ein Zahnrad ins andere", erläutert Wirtz. Aber auch städtische Mitarbeiter*innen schätzen DigiBib plus beruflich. "Die Kolleg*innen der schulpsychologischen Beratungsstelle etwa sind Kunden von uns", sagt Wirtz. "Sie benötigen regelmäßig deutsche und fremdsprachige Aufsätze aus psychologischen Fachzeitschriften oder E-Books."

Neue Version in Vorbereitung

Neben der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund bieten zehn weitere Bibliotheken in NRW den Service der DigiBib plus an. Am Hochschulbibliothekszentrum NRW (HBZ) in Köln, dessen Programmierer*innen technisch für DigiBib plus verantwortlich sind, wird derzeit eine neue Version vorbereitet – in enger Zusammenarbeit mit den an der Suchmaschine beteiligten Bibliotheken. Ein wichtiger Grund dafür ist "die Verbesserung der Usability, der Gebrauchstauglichkeit", weiß Hans-Christian Wirtz.

Denn in zunehmend kürzeren Abständen erweitert sich das Spektrum der Endgeräte digitaler Angebote. Dazu Hans-Christian Wirtz: "Vor zehn, 15 Jahren sind wir noch davon ausgegangen, dass die Leute am PC vor einem Bildschirm sitzen. Heute müssen wir auf die zahlreichen mobilen Geräte reagieren, das bedeutet, die gesamten Programmierungen sind nun vollständig 'mobil'. Die müssen auf allen Geräten laufen". Entsprechend bietet man im Rahmen der Schulungen auch Recherchen mit dem iPad an.

Die Kolleg*innen kennen die DigiBib plus in- und auswendig.

Hans-Christian Wirtz

Unabhängig davon, wer die Schulungen in der Bibliothek gegenüber dem Hauptbahnhofs besucht, die Kund*innen werden von einem hervorragend ausgebildeten Team betreut. Junge Kolleg*innen, die gerade den Bachelor absolviert haben, arbeiten mit erfahrenen Kräften zusammen, die eine jahrzehntelange Bibliothekserfahrung vorweisen. "Alle sind in der Lage, sich vor eine Gruppe zu stellen und eine Veranstaltung über rund zwei Stunden durchzuführen", spricht Wirtz den Kolleg*innen seine Achtung aus. "Sie kennen die DigiBib plus in- und auswendig".