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Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Stefanie Kleemann

Bilinguale Kita

"Miss Polly had a dolly"

15.09.2010, Von Petra Schrader

Babys prägen sich alle Laute ein, die sie hören und ahmen sie später nach. Dabei ist es dem kleinen Kind ganz egal, aus welcher Sprache die Laute kommen, die es hört. Und weil die Fähigkeit von kleinen Kindern eine Sprache zu lernen geradezu unbegrenzt ist, liegt es nahe, Kinder ganz früh mehrsprachig aufwachsen zu lassen - lange bevor der Schulalltag beginnt. An zwei städtischen Kindertageseinrichtungen erleben Kinder ein bilinguales, in diesem Fall deutsch-englisches Umfeld.

bilinguale Kindertageseinrichtung

Erzieherin Ruth Duhme spricht mit den Kindern nur Englisch
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Petra Schrader

Die Ferien sind vorbei, die Kinder aus der FABIDO Kindertageseinrichtung für Kinder am Friedrich-Henkel-Weg sind in ihrem Gruppenraum. Einige spielen auf der Hochebene, andere spielen am Tisch und eine kleine Gruppe sitzt mit Erzieherin Ruth Duhme auf der Couch und guckt ein Bilderbuch. Ganz normaler Alltag in einer Kindertageseinrichtung eben. Aber doch anders, denn Ruth Duhme spricht mit den Kindern nur Englisch und die knapp vierjährigen hängen an ihren Lippen, können ihr ganz offensichtlich sprachlich problemlos folgen. Eine kleine Prinzessin möchte mitgucken, findet keinen Platz mehr auf dem Sofa. "You can sit behind me or on my lap", sagt ihr Ruth Duhme und ohne zu überlegen klettert das kleine Mädchen strahlend auf den Schoß der Erzieherin.

Oh, that looks dangerous, stop it!

Ruth Duhmes Blick fällt auf ein kleines Mädchen, das von der Hochebene runterklettert, den Puppenbuggy fest in der Hand: "Oh, that looks dangerous, stop it! Please Axel have a look" bittet sie ihren Kollegen. Der springt auf, sagt "Das sieht nicht nur gefährlich aus, das ist es auch". Ein normaler bilingualer Dialog am Friedrich-Henkel Weg, denn Ruth Duhmes Muttersprache ist Englisch und ausschließlich in dieser Sprache erleben sie die Kinder in dieser Einrichtung.

Sprachbad

Birgit Waldmann, Leiterin der Einrichtung beschreibt das Konzept: "Wir gehen davon aus, dass eine zweite Sprache genau wie eine Muttersprache erworben werden kann und so erleben die Kinder hier die englische Sprache als etwas ganz normales".

bilinguale Kindertageseinrichtung

Kinderbücher in englischer Sprache sind bei den Kleinen der Renner
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Petra Schrader

Mit der bilingualen Erziehung in der Kindertagesstätte hat FABIDO eine Idee der Wirtschaftsförderung Dortmund aufgegriffen: In der Kindertagesstätte Kuithanstraße in mittlerweile zwei Gruppen und eben im Friedrich-Henkel Weg.

Hier war Birgit Waldmann sofort dafür in die Bilingualität einzusteigen. "Wenn die Sprache von einer Muttersprachlerin vermittelt wird, ist das Sprachbad, die Immersion, wie wir das nennen auch wirklich authentisch", sagt sie.

Nie mit Druck

Bilinguale Erziehung in der Kindertageseinrichtung hat nichts zu tun mit Sprachunterricht, es gibt keine Lernstunden, keine Vokabeltests, keine Erklärungen kein Korrigieren und überhaupt keinen Druck: "Ich bin wie alle Erzieherinnen in einer Gruppe, lebe hier den Alltag und rede eben englisch- immer und in jeder Situation. Dabei unterstütze ich alles was ich sage, durch Mimik und Gestik- genau wie bei allen Kindern, die eine Muttersprache erlernen. Denn schließlich reift ein Gehirn etappenweise", erklärt Ruth Duhme das Prinzip, das ganz simpel klingt. Die Kinder erschließen sich dann Schritt für Schritt die "fremde" Sprache.

Natürlich spreche ich mit einer Einjährigen anders als mit einem Sechsjährigen

Zunächst hören sie sehr lange zu und irgendwann entscheiden sie selbst, ob sie sich in der "neuen" Sprache auch verständigen wollen.

Und was ist, wenn ein Kind zu Ruth Duhme kommt, weil es Streit mit anderen hatte oder Kummer los werden will? "Das ist kein Problem, für die Kinder ist es ganz normal damit zu mir zu kommen. Sie reden dann deutsch und ich englisch und die Kinder verstehen eigentlich immer was ich sage". Außerdem gibt es ja noch "Emotionskarten, die zur Hilfe genommen werden, weil dort Gesichter zu Gefühlen abgebildet sind".

Immer und überall englisch

Nicht nur in der "eigenen" Gruppe ist englisch für Ruth Duhme die Umgangssprache, auch wenn sie etwa im Außengelände Kontakt zu anderen Kindern hat spricht sie englisch: "Das klappt gut und oft reagieren Kinder auf die Sprachmelodie", nimmt sie alle Bedenken. In Projekten, in Ritualen und im normalen Tagesablauf hat die englische Sprache im Friedrich-Henkel-Weg ihren natürlichen Platz.

biliunguale Kindertageseinrichtung

Englischsprachige Bücher für unterschiedliche Altersgruppen vermitteln spielerisch die Sprache.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Petra Schrader

Durch den frühen und intensiven Zugang erleben die Kinder die Sprache, ihren Klang und ihre eigene Melodie. Es gibt Kinderbücher in englischer Sprache, die Ruth Duhme vorliest, Lieder wie das von Miss Polly, deren Puppe krank geworden ist und andere Medien, die einbezogen werden. "Es kommt einfach darauf an, kindgerecht zu sprechen und natürlich spreche ich mit einer Einjährigen anders als mit einem Sechsjährigen", so Ruth Duhme. Und so passiert eben auf Englisch, was auch sonst in der Kindertagesstätte besprochen und erspielt würde: Kinder reden darüber, wer sie sind, wo sie wohnen, wie ihr Körper funktioniert und immer gibt es dazu Bilder und Musik.

Erfolg - na klar

Und wie sieht es mit dem Erfolg aus? Ruth Duhme lächelt: "Ich merke einfach, dass die Kinder Spaß haben. Englische Lieder nachsingen, Situationen nachspielen. Und dass sie Wörter sammeln".

"Es hat sich gelohnt, es funktioniert wirklich", freut sich Leiterin Birgit Waldmann. Froh ist sie auch, dass die bilinguale Erziehung mittlerweile in der einen oder anderen Grundschule fortgesetzt wird und vor allem darüber, dass seit Anfang September ein Erzieher am Friedrich-Henkel-Weg arbeitet, dessen Muttersprache Englisch ist. In welcher Sprache er mit den Kindern reden wird, ist wohl keine Frage.

Miss Polly had a dolly

Miss Polly had a dolly who was sick, sick, sick.
So she phoned for the doctor to be quick, quick, quick.
The doctor came with his bag and hat,
And knocked at the door with a rat tat tat.

He looked at the dolly and shook his head,
And said "Miss Polly put her straight to bed."
He wrote a pad for a pill, pill, pill.
I’ll be back in the morning with my bill, bill, bill.