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Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Stefanie Kleemann

Kinderoper

Kleines Haus, große Idee

22.01.2009, Von Stefanie Haddick

Eine eigene Bühne, ein eigener Orchestergraben, ein eigener Zuschauerraum – mit dem Bau der Dortmunder Kinderoper ist der Traum vom musikalischen Zuhause für Kinder endlich wahrgeworden. Nur wenige Meter vom großen Opernhaus entfernt finden seit dem 5. Mai 2008 Musikstunden der besonderen Art statt. Räuberische zum Beispiel!

Kinderoper: Kind in der Maske

Letzte Vorbereitungen vor dem großen Auftritt.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Lutz Kampert

Im Zuschauerraum wird es langsam dunkel. Das Gemurmel verstummt. Alle Blicke sind gespannt auf die Opernbühne gerichtet als ... nein, kein Tannhäuser ins Rampenlicht tritt, sondern: ein Cowboy. Leichten Schrittes trabt er herein, der obligatorische Hut sitzt lockerlässig auf dem Kopf, die goldenen Stiefel glänzen. Er ruft ein "Herzlich willkommen zum Konzert in der neuen Kinderoper Dortmund!" in die Runde, begibt sich hinter das DJ-Pult und haut kräftig in die Tasten seines Synthesizers. Als sich plötzlich die Seitentür öffnet und er den Raum betritt: Schnorr von Klau, der größte Räuber weit und breit.

Doch seit Kurzem ist der Klassenbeste der Räuberschule nicht mehr so recht bei der Sache. Er kann nicht mehr stehlen, ständig schwirrt ihm diese Melodie im Kopf herum. Das hat doch nicht etwa mit der dazugehörigen Flötistin zu tun? Und so begibt Schnorr sich in "Wer andern nach der Pfeife tanzt" auf eine Reise zu seinen tief vergrabenen Gefühlen.

Kinder im Publikum der Kinderoper

Begeisterung beim jungen Publikum: 92 Zuschauer finden in der Kinderoper Platz.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Lutz Kampert

Unterstützt von einem Jungen und einem Mädchen, dem Publikum und natürlich der Musik – von Andrew Lloyd Webber über Billy Joel bis zu Wolfgang Amadeus Mozart.

Mit Kindern für Kinder

Eine Stunde vor Vorstellungsbeginn: Anne Merle Köck sitzt in der Maske und lässt sich für ihren Auftritt zurechtmachen – ein wenig Rouge auf die Wangen, die Haare zu Zöpfen binden, aufdrehen und mit Klammern fixieren. "Ich spiele ein Mädchen, das aus einem Räuber herausbringt, dass er verliebt ist", erklärt sie und verzieht kurz das Gesicht: "Aua, das ziept." Doch der Schmerz ist schnell vergessen, die Bühne ruft. Von Lampenfieber keine Spur: "Wir haben ja oft genug geübt." Außerdem kommt Anne, wie viele der sogenannten Sing- und Spielkinder, von der Chorakademie und hat dort schon Bühnenerfahrung gesammelt.

"Wir versuchen, so oft wie möglich in unseren Stücken Kinder für Kinder spielen zu lassen. Das schafft eine engere Verbindung", erklärt Heike Buderus, Theaterpädagogin am Theater Dortmund. Verbindung schaffen, die jungen Besucher dort abholen, wo sie sind – die Dortmunder Kinderoper will und kann viel erreichen.

Junge Schauspielerin in der Kinderoper

Anne Merle Köck in der Inszenierung "Wer andern nach der Pfeife tanzt".
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Lutz Kampert

Der Bau eines eigenen festen Gebäudes für die Kinderoper, übrigens der erste in Nordrhein-Westfalen, ist ein großer Schritt auf diesem Weg. Für Christine Mielitz eine Herzensangelegenheit: "In Dortmund wurde ein Zeichen gesetzt, dass man Kindern begegnen muss. Und das geschieht am besten in einem eigens für sie geschaffenen Raum", weiß die Operndirektorin. "Das Haus an sich mag mit seinen 92 Plätzen überschaubar sein, aber die Idee, die dahintersteckt, ist eine große!" Und der Erfolg gibt ihr und dem Kinderoper-Team Recht: Die Aufführungen sind fast immer restlos ausverkauft, auch aus den umliegenden Städten zieht es Schulklassen und Familien immer öfter in die Kuhstraße.

"Dortmund ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, wie private und städtische Mittel zusammenkommen, um etwas Tolles zu schaffen", so Mielitz. Die Idee einer Kinderoper fand hier bei Firmen sowie Privatpersonen rege Unterstützung, die für den Bau benötigten 450.000 Euro kamen größtenteils durch Spenden zusammen. Nur ein Jahr nach dem ersten Spatenstich öffneten sich so die Türen für den musikbegeisterten Nachwuchs.

Der Anti-Angst-Räubertanz

"Räuber sieht ein Röslein stehn", trällert Schnorr von Klau unterdessen aus vollem Halse. Er singt, pflückt Blumen ... und macht dabei "so ein richtiges Operngesicht", wie einer der kleinen Zuschauer passend bemerkt.

Ja, die Flötistin hat Schnorrs Herz gestohlen. Doch der sonst so mutige, draufgängerische Räuber hat Angst. Wie soll er nur beim Vater seiner Liebsten, ausgerechnet einem Polizisten, vorsprechen? Da gibt es nur ein Mittel: den Anti-Angst-Räubertanz. Und da der umso besser wirkt, je mehr Leute mittanzen, ist auch das Publikum gefragt – Kinder, Eltern und Großeltern.

Also die Hände in Boxhaltung, ein paar kraftvolle Schritte nach links, ein paar nach rechts. "Mut, Mut", hallt es durch die Kinderoper und noch lange nach dem Happy End durch Straßenbahnen, Autos und vor allem Kinderköpfe.